Dieser Überblick ist für trans und nicht-binäre Erwachsene gedacht, die entscheiden wollen, was sie schauen. Eine Rangliste ist er nicht. Zu jedem Film und jeder Serie erfährst du, wer dahintersteht, worum es geht, warum es dir etwas bedeuten könnte, welche Kritik es gab und was auf dem Bildschirm passiert, wovor du vielleicht gewarnt werden möchtest. Kein Ende wird hier verraten.
Ausgewählt haben wir nach Bandbreite, nicht nach Prestige: Dokumentarfilme und Fiktion, Werke von den 1960er-Jahren bis heute, Filme und Serien aus Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Pakistan, den Philippinen, Spanien und den USA. Trans Frauen, trans Männer und nicht-binäre Menschen stehen hier alle irgendwo im Mittelpunkt, und viele People of Color ebenso. Wir haben auch berühmte Filme aufgenommen, die viele trans Zuschauerinnen und Zuschauer ablehnen. Du wirst auf sie angesprochen werden, und schon zu wissen, warum sie kritisiert wurden, ist nützlich.
Wenn ein Eintrag sagt, dass eine trans oder nicht-binäre Person etwas geschrieben, inszeniert oder produziert hat oder darin spielt, dann hat diese Person das öffentlich gesagt oder wurde in einem Interview oder Porträt so beschrieben, das in den Quellen des Eintrags steht. Wir schließen nicht aus Werk, Aussehen oder Rollen auf die Identität von irgendjemandem. Wo sich jemand nie dazu geäußert hat, sagen wir nichts. Das hinterlässt Lücken, und die Lücken sind uns lieber.
Jeder Eintrag nennt seine eigenen Quellen. Wo etwas gestreamt werden kann, sagen wir nicht, weil sich das alle paar Monate ändert. Die Inhaltshinweise stützen sich auf Kritiken und Beschreibungen, nicht auf ein Protokoll Szene für Szene, also nimm sie als Ausgangspunkt, nicht als Garantie. Namen und Pronomen sind die, die Menschen heute verwenden, in älteren Credits kann deshalb ein anderer Name stehen.
Dokumentarfilme
Bei einem Dokumentarfilm gehört immer mit zur Geschichte, wer die Kamera hält. Einige dieser Filme stammen von trans Regisseurinnen und Regisseuren. Andere haben Filmschaffende gedreht, die sich nicht als trans beschrieben haben und Jahre mit den Menschen vor der Kamera verbracht haben, und manche gehen offen mit der Spannung um, die daraus entsteht. Jeder Eintrag sagt, was belegt ist.
Wenn du von dieser Seite nur eine Sache schaust, ist Disclosure ein guter Anfang: Der Film benennt Muster, die du in fast allem anderen hier wiedererkennen wirst.
Southern Comfort (2001, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie, Produktion, Kamera und Schnitt: Kate Davis, USA. Im Mittelpunkt steht Robert Eads, ein trans Mann; zu sehen sind auch seine Partnerin Lola Cola, eine trans Frau, und seine Wahlfamilie aus trans Freundinnen und Freunden, darunter Max und Cas.
Robert Eads war ein trans Mann und lebte in den Hügeln des ländlichen Georgia: Vollbart, Pfeife in der Hand, stolz darauf, sich einen Hillbilly zu nennen. Er war schwer an Krebs erkrankt und von Ärzten abgewiesen worden, die keinen trans Patienten wollten. Kate Davis filmte das letzte Jahr seines Lebens.
Im Lauf der Jahreszeiten sehen wir, wie er sich in Lola verliebt, Zeit mit der Wahlfamilie verbringt, die er sich aufgebaut hat, Besuch von seinen Eltern und seinem Sohn bekommt und davon träumt, es noch bis zur Southern Comfort Conference in Atlanta zu schaffen, einem großen Treffen von trans Menschen.
Warum es wichtig ist. Der Film ist eine Liebesgeschichte zwischen einem trans Mann und einer trans Frau und das Porträt einer Wahlfamilie im ländlichen Süden der USA, beides auf der Leinwand bis heute selten. Eads war für diesen Film zum ersten Mal bereit, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil es sich, wie er Davis sagte, lohne, wenn es auch nur einem anderen trans Mann helfe, zum Arzt zu gehen. Zugleich ist er ein harter Beleg dafür, was medizinische Diskriminierung kostet.
Gut zu wissen. Im Rückblick 2026 gab der Kritiker Blake Peterson der Autorin Sally Jane Black recht, dass der Film nicht wütend genug auf Eads' Seite steht: Davis konzentriert sich darauf, wer er war, statt die Ärzte zu benennen, die ihn abwiesen. Peterson verweist auch auf die Spannung, dass seine Geschichte von einer Außenstehenden mit mehr gesellschaftlicher Macht erzählt wird. Laut Davis' eigenen Produktionsnotizen waren mehrere Mitwirkende nicht geoutet, was die Dreharbeiten auf der Konferenz einschränkte.
Inhaltshinweise: Verweigerung medizinischer Versorgung, unheilbare Krankheit und Sterben, Misgendern durch die Familie, Erwähnungen des Ku-Klux-Klans
Screaming Queens: The Riot at Compton's Cafeteria (2005, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie, Buch und Produktion: Susan Stryker und Victor Silverman, entstanden in Zusammenarbeit mit ITVS und KQED für das öffentliche Fernsehen der USA. Stryker, Historikerin und trans Frau, ist selbst im Bild, und zu den Interviewten gehören trans Frauen, die in den 1960er-Jahren im Tenderloin lebten, darunter Felicia Elizondo, Amanda St. Jaymes und Tamara Ching.
Eines Nachts im August 1966 kam im Tenderloin, einem Viertel von San Francisco, die Polizei in Gene Compton's Cafeteria, ein die ganze Nacht geöffnetes Lokal, in dem sich trans Frauen, Drag Queens und junge Leute trafen, die auf der Straße anschafften. Als ein Beamter eine der Kundinnen packte, schüttete sie ihm ihren Kaffee ins Gesicht, und in der Cafeteria brach ein Aufruhr los. Das geschah drei Jahre vor Stonewall und geriet fast in Vergessenheit.
Jahrzehnte später stieß die Historikerin Susan Stryker auf eine Spur davon und machte sich auf die Suche nach den Menschen, die dabei gewesen waren. Der Film baut auf ihren Interviews auf, dazu kommen ein Sergeant der Polizei, Geistliche einer Kirche aus der Nachbarschaft und Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Viertel, und er ordnet den Aufstand in die Armut der Stadt, die Stadtsanierung und die Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre ein.
Warum es wichtig ist. Wenn du gelernt hast, dass trans Geschichte mit Stonewall beginnt, rückt dieser Film das zurecht, und er wird großenteils von den trans Frauen aus dem Tenderloin selbst erzählt. Er ist kurz, unter einer Stunde, und sichtlich fürs öffentliche Fernsehen gemacht, hat aber dazu beigetragen, Compton's wieder in die Geschichtsschreibung zu holen. Außerdem verknüpft er das Überleben von trans Menschen mit Arbeit, Wohnen und Polizei, statt Identität als die ganze Geschichte zu behandeln.
Gut zu wissen. Der Aufstand hat kaum schriftliche Spuren hinterlassen. Die Presse berichtete damals nicht darüber, die genaue Nacht ist nicht bekannt, und laut NPR ist der einzige erhaltene schriftliche Bericht ein kurzer Artikel des Aktivisten Raymond Broshears von 1972. Der Film stützt sich auf Erinnerungen, die Jahrzehnte später gesammelt wurden, und darin liegen zugleich seine Stärke und seine Grenze.
Inhaltshinweise: Schikanen und Gewalt durch die Polizei, Sexarbeit, Drogenkonsum, Armut
Bambi (2013, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Sébastien Lifshitz, Frankreich, auf Französisch, ein Porträt von etwa einer Stunde. Im Mittelpunkt steht Marie-Pierre Pruvot, auf der Bühne als Bambi bekannt, eine der ersten trans Frauen in Frankreich, die transitioniert und das öffentlich gelebt haben.
Marie-Pierre Pruvot wurde 1935 in Französisch-Algerien geboren und spürte seit ihrer Kindheit, dass sie ein Mädchen war, auch wenn sie gezwungen wurde, als Junge zu leben. Als Jugendliche sah sie die trans Künstlerin Coccinelle auf der Bühne und beschloss, als Frau zu leben. Unter dem Namen Bambi wurde sie in den 1950er- und 1960er-Jahren ein Star Pariser Cabarets wie Le Carrousel.
Dann, mit über 30, drückte sie noch einmal die Schulbank, wurde Französischlehrerin und unterrichtete jahrzehntelang an einer Schule außerhalb von Paris. Lifshitz setzt sich zu ihr und lässt sie erzählen. Der Film gewann bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2013 den Teddy Award als bester Dokumentarfilm.
Warum es wichtig ist. Bambi erlebte Jahrzehnte, in denen es, wie Lifshitz es ausdrückte, die Worte für sie noch nicht gab, und sie erzählt ihr Leben mit echter Erzählkunst. Selten bekommt man die Gelegenheit, eine trans Frau der älteren Generation von einem öffentlichen Leben im Paris der Jahrhundertmitte erzählen zu hören und von der langen, gewöhnlichen, geachteten Berufslaufbahn danach. Der Film erinnert daran, dass trans Frauen damals ganze Leben hatten, nicht nur Skandale.
Gut zu wissen. Die Fassung von 2013 dauert unter einer Stunde, und Lifshitz sagte später, er habe das Gefühl gehabt, „nicht bis zum Ende gegangen“ zu sein, und wolle „den Film reparieren“. Eine 90-minütige Fassung lief 2021 auf Canal+. Beide Fassungen sind im Kern das Zeugnis einer einzigen Frau, und darin liegt ihre Stärke.
Inhaltshinweise: Anfeindung und Ablehnung im Frankreich der Jahrhundertmitte und im kolonialen Algerien, Druck in der Kindheit, als Junge zu leben
Kumu Hina (2014, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie und Produktion: Dean Hamer und Joe Wilson, USA (Hawaiʻi), auf Englisch und Hawaiisch, 2015 bei PBS in der Reihe Independent Lens ausgestrahlt. Hinaleimoana Wong-Kalu, eine indigene hawaiische māhū und Lehrerin, wird als haku moʻolelo (Geschichtenerzählerin) und Sprecherin genannt, und die indigene hawaiische Filmemacherin Connie M. Florez war Koproduzentin.
Hinaleimoana Wong-Kalu, bekannt als Kumu (Lehrerin) Hina, ist eine indigene Hawaiianerin und māhū, ein Wort, das laut PBS Menschen bezeichnet, die männlichen und weiblichen Geist verkörpern. Sie leitet den Kulturbereich einer Charter-Schule in Honolulu, an der auf Hawaiisch unterrichtet wird.
Der Film begleitet sie dabei, wie sie mit traditioneller Kultur eine Schülerin, Hoʻonani, darin bestärkt, ihren Platz als Anführerin der Hula-Gruppe der Schule einzunehmen, die sonst nur aus Jungen besteht. In ihrem eigenen Leben sehnt sie sich nach Liebe und Verbindlichkeit, und sie ist mit einem Mann aus Tonga verheiratet. Es ist ein leiser, beobachtender Film, erzählt mit Hinas eigener Stimme.
Warum es wichtig ist. Er zeigt ein Geschlecht jenseits westlicher Kategorien als etwas mit tiefen Wurzeln und einem geachteten Platz in der eigenen Kultur, nicht als neue Idee, die man erst erklären muss. Hina wird nicht als Heilige dargestellt: Die Kritik bei IndieWire lobte den Film dafür, dass er sie mutig und selbstsicher zeigt, aber auch verunsichert, bei der Arbeit respektiert und zu Hause im Kampf mit Schwierigkeiten. Er zeigt eine Seite von Hawaiʻi, die man selten auf der Leinwand sieht.
Gut zu wissen. Achte auf die Begriffe. PBS und die Website des Films übersetzen māhū mit „transgender“, doch die Kritik bei IndieWire hielt 2014 fest, dass es Hina einen Begriff vom US-Festland überstülpt, sie eine trans Frau zu nennen, weil māhū ihr eigenes Wort ist. Dieselbe Kritik merkte an, dass der Film die Risse in ihrer Ehe nicht übertüncht.
Inhaltshinweise: Belastungen und Konflikte in einer Ehe
Bixa Travesty (2018, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Claudia Priscilla und Kiko Goifman, mit Linn da Quebrada als Mitwirkender am Drehbuch, Brasilien, auf Portugiesisch. Linn, eine Schwarze brasilianische Sängerin und Performerin, nennt sich selbst travesti, ein Wort, das nach ihren Worten viel Geschichte trägt und das sie mit Stolz für sich beansprucht; auch ihre Freundin und Bühnenpartnerin Jup do Bairro, ebenfalls eine Schwarze trans Musikerin, ist zu sehen.
Linn da Quebrada wuchs am Stadtrand von São Paulo auf und macht vom Baile Funk geprägte Musik, die Machismo, Rassismus und Geschlechternormen auseinandernimmt. Bixa Travesty zeigt sie mit Jup do Bairro auf der Bühne, in einer Studiokulisse im Stil eines Podcasts, in der sie direkt in die Kamera spricht, und zu Hause bei ihrer Mutter, mit der sie über Geschlecht und Armut redet.
Es ist weniger ein klassisches Porträt als eine Mischung aus Performance, Gespräch und inszenierten Szenen, eine Form, die Linn als nicht fiktional, sondern „friktional“ beschreibt. Der Film feierte bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin Premiere und gewann den Teddy Award als bester Dokumentarfilm.
Warum es wichtig ist. Linn hat gesagt, das Kino habe „mitgeholfen, die Abwesenheit der travesti herzustellen“, und sie habe einen Film gewollt, der ihren eigenen Blick auf sich selbst zeigt. Genau das ist er: eine Schwarze travesti, die selbst bestimmt, wie sie gesehen wird, laut, witzig und politisch, in einem Land, in dem laut Guardian 2019 mehr trans Menschen getötet wurden als irgendwo sonst.
Gut zu wissen. Regie führte nicht die Frau, um die es geht, und Linn ist direkt darauf eingegangen: Sie sagte, sie habe keinen Film über sich gewollt, sondern einen, der mit ihr gemacht wird, und nennt ihn „unseren Film“. Priscilla erzählte Veja, Linn habe jeden Schnitt begleitet und genauso viel mitzureden gehabt wie die Regisseurin und der Regisseur.
Inhaltshinweise: offene Gespräche über Sex und den Körper, Diskussion expliziter Bilder, Transfeindlichkeit und Rassismus, Spannungen in der Familie wegen des Geschlechts
Happy Birthday, Marsha! (2018, Kurzfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Tourmaline (damals unter dem Namen Reina Gossett genannt) und Sasha Wortzel, USA, mit Zackary Drucker als beratender Produzentin; Mya Taylor spielt Johnson und Eve Lindley spielt Rivera. Tourmaline hat sich selbst als Schwarze trans Frau beschrieben.
Das ist ein kurzer Spielfilm, kein Dokumentarfilm. Er stellt sich Marsha P. Johnson an einem heißen Tag im Juni 1969 vor: Sie gibt eine Geburtstagsparty, und niemand kommt, während ihre Freundin Sylvia Rivera mit eigenen Problemen kämpft. Durch einen harten Tag voller Schikanen und Einsamkeit schlagen sich die beiden Freundinnen bis zum Stonewall Inn durch, in der Nacht, in der die Polizei dort eine Razzia plant.
Tourmaline und Wortzel wollten ursprünglich einen Dokumentarfilm über Johnson und Rivera drehen und entschieden sich dann für einen fiktionalen Kurzfilm, finanziert per Crowdfunding auf Kickstarter, den sie als Machbarkeitsnachweis für einen Spielfilm in voller Länge beschrieben.
Warum es wichtig ist. Er ist eine Hommage an zwei People of Color im Herzen der queeren und trans Befreiungsbewegung, gemacht von einer Schwarzen trans Frau, die mehr als ein Jahrzehnt lang in Archiven und Wohnzimmern nach Johnsons Geschichte gesucht hat. Er zeigt Johnson und Rivera als Freundinnen an einem gewöhnlichen, schwierigen Tag, nicht nur als Symbole. Schau ihn als Hommage, nicht als Geschichtsstunde.
Gut zu wissen. Mit den Fakten nimmt er sich Freiheiten: Johnson hatte im August Geburtstag, und in einem späteren Interview sagte sie, der Aufstand sei schon im Gang gewesen, als sie ankam. Außerdem steht der Film mitten in einem öffentlichen Streit mit dem Dokumentarfilm The Death and Life of Marsha P. Johnson von David France; mehr dazu im Eintrag zu diesem Film weiter unten.
Inhaltshinweise: Schikanen durch die Polizei und eine Razzia, Drogenkonsum, Einsamkeit und Zurückweisung
Disclosure (2020, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Sam Feder, trans und selbst im Film tätig, Produktion: Feder und Amy Scholder, USA; zu den Executive Producers gehört Laverne Cox, die auch im Film zu sehen ist. Feder sagte Deadline, mehr als 150 trans Menschen hätten an dem Film mitgearbeitet, und wenn sich für eine Stelle im Team keine trans Person finden ließ, sei stattdessen eine trans Person aus dem Filmbereich als Mentee begleitet worden.
Disclosure blickt auf rund ein Jahrhundert überwiegend US-amerikanischer Film- und Fernsehgeschichte, mit den Augen der trans Menschen, die damit aufgewachsen sind. Laverne Cox, Jen Richards, Yance Ford, Lilly Wachowski, Angelica Ross, Brian Michael Smith, Chaz Bono, Susan Stryker und viele andere schauen sich Ausschnitte an und sprechen darüber, was diese Bilder ihnen und allen anderen darüber beigebracht haben, wer trans Menschen sind.
Der Film bewegt sich zwischen dem Schmerzhaften, etwa der auf Ekel angelegten „Enthüllung“ und der trans Figur als Witzfigur oder Killer, und dem unerwartet Zärtlichen, etwa wenn Cox in Yentl etwas von sich selbst entdeckt oder Stryker und Wachowski in Bugs Bunny.
Warum es wichtig ist. Viele von uns haben diese Bilder verinnerlicht, bevor wir Worte für uns selbst hatten. Disclosure benennt das, und zu Wort kommen ausschließlich trans Menschen aus Schauspiel, Drehbuch und Wissenschaft, während auch hinter der Kamera trans Menschen arbeiten. Feder hat die Arbeit daran als „qualvoll und bestätigend zugleich“ beschrieben, und genauso kann sich auch das Anschauen anfühlen.
Gut zu wissen. Er handelt fast ausschließlich von der Film- und Fernsehkultur der USA, und Feder hat gesagt, in dem riesigen Berg an Material „fehlt noch vieles“. Feder hat außerdem gesagt, dass Sichtbarkeit an sich nicht das Ziel sei, weil mit mehr Sichtbarkeit auch mehr Gegenwind gekommen sei, und der Film hält diese Spannung aus, statt sie aufzulösen.
Inhaltshinweise: transfeindliche Witze und „Enthüllungsszenen“, Ausschnitte, die trans Menschen als hinterhältig, abstoßend oder gewalttätig darstellen, Gespräche über Gewalt gegen trans Frauen
No Ordinary Man (2020, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Aisling Chin-Yee und Chase Joynt, Buch: Chin-Yee und Amos Mac, Kanada. Joynt ist trans, und Billy Tipton wird in Castings und Szenen von Schauspielern gespielt, die trans Männer sind, darunter Marquise Vilsón und Scott Turner Schofield.
Billy Tipton war Jazzpianist und Sänger, lebte ab 1933 als Mann, spielte in Clubs im Westen und Mittleren Westen der USA und ließ sich später mit seiner Frau Kitty und ihren drei Adoptivsöhnen in Spokane nieder. Als er 1989 starb, wurde öffentlich bekannt, dass ihm bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen worden war, und Boulevardblätter und Talkshows machten aus dem Leben seiner Familie ein Spektakel.
No Ordinary Man versucht nicht zu klären, wer Tipton „wirklich“ war. Die Filmschaffenden lassen trans Männer, die schauspielern, für Szenen über sein Leben vorsprechen und fragen sie dann, was die Rolle in ihnen auslöst. Trans Menschen aus Literatur und Wissenschaft sprechen darüber, wie seine Geschichte erzählt worden ist, und sein Sohn Billy Jr. erzählt von seinem Vater.
Warum es wichtig ist. Filme über trans Männlichkeit gibt es noch immer wenige, und dieser behandelt einen Mann, der nie für sich selbst gesprochen hat, mit echter Sorgfalt. Es berührt, trans Männern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft dabei zuzusehen, wie sie sich in einem Leben wiederfinden, das vor unseren heutigen Wörtern gelebt wurde, und wie sie mit ihm hadern. Joynt hat gesagt, das Ziel sei gewesen, das Erzählen „in die Hände möglichst vieler Menschen zu legen, die sich als transmaskulin verstehen“.
Gut zu wissen. Tipton hat sich nie öffentlich erklärt, also ist jede Darstellung von ihm eine Deutung. Der Film streitet offen mit der bekanntesten, Diane Wood Middlebrooks Biografie von 1998, die sein Leben laut den Mitwirkenden als pragmatische Entscheidung darstellte, um in der Musik arbeiten zu können. Richard Brody vom New Yorker, der den Film schätzte, merkte an, dass sein Meta-Ansatz Grenzen hat und selten beim eigenen Vorgehen verweilt.
Inhaltshinweise: Outing nach dem Tod, Archivausschnitte aus Talkshows und Boulevardblättern, die Tiptons Leben als Betrug behandeln, zudringliche Fragen an seine Familie, Gespräche über die Umstände seines Todes
Framing Agnes (2022, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Chase Joynt, Buch: Joynt und Morgan M. Page, Kanada. Joynt, selbst trans, spielt den Interviewer, und die Menschen aus den Fallakten werden von den trans Schauspielerinnen und Schauspielern Angelica Ross, Zackary Drucker, Jen Richards, Max Wolf Valerio, Silas Howard und Stephen Ira verkörpert; die Historikerin Jules Gill-Peterson führt durch den Stoff.
Anfang der 1960er-Jahre nahm eine junge trans Frau, bekannt unter dem Pseudonym Agnes, an der Geschlechterforschung des Soziologen Harold Garfinkel an der UCLA teil und wurde zu einem berühmten Fall der Soziologie. Jahrzehnte später fanden Chase Joynt und die Soziologin Kristen Schilt in einem verrosteten Aktenschrank die Transkripte von Garfinkels Interviews mit ihr und mit anderen trans Menschen.
Framing Agnes inszeniert diese Interviews neu als Talkshow in Schwarz-Weiß im Stil der 1960er-Jahre und schneidet dann zu den Darstellenden, den Filmschaffenden und der Historikerin Jules Gill-Peterson, die darüber sprechen, was es bedeutet, diese Menschen zu spielen, wie trans Geschichten erzählt werden und warum wir überhaupt nach Ikonen suchen. Der Film ist aus Joynts gleichnamigem Kurzfilm von 2019 hervorgegangen.
Warum es wichtig ist. Ein großer Teil unserer frühen Geschichte erreicht uns über Arztakten und Talkshows. Statt so zu tun, als ließe sich die „echte“ Agnes zurückgewinnen, übergibt dieser Film das Archiv an trans Menschen und lässt sie mit ihm streiten, und mit der Idee der trans Ikone. Wie Angelica Ross im Film sagt: „Wir haben die Geschichten gehört, die der Jäger erzählt, und nicht die des Löwen.“
Gut zu wissen. Die Kritiken zur Form fielen gemischt aus. In Paste nannte Shayna Maci Warner den Film „formal unvollständig und zerklüftet“, meinte, er nutze zu wenig von den außergewöhnlichen Transkripten, und fand seinen theoretischen Ansatz ziemlich unzugänglich für ein Projekt, das auf den Aussagen gewöhnlicher trans Menschen beruht. Wenn du eine geradlinige Geschichtsdarstellung suchst, ist das nicht der richtige Film.
Inhaltshinweise: nachgespielte Forschungsinterviews über Geschlecht und Körper, prüfende Blicke auf trans Menschen im Talkshow-Stil, Ausschnitte, in denen die Presse trans Prominente seziert
Kokomo City (2023, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie, Produktion, Kamera und Schnitt: D. Smith, USA, mit Lena Waithe und Rishi Rajani unter den Executive Producers. Smith ist eine trans Frau und Grammy-prämierte Musikproduzentin, und die vier Protagonistinnen des Films sind Schwarze trans Frauen.
Vier Schwarze trans Frauen, die Sexarbeit machen oder gemacht haben, Daniella Carter und Dominique Silver in New York sowie Koko Da Doll und Liyah Mitchell in Atlanta, sprechen in ihren Schlafzimmern, Autos und Wohnungen in D. Smiths Kamera. Sie sind witzig, direkt und scharfsinnig, wenn es um Kunden, Gefahr und Familie geht und darum, wie Schwarze cis Männer, die sie im Privaten begehren, sie in der Öffentlichkeit oft beschämen.
Smith dreht in Schwarz-Weiß mit der Energie eines Musikvideos, fügt augenzwinkernde nachgestellte Szenen hinzu und interviewt auch einige Schwarze Männer über Begehren, Geschlecht und Männlichkeit.
Warum es wichtig ist. Der Film reduziert Schwarze trans Frauen nicht auf Trauma. Diese Frauen erzählen ihre eigenen Geschichten, zu ihren eigenen Bedingungen, einer Regisseurin, die nach eigener Aussage nach ihrer Transition ihre Musikkarriere und ihre Wohnung verlor. Er pfeift auf Wohlanständigkeit und auf die üblichen vorsichtigen Sprachregelungen, und genau das werden manche lieben und andere schwer auszuhalten finden.
Gut zu wissen. Die Kritik im Hollywood Reporter fand, dass die Interviews mit Schwarzen Männern mitunter unbeholfen neben den Aussagen der Frauen stehen. Peter Debruge von Variety wies auf eine späte Sequenz hin, die sich auf die Körper der Frauen konzentriert, eine Entscheidung, die manche trans Zuschauerinnen und Zuschauer umstritten finden. Koko Da Doll wurde im April 2023, wenige Monate nach der Premiere, in Atlanta erschossen, und der Film ist ihr gewidmet.
Inhaltshinweise: offene Gespräche über Sex, Nacktheit, eine gewaltsame Begegnung mit einem Kunden, bei der eine Waffe im Spiel ist, Schimpfwörter im Mund der Protagonistinnen, Ablehnung durch die Familie, Gespräche über Gewalt gegen trans Frauen
Orlando, ma biographie politique (2023, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Paul B. Preciado, Frankreich, auf Französisch, produziert von Les Films du Poisson mit 24 Images und ARTE France. Preciado, ein in Spanien geborener, in Paris lebender Philosoph, den seine Produktionsfirmen als transgender Autor und Aktivisten beschreiben, besetzte den Film mit 26 trans und nicht-binären Menschen zwischen 8 und 70 Jahren, die meisten ohne Schauspielerfahrung.
Auf die Frage, warum er nie seine eigene Biografie geschrieben hat, antwortet Paul B. Preciado, das habe Virginia Woolf schon 1928 getan. Woolfs Orlando ist eine Dichterfigur, die das Geschlecht wechselt und über Jahrhunderte lebt. Preciados Film ist ein gefilmter Brief an Woolf: Ihr Orlando ist aus dem Buch herausspaziert und lebt heute, als 26 trans und nicht-binäre Menschen, die sich alle als Orlando vorstellen.
Sie lesen Passagen aus dem Roman, sprechen über ihr eigenes Leben, ihre Familien und ihre Zusammenstöße mit der Psychiatrie und spielen Szenen in bewusst selbstgebastelten Kulissen, mit Kurzauftritten der Künstler Pierre et Gilles und der Schriftstellerin Virginie Despentes. Der Film feierte bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2023 Premiere und gewann dort den Teddy Award als bester Dokumentarfilm.
Warum es wichtig ist. Er gibt einer großen, vielfältigen Gruppe trans und nicht-binärer Menschen, von Kindern bis zu Älteren, dieselbe Hauptrolle und lässt jede einzelne Person sie sich zu eigen machen. Er ist verspielt und wütend zugleich, behandelt Geschlecht ebenso als politische wie als persönliche Frage und liest einen Klassiker der Literatur als unsere Geschichte, von uns erzählt. Wenn dir Essays lieber sind als Handlungen, fang hier an.
Gut zu wissen. Er ist bewusst essayistisch und mit kleinem Budget gemacht, und die Kulissen sind auch über ihren Rand hinaus zu sehen. Redmond Bacon von Journey Into Cinema, dem der Film gefiel, fand ihn trotzdem „stellenweise etwas bühnenhaft und repetitiv“. Preciado hat gesagt, er wolle vermeiden, „ein festes Bild davon zu geben, was Trans-Sein ist“, also erwarte eher Ideen und Stimmen als eine Geschichte.
Inhaltshinweise: Gespräche über psychiatrisches Gatekeeping, Ablehnung durch die Familie und Transfeindlichkeit, offene Gespräche über Transition
The Stroll (2023, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Kristen Lovell und Zackary Drucker für HBO Documentary Films, USA. Beide Regisseurinnen sind trans Filmemacherinnen, und Lovell, eine Schwarze Frau, hat in den 1990er-Jahren selbst auf The Stroll gearbeitet und ist eine der Stimmen des Films.
Jahrzehntelang war der Abschnitt der West 14th Street nahe dem Hudson River, heute Luxusläden und die High Line, der Ort, an dem viele Schwarze trans Frauen und trans Latinas ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit verdienten. Sie nannten ihn The Stroll. Kristen Lovell war eine von ihnen. Mit etwa 19 begann sie, andere Frauen dort zu filmen, und Jahre später kehrte sie mit Zackary Drucker zurück, um diejenigen zu finden, die überlebt hatten.
Der Film verwebt ihre Gespräche mit Nachrichtenbildern, die sie früher als Problem behandelten, mit Legetrick-Animation und mit der Geschichte, wie Polizei und Gentrifizierung sie verdrängten, darunter die Tötung von Amanda Milan im Jahr 2000 und die Reaktion der Community darauf.
Warum es wichtig ist. Das ist trans Geschichte von der Straße aus erzählt, von den Frauen, die sie gelebt haben, und der Film entschuldigt sich weder für Sexarbeit, noch macht er ein warnendes Beispiel daraus. Drucker hat gesagt, das Klischee der Sexarbeiterin habe Menschen dazu gebracht, sich auf andere Geschichten zu konzentrieren, wodurch diese Frauen aus unserer Geschichte getilgt wurden. Das Erbe von Sylvia Rivera zieht sich durch den ganzen Film.
Gut zu wissen. Fionnuala Halligan von Screen Daily merkte an, dass er keine an Fakten orientierte Geschichtsdarstellung ist: Es gibt keine Liste der Toten, wenig darüber, was aus den Verschwundenen wurde, und keine ausdrückliche Erwähnung von AIDS oder der Crack-Epidemie. Außerdem enthält er einen alten Ausschnitt, in dem sich RuPaul über die Frauen auf dem Strich lustig macht, und die Regisseurinnen haben sich bewusst dafür entschieden, ihn zu zeigen.
Inhaltshinweise: die Tötung von Amanda Milan, Übergriffe der Polizei, Inhaftierung, Gewalt durch Kunden, Drogenkonsum, Archivbilder, in denen trans Frauen verspottet werden
Spielfilme mit trans Menschen im Mittelpunkt
Fiktion, in der trans Figuren im Zentrum der Geschichte stehen, meist gespielt von trans Darstellerinnen und Darstellern. Manche Filme haben trans Filmschaffende geschrieben und inszeniert, andere stammen von Regisseurinnen und Regisseuren, die sich nicht als trans beschrieben haben und mit trans Darstellenden in der Hauptrolle arbeiten. Die meisten sind kleine unabhängige Produktionen, mehrere sind nicht auf Englisch, und nicht alle sind sanft.
By Hook or by Crook (2001, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch, Regie und Produktion: Silas Howard und Harry Dodge, die auch die Hauptrollen spielen, mit der Co-Autorin Stanya Kahn (USA). Howard ist ein trans Regisseur und verwendet das Pronomen he. Dodge verwendet he, hat sich als eine „Art Macho-Butch“ beschrieben und gesagt, er habe es lange vermieden, überhaupt über Geschlecht zu sprechen.
Shy (Howard), den die Filmschaffenden als „gutaussehende, mit Geschlechtergrenzen spielende Kleinstadt-Butch“ beschreiben, verlässt nach dem Tod seines Vaters Kansas und geht nach San Francisco. Dort lernt er Valentine (Dodge) kennen, ein Adoptivkind auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter, und die beiden werden beste Freunde und ein kleines Ganovenduo, zusammen mit Vals Geliebter Billie (Kahn). Sie sind pleite, ein bisschen verloren und vertrauen einander blind.
Warum es wichtig ist. Zwei Kunstschaffende aus der queeren Punk- und Performance-Szene San Franciscos haben ihn mit fast keinem Geld gedreht: ein Buddy-Movie über zwei Außenseiter, beide butch, in dem, wie IndieWire schrieb, Shy und Val das Geschlecht des jeweils anderen nie infrage stellen. IndieWire nannte ihn außerdem einen der einflussreichsten trans Filme, die je gedreht wurden. Er ist ein Stück trans und Butch-Geschichte, das sich immer noch lebendig anfühlt.
Gut zu wissen. Er wurde auf Mini-DV gedreht und sieht rau aus. Die Kritiken fielen damals gemischt aus: Robert Koehler von Variety fand ihn langweilig, und Wesley Morris (Boston Globe) nannte ihn „nicht besonders gut“. 2022 erzählten Howard und Dodge dem Filmmaker Magazine, dass sie Geld sammeln, um ihn zu restaurieren.
Inhaltshinweise: Kleinkriminalität, Schlägereien, Armut, Trauer nach dem Tod eines Elternteils, drohende Festnahme
Tangerine (Tangerine L.A.) (2015, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Sean Baker, Buch: Baker und Chris Bergoch (USA), gedreht mit iPhone-5s-Kameras. Die beiden Hauptdarstellerinnen, Kitana Kiki Rodriguez und Mya Taylor, sind trans Schauspielerinnen, und laut Variety haben sie wesentlich zum Drehbuch beigetragen.
Es ist Heiligabend in Hollywood. Sin-Dee Rella (Rodriguez), eine trans Sexarbeiterin, hat gerade 28 Tage Gefängnis hinter sich, als ihre beste Freundin Alexandra (Taylor) sich verplappert: Sin-Dees Freund, der zugleich ihr Zuhälter ist, hat sie betrogen. Sin-Dee stürmt quer durchs Viertel los, um ihn und die andere Frau zu finden, während Alexandra Flyer für einen Auftritt als Sängerin verteilt und hofft, dass tatsächlich jemand kommt.
Der Film ist schnell, laut und sehr witzig, und ein paralleler Handlungsstrang folgt einem armenischen Taxifahrer, der selbst ein Geheimnis hat.
Warum es wichtig ist. Zwei trans Frauen of Color tragen den ganzen Film, und sie dürfen kleinlich, loyal, wütend und urkomisch sein, statt als tragische Lektion für andere zu dienen. Produktion und Verleih führten eine Kampagne für Filmpreise, die Berichten zufolge die erste für trans Schauspielerinnen war, und Mya Taylor gewann als erste trans Frau einen Gotham Award. Die eigentliche Liebesgeschichte ist die Freundschaft zwischen Sin-Dee und Alexandra.
Gut zu wissen. The Advocate berichtete über Kritik am Film, weil er trans Frauen wieder einmal als Sexarbeiterinnen zeigt. Rodriguez antwortete: „Ich würde sagen, das ist realistisch.“ Taylor, die selbst Sexarbeit gemacht hatte, nutzte die Aufmerksamkeit, um gegen deren Stigmatisierung anzugehen.
Inhaltshinweise: offen gezeigte Sexarbeit, Drogenkonsum, transfeindliche Beleidigungen und Belästigung, Handgreiflichkeiten, Polizei
Karera ga honki de amu toki wa (2017, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Naoko Ogigami (Japan, auf Japanisch). Rinko, die trans Frau im Mittelpunkt des Films, wird von Toma Ikuta gespielt, den die Kritik bei Seventh Row als cisgender männlichen Schauspieler beschreibt. Die Quellen, die wir gefunden haben, belegen keine trans Menschen in den Hauptrollen oder in den zentralen Positionen hinter der Kamera.
Tomo ist 11 und daran gewöhnt, für sich selbst zu sorgen. Immer wenn ihre Mutter mit einem neuen Mann verschwindet, kommt Tomo bei ihrem Onkel Makio unter. Diesmal lebt Makio mit seiner Freundin Rinko zusammen, einer trans Frau, die den gemeinsamen Haushalt mit großer Sorgfalt führt und strickt. Rinko nimmt Tomo mit einer Wärme auf, die das Mädchen nie erlebt hat, und die drei fühlen sich allmählich wie eine Familie, auch wenn nicht alle um sie herum freundlich darauf reagieren.
Warum es wichtig ist. Es ist ein sanfter japanischer Familienfilm für ein breites Publikum, in dem eine trans Frau geliebt, respektiert und gebraucht wird. Elena Lazic (Seventh Row) nannte ihn einen Meilenstein für ein nationales Kino, das trans Menschen nur sehr selten überhaupt wahrnimmt, geschweige denn in einem positiven Licht. Er gewann auf der Berlinale den Teddy Special Jury Award.
Gut zu wissen. Rinko wird von einem cis Mann gespielt. Lazic schrieb, es sei „natürlich schade, dass Rinko vom cisgender männlichen Schauspieler Toma Ikuta gespielt wird“, und fand den Film „enttäuschend konservativ“, mit „einem ausgesprochen konfrontationsscheuen Umgang mit Transfeindlichkeit“. Dieselbe Kritik lobte seine Wärme.
Inhaltshinweise: Vernachlässigung eines Kindes, trans- und homofeindliche Anfeindungen durch einen Elternteil, ein Junge, der verheimlicht, dass er schwul ist
Una mujer fantástica (Eine fantastische Frau) (2017, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Sebastián Lelio, Buch: Lelio und Gonzalo Maza. Ein chilenischer Film, koproduziert mit Deutschland und Spanien, auf Spanisch. Daniela Vega, die Marina spielt, ist eine trans Frau; sie kam zunächst als Beraterin für das Drehbuch dazu, bevor Lelio ihr die Hauptrolle anbot.
Marina ist Sängerin und Kellnerin in Santiago und lebt mit ihrem älteren Partner Orlando zusammen. Als er eines Nachts plötzlich stirbt, behandeln seine Familie und die Polizei sie nicht als trauernde Partnerin, sondern als Verdächtige und als Problem, das man in den Griff bekommen muss. Sie wird verhört, soll der Beerdigung fernbleiben und wird aus der gemeinsamen Wohnung gedrängt, und sie sucht weiter nach einem Weg, sich auf ihre eigene Weise zu verabschieden.
Warum es wichtig ist. Vega spielt Marina mit einer trotzigen Würde, die das Publikum nie um Mitleid bittet, und der Film bleibt auf ihrer Seite. Er gewann den Oscar als bester fremdsprachiger Film, den ersten für Chile in dieser Kategorie, und Vega stand als erste trans Person bei einer Oscarverleihung als Präsentatorin auf der Bühne. In Chile, wo ein Gesetz zur Geschlechtsidentität nur langsam durch den Kongress kam, bezeichneten trans Aktivistinnen und Aktivisten sie als Vorbild.
Gut zu wissen. Lelio und Maza sagten dem Guardian, sie hätten zu Beginn des Schreibens in Chile keine trans Menschen gekannt, und deshalb hätten sie Vega dazugeholt. Manche in der Kritik fanden, der Film interessiere sich mehr dafür, was Marina angetan wird, als dafür, wer sie ist: Emily Yoshida (Vulture) wünschte sich, Vega und Lelio würden „uns ein bisschen mehr hineinlassen, damit wir sie als Individuum sehen, abseits der Feindseligkeit, der sie begegnet“, und Christopher Gray (Slant) nannte ihn rückschrittlich.
Inhaltshinweise: Trauer, transfeindliche Anfeindungen durch die Familie des Partners, Misgendern und Deadnaming durch die Polizei, eine erzwungene, demütigende Untersuchung durch die Polizei, ein Angriff und eine Entführung durch Familienmitglieder
Lingua Franca (2019, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch, Regie, Produktion und Schnitt: Isabel Sandoval, die auch die Hauptrolle spielt (eine philippinisch-US-amerikanische Produktion, überwiegend auf Englisch). Sandoval ist wie ihre Figur eine philippinische trans Frau und Einwanderin, die in Brooklyn lebt, und hat gesagt, es sei der erste Film, den sie nach ihrer Transition gedreht hat.
Olivia ist eine philippinische trans Frau ohne Papiere und arbeitet als im Haushalt lebende Pflegekraft für Olga, eine ältere russisch-jüdische Frau in Brighton Beach, Brooklyn, deren Gedächtnis nachzulassen beginnt. Olivia schickt Geld nach Hause und bezahlt einen Amerikaner für eine Ehe, die ihr eine Green Card verschaffen könnte. Dann zieht Olgas erwachsener Enkel Alex ein, gerade aus dem Entzug zurück, und zwischen Olivia und ihm beginnt etwas Langsames, Ungewisses, während die Angst vor Razzien der Einwanderungsbehörde nie aus dem Raum weicht.
Warum es wichtig ist. Hier erzählt eine trans Frau of Color mit eigener Stimme eine Geschichte über Begehren, Arbeit und Papiere und spielt sie selbst. Dass Olivia trans ist, gehört zu ihrem Leben, ist aber nicht die ganze Handlung. Sandoval hat gesagt, sie habe sich bewusst der Form eines vertrauten Melodrams bedient, damit der Film zeigen kann, dass Olivia „mehr ist als nur eine trans Frau auf der Suche nach Liebe oder eine Einwanderin ohne Papiere“. Wenn du je Sicherheit gegen Nähe abgewogen hast, wird er dir nahegehen.
Gut zu wissen. Er ist bewusst leise und zurückhaltend, und nicht die ganze Kritik ging da mit: Stephen Dalton (The Hollywood Reporter) nannte ihn „eine kraftlose, dilettantische Enttäuschung“, und Jeannette Catsoulis (The New York Times) fand ihn „dramatisch zu scheu und erzählerisch zu dünn, um zu bewegen“.
Inhaltshinweise: Angst vor Razzien der Einwanderungsbehörde und vor Abschiebung, transfeindliche Sticheleien, Alkohol und Sucht, ein Outing und eine Verletzung der Privatsphäre, sexuelle Inhalte
Port Authority (2019, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Danielle Lessovitz (USA und Frankreich), produziert mit der Firma von Martin Scorsese. Leyna Bloom, die Wye spielt, ist eine trans Schauspielerin of Color aus der Ballroom-Community; Lessovitz sagte, sie habe nie in Betracht gezogen, die Rolle mit jemandem zu besetzen, der nicht trans ist.
Paul, 20 Jahre alt und ohne Bleibe, kommt am New Yorker Busbahnhof Port Authority an und fühlt sich zu Wye hingezogen, einer jungen Frau, die mit ihrer Ballroom-Familie auf dem Gehweg Voguing tanzt. Bald steht er zwischen zwei Welten: einer Truppe von Machos, die ihm Arbeit bei Zwangsräumungen verschaffen, und Wyes Kiki-Ballroom-House. Ihre Romanze beginnt, bevor er weiß, dass sie trans ist, und der Film verfolgt, was er daraus macht.
Warum es wichtig ist. Bloom war die erste trans Schauspielerin of Color, die in Cannes einen Film als Hauptdarstellerin trug, und sie bringt echtes Ballroom-Leben auf die Leinwand: „Ich bin eine trans Frau aus dem Ballroom, die eine Figur spielt“, sagte sie der Los Angeles Times. Selbst in der Kritik, die den Film nicht mochte, wurde sie gelobt, und die Szenen mit ihrer House-Familie sind der Grund, ihn zu schauen.
Gut zu wissen. Die Geschichte wird aus Pauls Sicht erzählt, und die Kritik hat das deutlich angesprochen. Odie Henderson (RogerEbert.com) schrieb, Wye sei „zeitweise fast nur ein Nachgedanke“, und es sei „schade, dass es in diesem Film nicht wirklich um sie geht“. Robert Daniels (The Playlist) nannte ihn „noch einen kurzsichtigen Film, der Schwarze Menschen als Lektion für ahnungslose weiße Außenstehende benutzt“.
Inhaltshinweise: homo- und transfeindliche Beleidigungen, ein Straßenraub, homofeindliche Gewalt, Zwangsräumungen, Lügen und eine verheimlichte Beziehung
Joyland (2022, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Saim Sadiq, Buch: Sadiq und Maggie Briggs (Pakistan, auf Urdu und Punjabi). Alina Khan, die Biba spielt, ist eine trans Schauspielerin aus Lahore, die schon in Sadiqs Kurzfilm Darling die Hauptrolle gespielt hatte.
In Lahore nimmt Haider, der arbeitslose jüngere Sohn eines Patriarchen, der sich einen Enkel wünscht, heimlich einen Job als Backgroundtänzer in einem erotischen Tanztheater an. Star der Show ist Biba, eine trans Tänzerin mit spitzer Zunge und großen Ambitionen, und Haider verliebt sich in sie. Zu Hause wird seiner Frau Mumtaz befohlen, ihre geliebte Arbeit im Salon aufzugeben. Der Film verfolgt, was dieses Haus voller Regeln mit allen macht, die darin leben.
Warum es wichtig ist. Biba ist stolz, witzig, fordernd und fest entschlossen, ein Star zu werden, gespielt von einer trans Schauspielerin aus der Stadt, in der der Film spielt. Sadiq sagte: „Es ist einfach erfrischend, eine sehr selbstbestimmte trans Figur zu sehen, die zufällig braun und muslimisch ist, und das in einem Land wie Pakistan.“ Der Film gewann in Cannes den Preis der Jury in der Reihe Un Certain Regard und die Queer Palm.
Gut zu wissen. Die pakistanische Regierung verbot ihn im November 2022 nach Beschwerden religiöser Hardliner, die ihn „abstoßend“ nannten. Das landesweite Verbot wurde aufgehoben, doch die Provinz Punjab, in der Lahore liegt, hielt an ihrem eigenen Verbot fest; im August 2025 berichtete Dawn, dass er in Lahore endlich gezeigt werde, an einem Veranstaltungsort. Beachte, dass Haider die Hauptfigur ist, nicht Biba.
Inhaltshinweise: Gewalt gegen trans Frauen (eine Tötung wird geschildert), Begrapschen und sexuelle Belästigung, derbe Fragen über den Körper einer trans Frau, patriarchale Kontrolle, sexuelle Inhalte, ein plötzlicher Todesfall in der Familie
Monica (2022, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Andrea Pallaoro, Buch: Pallaoro und Orlando Tirado (USA und Italien). Trace Lysette, die Monica spielt, ist eine trans Schauspielerin; sie sprach 2016 zum ersten Mal für die Rolle vor.
Monica, eine trans Frau, bekommt einen Anruf von ihrer Schwägerin: Ihre Mutter, die sie als Teenager verstoßen hat, ist schwer krank. Monica kehrt ins Elternhaus zurück, um bei der Pflege zu helfen. Ihre Mutter, die sie seit der Zeit vor ihrer Transition nicht mehr gesehen hat und deren Krankheit ihr Denken beeinträchtigt, erkennt sie nicht, und Monica beschließt, nicht zu sagen, wer sie ist.
Warum es wichtig ist. Es ist eine seltene Hauptrolle für eine trans Frau, und Lysette trägt sie fast ohne große Worte, mit Blicken und angehaltenem Atem. Der Film versteht Entfremdung von innen: als Fremde nach Hause kommen, jemanden pflegen, der einen verletzt hat, sich etwas wünschen, um das man nicht bitten kann. Er hatte im Wettbewerb von Venedig Premiere, wo es laut Out 11 Minuten lang stehende Ovationen gab.
Gut zu wissen. Seine Zurückhaltung überzeugt nicht alle: Jon Frosch (The Hollywood Reporter) nannte ihn „eine träge Formalismus-Übung“, die sich „wie ein Film anfühlt, der ständig darum ringt, eine Verbindung herzustellen“. Er ist leise und langsam und erklärt sehr wenig.
Inhaltshinweise: Ablehnung durch einen Elternteil, schwere Krankheit eines Elternteils, Entfremdung in der Familie, Einsamkeit
Something You Said Last Night (2022, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Luis De Filippis (Kanada und Schweiz, auf Englisch und Italienisch). De Filippis ist eine trans Frau. Hauptdarstellerin Carmen Madonia ist trans und stand zum ersten Mal für einen Film vor der Kamera, und De Filippis leitete ein Mentoring-Programm, das fünf junge trans Menschen ins Team holte.
Ren ist Mitte 20, möchte Schriftstellerin werden, hat gerade ihren Job verloren und wurde zu einem einwöchigen Sommerurlaub mit ihren italienisch-kanadischen Eltern und ihrer Schwester in eine Ferienanlage am Strand in Ontario mitgeschleppt. Das ist mehr oder weniger die ganze Geschichte: Gezänk, Langeweile, eine Mutter, die sich zu viele Sorgen macht, Schwestern, die sich um einen kitschigen Hut streiten. Ren schwankt zwischen dem Wunsch nach einem eigenen, unabhängigen Leben und der Bequemlichkeit, sich wieder von ihrer Familie umsorgen zu lassen.
Warum es wichtig ist. Es gibt kein Coming-out, keine Transitionshandlung und keine Gewalt, die hinter der nächsten Ecke lauert. De Filippis hat gesagt, sie sei trans Filme leid gewesen, die aus cis Perspektive erzählt werden und sich auf Transition oder Coming-out fixieren. Mel Woods beschrieb in der Kritik für Xtra, sich auf ein Misgendern oder eine grausame Bemerkung gefasst gemacht zu haben, die nie kamen. Ren darf launisch, liebevoll und ein bisschen verloren sein, wie alle im Familienurlaub.
Gut zu wissen. Seine Stille ist für manche auch seine Grenze: Lovia Gyarkye (The Hollywood Reporter) fand, ohne tieferen Einblick in Ren könne er „mitunter ungewollt undurchdringlich wirken“, und Erik Piepenburg (The New York Times) hätte sich als Antrieb mehr gewünscht als Naturalismus und Zärtlichkeit.
Inhaltshinweise: Streit und Spannungen in der Familie (laut Kritiken verzichtet der Film auf transfeindliche Gewalt und Misgendern)
20.000 especies de abejas (2023, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Estibaliz Urresola Solaguren, ihr erster Spielfilm (Spanien, auf Spanisch, Baskisch und Französisch). Die Regisseurin arbeitete mit Naizen zusammen, einem Verein von Familien minderjähriger trans Menschen, um die Erfahrung des Kindes richtig zu treffen.
Einen Sommer lang wohnt eine Achtjährige, die bei einem Spitznamen gerufen wird und sich im Stillen als Lucía sieht, mit ihrer Mutter Ane und ihren Geschwistern im Haus ihrer Großmutter im Baskenland. Das Haus ist mit der Imkerei verbunden, und Ane, eine Bildhauerin mitten in ihrer eigenen Midlife-Crisis, arbeitet mit dem Bienenwachs der Familie. Während Lucía versucht, sich verständlich zu machen, beginnen auch die Frauen aus drei Generationen um sie herum, ihr eigenes Leben genau zu betrachten.
Warum es wichtig ist. Er blickt mit Geduld und Sanftheit auf ein trans Kind und macht das langsame Verstehen der Familie zum Drama, nicht die Existenz des Kindes. Sofía Otero gewann als jüngste Preisträgerin aller Zeiten den Silbernen Bären der Berlinale für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. Wenn du dich daran erinnerst, ein Kind gewesen zu sein, das es wusste, bevor es irgendjemand um dich herum wusste, werden dich Teile davon hart treffen.
Gut zu wissen. Leigh Monson (The A.V. Club) wies darauf hin, dass Urresola Solaguren selbst nicht trans ist und der Film deshalb nur begrenzt tief in Lucías Gefühle vordringen kann, und bemängelte Tempo und Tiefe, lobte aber seine Empathie.
Inhaltshinweise: Misgendern und der Geburtsname eines Kindes, der in der Familie benutzt wird, ein Elternteil, der es nicht wahrhaben will, Andeutungen von Vorurteilen bei einem Großelternteil, die Angst eines Kindes vor Ablehnung
Mutt (2023, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Vuk Lungulov-Klotz (USA, auf Englisch und Spanisch). Lungulov-Klotz ist ein trans Mann und hat aus seinem eigenen Leben als Kind chilenischer und serbischer Eltern geschöpft. Lío Mehiel in der Hauptrolle ist trans, verwendet they/them und hat sich selbst als Person mit „gemischten Geschlechtern“ und puerto-ricanischen und griechischen Wurzeln beschrieben.
An einem hektischen Tag in New York trifft Feña, ein junger trans Mann, auf drei Menschen, zu denen er nach seiner Transition den Kontakt verloren hat: seinen heterosexuellen Ex-Freund, seine jüngere Halbschwester, mit der er sich entfremdet hat, und seinen Vater, der aus Chile einfliegt und am Flughafen abgeholt werden muss. Alle drei müssen dem Menschen begegnen, der Feña jetzt ist, und er muss entscheiden, wie viel von sich er noch bereit ist zu erklären.
Warum es wichtig ist. Trans Männer stehen noch immer selten im Mittelpunkt eines Films, und dieser wurde von innen heraus gemacht, mit Besetzung und Crew überwiegend aus trans und queeren Menschen. Mehiel gewann als erste trans Person in Sundance den U.S. Dramatic Special Jury Award für schauspielerische Leistung. Der Film ist ehrlich, was die kleinen alltäglichen Kosten angeht, etwa in der Bank misgendert zu werden, und genauso ehrlich, was Zärtlichkeit und Begehren angeht.
Gut zu wissen. Clayton Dillard (Slant) schrieb, „Feña leidet, damit andere trans Menschen es nicht müssen“, was nach Ansicht dieser Kritik „Mutt auf das Niveau eines belehrenden Jugendfernsehfilms reduziert“. Lungulov-Klotz hat gesagt, trans Zuschauerinnen und Zuschauer fänden den Film meist ausgewogen und liebevoll, während Menschen, die nicht trans sind, finden, er mute seiner Figur viel zu.
Inhaltshinweise: Misgendern, ein Vater, der die Transition seines Kindes infrage stellt und nicht anerkennt, Entfremdung in der Familie, sexuelle Intimität
I Saw the TV Glow (2024, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Jane Schoenbrun (USA), mit Justice Smith und Jack Haven. Schoenbrun ist trans, verwendet they/them und hat den Film nach dem eigenen Coming-out geschrieben. Haven, in den Credits unter dem früheren Namen Brigette Lundy-Paine geführt, hatte sich 2019 als nicht-binär geoutet und 2025 den Namen Jack Haven bekannt gegeben.
1996 freunden sich zwei einsame Teenager aus der Vorstadt, Owen (Smith) und Maddy (Haven), über The Pink Opaque an, eine Fernsehserie am späten Abend über zwei Mädchen mit einer übersinnlichen Verbindung, die gegen einen Bösewicht kämpfen. Owen darf nicht so lange aufbleiben, also teilt Maddy die Serie mit ihm. Mit den Jahren fühlt sich die Serie für die beiden wirklicher an als ihr eigenes Leben, und die Grenze zwischen beidem beginnt zu verschwimmen.
Warum es wichtig ist. Schoenbrun hat ihn als Film über den Moment beschrieben, in dem das Egg aufbricht, und über Dysphorie, so wie Schoenbrun sie 30 Jahre lang erlebt hat, bevor es dafür eine Sprache gab: innerlich, unterschwellig, manchmal beängstigend. Es gibt keine Coming-out-Szene und keine Transitionsgeschichte, nur das Gefühl. Wenn du jahrelang gespürt hast, dass etwas nicht stimmt, ohne zu wissen, was, dann ist das ein Film, der aus genau diesem Gefühl heraus gemacht ist.
Gut zu wissen. Er ist eine Allegorie, langsam und bewusst unbequem, kein tröstlicher Filmabend. Manche in der Kritik taten sich schwer damit: Amy Nicholson (Los Angeles Times) nannte ihn „eine Ansammlung bleierner Szenen, bei denen das Publikum womöglich aus der eigenen Haut fahren möchte“.
Inhaltshinweise: drastisch gezeigte Selbstverletzung, Depression und ein Zusammenbruch, ein kontrollierender Elternteil, Krankheit und Tod eines Elternteils, Bilder des Begrabens
Serien
Fernsehen gibt einer Figur Raum: mehrere Staffeln, um Freundschaften, Jobs, schlechte Tage und ein Liebesleben zu haben. Diese Serien stehen hier wegen der Art, wie sie trans und nicht-binäre Figuren erzählen. In manchen sind diese Figuren die ganze Geschichte, in anderen ein Handlungsstrang unter vielen, und jeder Eintrag sagt, was davon zutrifft.
Orange Is the New Black (2013, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Jenji Kohan für Netflix, USA, nach den Gefängnismemoiren von Piper Kerman; sieben Staffeln, 2013 bis 2019. Laverne Cox, die sich als „stolze afroamerikanische transgender Frau“ beschrieben hat, spielt Sophia Burset, eine wiederkehrende Figur.
Die Serie folgt Piper Chapman, einer privilegierten weißen Frau, die in ein Frauengefängnis kommt, und weitet den Blick dann auf die Frauen um sie herum. In diesem Eintrag geht es um eine von ihnen: Sophia Burset, die Friseurin des Gefängnisses, eine ehemalige Feuerwehrfrau, die wegen Kreditkartenbetrugs einsitzt. Ihre Frau Crystal hat ihre Transition akzeptiert. Ihr Sohn Michael tut sich mit der Transition schwer und spricht nicht mehr mit ihr.
Eine frühe Folge blickt zurück auf Sophias Leben vor dem Gefängnis, darunter eine zärtliche Szene, in der Crystal ihr hilft, sich zum ersten Mal als Frau anzuziehen. Spätere Staffeln muten ihr hinter Gittern viel Härteres zu.
Warum es wichtig ist. 2013 bezeichnete TV Guide es als Premiere im Mainstream-Fernsehen, dass eine trans Frau of Color eine trans Frau of Color spielt. Sophia ist Mutter, Ehefrau, Freundin und Geschäftsfrau, keine Pointe. Cox wurde 2014 als erste trans Person für einen Emmy nominiert und war die erste trans Person auf dem Titel von Time. TV Guide vermutete, sie sei wahrscheinlich die erste trans Person, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer je gesehen hätten, im Fernsehen oder überhaupt.
Gut zu wissen. Sophia ist eine Nebenfigur in einer Serie, die um Piper herum gebaut ist; Kohan hat Piper ihr „trojanisches Pferd“ genannt, um Geschichten von Schwarzen Frauen, Latinas und älteren Frauen ins Fernsehen zu bringen. Deshalb ist Sophias Zeit auf dem Bildschirm über sieben Staffeln ungleich verteilt, und mehrere ihrer späteren Handlungsstränge drehen sich darum, was das Gefängnissystem ihr antut.
Inhaltshinweise: Gefängnis, Misgendern, Spott und Drohungen, ein Gefängnis, das einer trans Frau die nötige Versorgung verweigert, ein transfeindlicher Angriff, lange Einzelhaft, sexuelle Übergriffe, die andere Figuren betreffen, Drogensucht
Boy Meets Girl (2015, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt und geschrieben von Elliott Kerrigan, produziert von Tiger Aspect für BBC Two, Großbritannien; zwei Staffeln, 2015 und 2016. Rebecca Root, die Judy spielt, ist eine trans Frau, und die BBC hatte sich früh darauf festgelegt, die Rolle mit einer trans Person zu besetzen.
Leo ist 26, hat gerade wieder einmal seinen Job verloren, und seine Mutter macht ihm das Leben schwer. Judy ist 40. Bei ihrem ersten Date erzählt sie ihm, dass sie trans ist. Er bleibt interessiert, und die Sitcom begleitet die beiden, während sie sich ineinander verlieben und mit ihren Familien zurechtkommen müssen, die nicht immer so weit sind.
Formal ist es eine klassische britische Familien-Sitcom: Mütter, Geschwister, peinliche Abendessen und derbe Witze, rund um eine Liebesgeschichte gebaut.
Warum es wichtig ist. Root nannte sie die erste britische Mainstream-Sitcom, die eine trans Hauptrolle mit einer trans Person besetzte, und die erste in Großbritannien, die eine Romanze zwischen einer trans Schauspielerin in einer trans Rolle und einem cis Mann zeigte. Um die Romanze geht es: Eine trans Frau in ihren Vierzigern ist diejenige, um die geworben wird. Das Drehbuch ging aus dem Trans Comedy Award hervor, einer Ausschreibung des BBC Writersroom für Comedy-Drehbücher, die trans Menschen positiv darstellen.
Gut zu wissen. In seiner Kritik der ersten Folge im Telegraph nannte Jasper Rees die Serie einen großen Fernsehmoment, meinte aber, sie verbiege sich mit „plumpen Klischees“, um einem Mainstream-Publikum zu gefallen, darunter Witze über Judys Körper. Wie viel Spaß du daran hast, hängt vielleicht davon ab, wie sehr du altmodischen Familien-Sitcom-Humor magst.
Inhaltshinweise: Witze über trans Körper, unbeholfene und gelegentlich transfeindliche Bemerkungen von Familienmitgliedern, als Pointe gespielt
Sense8 (2015, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Lana Wachowski, Lilly Wachowski und J. Michael Straczynski für Netflix, USA, gedreht in Städten auf der ganzen Welt; zwei Staffeln von 2015 bis 2017 und ein Finale 2018. Lana und Lilly Wachowski sind beide trans, und Jamie Clayton, die Nomi Marks spielt, ist eine trans Frau.
Acht Fremde, über die ganze Welt verstreut, von San Francisco über Mumbai bis Mexiko-Stadt, stellen plötzlich fest, dass sie geistig und emotional miteinander verbunden sind. Sie können fühlen, was die anderen fühlen, sich gegenseitig Fähigkeiten und Sprachen leihen und in das Leben der anderen hineinschlüpfen. Und eine Organisation macht Jagd auf Menschen wie sie.
In San Francisco ist Nomi Marks Hackerin und politische Bloggerin und lebt mit ihrer Freundin Amanita zusammen. Sie ist eine der acht, und in ihrer Geschichte geht es nicht um Transition, sondern um Liebe, Gefahr und darum, zu lernen, mit sieben anderen Menschen verbunden zu leben.
Warum es wichtig ist. Nomi wurde von einer trans Frau geschrieben und von einer trans Frau gespielt. Clayton sagte, die Zusammenarbeit mit Lana Wachowski, einer trans Regisseurin, die eine trans Figur geschrieben hatte, sei für sie der wichtigste Grund gewesen, die Rolle anzunehmen, und es sei ihr wichtig gewesen, dass sich die Geschichte nicht um die Transition dreht. Die ganze Serie beruht auf Empathie über die Grenzen von Geschlecht, Sexualität und Nation hinweg, und den Fans lag so viel an ihr, dass sie für ein richtiges Ende kämpften.
Gut zu wissen. Anfangs ist sie langsam und zerfahren. In seiner Kritik der ersten Folgen für Variety schrieb Brian Lowry, die Serie „ergibt nicht viel Sinn“, und fand sie zusammenhanglos. Netflix setzte sie 2017 ab, weil ihr Publikum für die Kosten zu klein sei; nach Kampagnen der Fans erschien 2018 ein zweistündiges Finale, „Amor Vincit Omnia“.
Inhaltshinweise: eine trans Frau, die gegen ihren Willen in einem Krankenhaus festgehalten wird, eine Mutter, die sie ablehnt, Gewalt und Menschen, auf die Jagd gemacht wird
Pose (2018, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Ryan Murphy, Brad Falchuk und Steven Canals für FX, USA; drei Staffeln, 2018 bis 2021. Janet Mock, eine trans Frau, schrieb Folgen, führte Regie und produzierte; Our Lady J, eine trans Drehbuchautorin, gehörte zum Writers' Room; der trans Regisseur Silas Howard war Co-Executive-Producer; und die trans Darstellenden MJ Rodriguez, Indya Moore, Dominique Jackson, Hailie Sahar und Angelica Ross gehören zur festen Besetzung.
New York, 1987. Blanca arbeitet tagsüber als Nageldesignerin und läuft nachts auf den Balls, den Wettbewerben, bei denen Houses aus queeren und trans Menschen um Trophäen und Ruhm kämpfen. Die Grausamkeit ihrer House Mother Elektra leid, gründet sie ein eigenes House und nimmt junge Menschen auf, die sonst nirgendwohin können. Um sie herum sind Angel, eine Sexarbeiterin, die sich in einen verheirateten Kunden verliebt, und Pray Tell (Billy Porter), der die Balls moderiert.
Die Serie bewegt sich zwischen dem Ballroom, den Houses und Krankenstationen auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise. Sie ist ein Melodram, offen und mit Absicht: große Gefühle, große Roben, Wahlfamilie.
Warum es wichtig ist. Pose hatte mehr trans Darstellende in festen Serienrollen als jede fiktionale Serie zuvor, und sie stellt Schwarze trans Frauen und trans Latinas in den Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichte. Janet Mock wurde mit ihr die erste trans Frau of Color, die eine Fernsehfolge schrieb und inszenierte. Wenn du Ballroom nur aus Paris Is Burning kennst, ist das dieselbe Welt, von innen heraus erzählt, mit genauso viel Raum für Freude wie für Trauer.
Gut zu wissen. Ben Travers von IndieWire fand sie stellenweise zu plakativ, mit Szenen, die innehalten, um das Publikum über trans Themen zu belehren. Bei der Premiere der letzten Staffel 2021 hielt Janet Mock eine Rede, in der sie ihre Bezahlung kritisierte („Warum bekomme ich 40.000 Dollar pro Folge?“), die frühen Drehbücher von Männern und eine Branche, die, in ihren Worten, „auf uns herumgetrampelt ist“.
Inhaltshinweise: HIV und AIDS, Krankheit und Trauer, Sexarbeit, junge Menschen, die von ihren Familien rausgeworfen wurden
Veneno (2020, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Javier Calvo und Javier Ambrossi für Atresplayer Premium, Spanien, auf Spanisch; eine Staffel mit acht Folgen, nach dem Buch der Journalistin Valeria Vegas über Cristina Ortiz. Die beiden Serienschöpfer wollten die trans Rollen mit trans Frauen besetzen: Cristina wird in verschiedenen Lebensaltern von Jedet, Daniela Santiago und Isabel Torres gespielt, Valeria von Lola Rodríguez, die trans ist.
In den 1990er-Jahren platzte Cristina Ortiz, bekannt als La Veneno, ins spanische Late-Night-Fernsehen und wurde zum landesweiten Star, witzig, direkt und ohne Scham. Jahre später, als sie längst aus dem Blickfeld verschwunden ist, sucht Valeria Vegas sie auf, eine junge Journalismusstudentin, die gerade mit ihrer eigenen Transition ins Reine kommt, und zwischen den beiden Frauen entsteht eine Freundschaft, aus der ein Buch wird.
Die Serie bewegt sich zwischen Cristinas harter Kindheit in einem kleinen Dorf, ihren Jahren in Madrid, ihrem Ruhm und Valerias Gegenwart und erzählt dabei eine Geschichte des LGBT-Lebens in Spanien von den 1960er-Jahren an. Sie ist laut, witzig und zärtlich und tut nicht so, als wäre Cristinas Leben leicht gewesen.
Warum es wichtig ist. Veneno handelt von trans Frauen, wird von trans Frauen gespielt und stammt von Serienschöpfern, die sagten, LGBT-Geschichten sollten mit LGBT-Menschen gemacht werden. Die Serie gibt Cristina Ortiz ihre volle Menschlichkeit und zeigt, wie eine Frau auf dem Bildschirm das Leben von jemandem verändern kann, der zu Hause zuschaut. Isabel Torres, die Cristina in ihren letzten Jahren spielt, war selbst die erste trans Person auf den Kanarischen Inseln, die ihren Namen und ihr Geschlecht rechtlich ändern ließ.
Gut zu wissen. In den Quellen, die wir gelesen haben, fanden wir keine nennenswerte Kritik. Torres starb 2022, und damit ist ihre Darstellung hier auch ein Zeugnis ihrer Arbeit.
Inhaltshinweise: eine gewaltvolle Kindheit und Ablehnung, Deadnaming, Sexarbeit, Krankheit und Tod
Sort Of (2021, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Zaiba Baig und Fab Filippo, die die Serie auch als Showrunner leiteten und schrieben, für CBC, Kanada; drei Staffeln, 2021 bis 2023. Baig, queer, transfeminin und muslimisch, spielt außerdem die Hauptrolle Sabi.
Sabi Mehboob ist eine nicht-binäre Person aus der Generation der Millennials in Toronto, Kind von Eltern, die aus Pakistan eingewandert sind, verwendet they/them und teilt die Tage auf zwischen der Arbeit hinter dem Tresen einer LGBTQ-Bar und der Betreuung von zwei Kindern eines beschäftigten Paares. Sabi steht kurz davor, mit 7ven, Sabis engster Vertrauensperson, nach Berlin zu ziehen, als die Mutter der Kinder, Bessy, einen schweren Unfall hat, und Sabi beschließt zu bleiben.
Die Folgen dauern etwa 20 Minuten. Die Serie interessiert sich weniger für große Ereignisse als für das Dahintreiben des Alltags: eine Mutter, die ihr Kind zu verstehen versucht, ein komplizierter fester Freund, Streit darüber, dass die Kinder zu viel Zucker essen, eine Freundschaft, die sich dehnen muss.
Warum es wichtig ist. Sort Of behandelt Sabis Geschlecht nicht als Problem, das gelöst werden muss. Es ist eine Comedy, in der ein nicht-binäres Kind von Eingewanderten einfach im Mittelpunkt eines gewöhnlichen, chaotischen Lebens steht, mitentwickelt und gespielt von Baig, queer und transfeminin. Ihre sanfte Grundidee lautet, in den Worten des Senders, dass „wir alle, ohne Ausnahme, in Transition sind“. Die Serie gewann einen Peabody Award.
Gut zu wissen. John Powers von NPR lobte die Serie für ihre Bescheidenheit, und das sagt auch, was sie nicht ist: Es gibt keine großen Wendungen, nur kleine Verschiebungen. Die Person, die die Serie mitentwickelt hat und die Hauptrolle spielt, heißt heute Zaiba Baig, deshalb steht in älteren Credits und in vielen Artikeln über die Serie ein anderer Vorname.
Inhaltshinweise: ein schwerer Unfall und eine Figur im Koma, Spannungen in der Familie wegen des Geschlechts
Dead End: Paranormal Park (2022, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Hamish Steele nach seinen DeadEndia-Comics, produziert von Blink Industries in London für Netflix; zwei Staffeln, beide 2022 veröffentlicht. Barney, die Hauptfigur, wird von Zach Barack gesprochen, der wie seine Figur trans und jüdisch ist.
Barney, ein schwuler, jüdischer trans Teenager, reißt aus einem schwierigen Zuhause aus und nimmt einen Sommerjob in Phoenix Parks an, einem Freizeitpark rund um einen Filmstar, der an Dolly Parton erinnert. Das tut auch Norma, ängstlich und als Superfan mit enzyklopädischem Wissen über den Star ausgestattet. Das Geisterhaus des Parks entpuppt sich als Zugang zur Dämonenwelt, und ein Stück der Seele eines Dämonenfürsten landet in Barneys Mops Pugsley, der plötzlich sprechen kann.
Es ist eine animierte Horrorkomödie mit Zombie-Maskottchen, dämonischen Showmastern, einer Musical-Folge und ersten Schwärmereien, gedacht für ein jüngeres Publikum als die Comics.
Warum es wichtig ist. Ein trans Junge ist die Hauptfigur einer Zeichentrickserie für alle Altersgruppen, gesprochen von einem trans Schauspieler, und trans zu sein gehört zu ihm, ist aber nicht die ganze Handlung: Er ist verknallt, hat einen Hund, Freunde und Dämonen, gegen die er kämpfen muss. Barack nannte es „einen wahr gewordenen Traum“, in einer Serie für Kinder ein trans Kind zu spielen. Normas Schwierigkeiten sind aus Steeles eigenem Leben als autistische Person geschöpft, und die Kritik bei Paste, selbst von einer autistischen Person geschrieben, fand sie sehr authentisch gezeichnet.
Gut zu wissen. Reuben Baron von Paste mochte die Drehbücher, fand aber, dass die Animation den visuellen Charme der Comics verloren hat, und merkte an, dass einige düstere Elemente abgeschwächt wurden. Noch vor der Ausstrahlung hob eine Gruppe aus dem US-Senat die Serie unter den Kindersendungen hervor, für die sie Inhaltswarnungen forderte. Netflix setzte sie im Januar 2023 ab; Steele verwies die Fans für einen gewissen Abschluss auf das dritte und letzte DeadEndia-Buch.
Inhaltshinweise: eine Familie, die ihn nicht akzeptiert, Dämonen und Zeichentrick-Horror, Angst
Klassiker, die noch immer zählen
Ältere Filme, die im Gespräch immer wieder auftauchen und sich noch immer lohnen. Zu jedem gibt es Kontext: was damals neu daran war und was sich heute anders liest. Die Wörter, die Menschen auf der Leinwand und in Kritiken aus jener Zeit verwenden, sind oft nicht die Wörter, die Menschen heute verwenden.
The Queen (1968, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Frank Simon, USA. Flawless Sabrina (Jack Doroshow), verantwortlich für den Wettbewerb, führt durch den Film und erzählt. Unter den Teilnehmenden sind Rachel Harlow, die nach dem Film transitionierte, und Crystal LaBeija, die später das House of LaBeija gründete.
1967 kamen Drag Queens aus den ganzen USA in die New Yorker Town Hall zum Miss All-America Camp Beauty Contest, veranstaltet von Flawless Sabrina. Frank Simon filmte alles: Organisationstreffen, einen Besuch bei einem Kostümausstatter, Proben und Gespräche in Hotelzimmern über Liebhaber, die Einberufung für den Vietnamkrieg und die Frage, ob sie transitionieren würden, wenn sie könnten. Dann den Wettbewerb selbst, mit Andy Warhol in der Jury.
Als die Ergebnisse feststehen, sind nicht alle damit einverstanden, und eine Teilnehmerin sagt das mit Worten, die bis heute zitiert werden.
Warum es wichtig ist. Er ist einer der frühesten Filme, in denen Drag Queens vor der Kamera über ihr Leben sprechen, auch über ihr Geschlecht, zu einer Zeit, in der Drag selbst, wie Richard Brody im New Yorker anmerkt, in New York illegal war. Man sieht Menschen nach einer Sprache für Geschlecht suchen, die es noch nicht gab. Und Crystal LaBeijas Moment führt direkt zu den Ballroom-Houses von Paris Is Burning und Pose.
Gut zu wissen. Er ist ein Dokument von 1967: Die Wörter, mit denen Menschen über Geschlecht und über sich selbst sprechen, sind die Wörter jener Zeit, und Drag-Leben, schwule und trans Leben werden nicht so voneinander getrennt, wie es heute oft geschieht. Harlow sagte 2019 dem Rolling Stone, „viele der trans und Drag-Geschichten, die jetzt ans Licht kommen, gehen in irgendeiner Weise auf The Queen zurück“.
Inhaltshinweise: zeittypische Sprache über Geschlecht und Sexualität, Gespräche über die Einberufung zum Militär, teilweise Nacktheit, der wütende Vorwurf eines manipulierten Wettbewerbs
Paris Is Burning (1990, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie und Produktion: Jennie Livingston, USA, gedreht in New York Mitte bis Ende der 1980er-Jahre. Livingston sagte 2020: „Ich identifiziere mich heute als genderqueer.“ Die Menschen vor der Kamera sind Schwarze und lateinamerikanischstämmige schwule Männer, Drag Queens und trans Frauen aus der Ballszene, darunter Dorian Corey, Pepper LaBeija, Venus Xtravaganza, Octavia St. Laurent und Willi Ninja.
Im New York der 1980er-Jahre bauten sich Schwarze und lateinamerikanischstämmige queere und trans Menschen eine eigene Welt: die Balls, bei denen die Teilnehmenden in Kategorien laufen, bewertet nach Stil, Haltung und „Realness“, und dabei Houses vertreten, die als Wahlfamilien funktionieren, jeweils mit einer Mother an der Spitze. Livingston verbrachte Jahre auf den Balls und nahm Interviews mit den Menschen auf, die sie ins Leben riefen.
Der Film ist teils Feier, teils Oral History. Er erklärt die Sprache (Houses, Mothers, Shade, Reading, Voguing) und lässt die Porträtierten reden, oft sehr witzig, über Geld, Race, Geschlecht, Ruhm und darüber, wie sie überleben.
Warum es wichtig ist. Er ist das bekannteste Zeugnis einer Kultur, die queere und trans People of Color geschaffen haben, gefilmt, als sie noch für sich selbst sprechen konnten; die meisten von ihnen starben in den folgenden Jahrzehnten an transfeindlicher Gewalt, Armut und AIDS. So viel Ballroom-Sprache ist inzwischen im Mainstream angekommen, dass es sich lohnt, sie zuerst von ihnen zu hören. Der Film prägte auch Pose, woran Livingston später mitarbeitete. Die Library of Congress nahm ihn 2016 in das National Film Registry auf.
Gut zu wissen. Seit seinem Erscheinen wird über ihn gestritten. bell hooks stellte infrage, ob Livingston, weiß und aus der Mittelschicht, die Balls nicht als Spektakel vorführe. 1993 hatten einige Mitwirkende das Gefühl, bei den Einnahmen des Films leer ausgegangen zu sein; ihre Forderungen wurden fallen gelassen, aber die Produktion verteilte rund 55.000 Dollar unter 13 von ihnen. Livingston hat gesagt, der Film habe sich auf Performance und Wahlfamilie konzentriert und vieles andere ausgelassen.
Inhaltshinweise: transfeindliche Gewalt, darunter die Tötung einer Frau aus dem Film, Armut, AIDS, Sexarbeit, Ablehnung durch die Familie
Ma vie en rose (Mein Leben in Rosarot) (1997, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Alain Berliner, Buch: Berliner und Chris Vander Stappen; eine belgisch-französisch-britische Koproduktion, auf Französisch.
Ludovic, sieben, ist mit ihrer Familie gerade in eine adrette Vorstadt gezogen, in der der Chef des Vaters nebenan wohnt. Ludo ist ruhig und sicher: Sie ist ein Mädchen, und eine Verwechslung bei den Chromosomen muss einfach nur in Ordnung gebracht werden. Sie trägt Kleider, will ihren Freund Jérôme heiraten, den Sohn des Chefs, und flüchtet sich in eine knallbunte Fantasiewelt, in der Pam regiert, eine puppenhafte Fernsehprinzessin.
Die Nachbarschaft nimmt das nicht gut auf, und als der Druck wächst, ringen ihre Eltern, die sie lieben, damit, was sie tun sollen.
Warum es wichtig ist. Er nimmt die Gewissheit eines kleinen Kindes ernst und zeigt sie großenteils aus ihrer Perspektive, durch Fantasie und Farbe statt durch Fallakten. Juliet Jacques nannte ihn in einem Text für das BFI einen der einfühlsamsten trans Filme der 1990er-Jahre und lobte, wie genau Berliner begreift, wie einfach und wie wichtig die Zeichen von Geschlecht für Kinder sind. Er gewann den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.
Gut zu wissen. Er wurde nach den Begriffen von 1997 gedreht und besprochen: Roger Ebert beschrieb Ludovic, wie damals viele in der Kritik, als Jungen mit einer falschen Vorstellung. Spätere Kritiken, etwa von Jacques, schreiben über Ludo als Mädchen, und so beschreibt sie auch dieser Überblick. Der Film ist sanft, verschweigt aber nicht, wie grausam Erwachsene sein können.
Inhaltshinweise: eine Nachbarschaft, die sich gegen eine Familie wendet, ein Kind, das von anderen Kindern gemobbt und angegriffen wird, der Suizidversuch eines Kindes, ein Elternteil, der ein Kind schlägt, ein erzwungener Haarschnitt
Todo sobre mi madre (Alles über meine Mutter) (1999, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Pedro Almodóvar; Spanien und Frankreich, auf Spanisch. Agrado wird von Antonia San Juan gespielt, Lola von Toni Cantó.
Manuela, Krankenschwester in Madrid, verliert ihren Sohn im Teenageralter in der Nacht seines siebzehnten Geburtstags bei einem Unfall. Sie fährt nach Barcelona, um den anderen Elternteil des Jungen zu finden, Lola, eine trans Frau, die nie erfahren hat, dass es ihn gibt. Dort trifft sie ihre alte Freundin Agrado wieder, eine trans Frau und Sexarbeiterin, und wird in einen Kreis von Frauen hineingezogen: eine berühmte Theaterschauspielerin, deren labile Geliebte und eine junge Nonne, die in einer Unterkunft für Sexarbeiterinnen arbeitet.
Es ist ein Melodram über Trauer, Mutterschaft und die Familien, die Menschen sich schaffen, voller Theater, Farbe und Witz.
Warum es wichtig ist. Agrado ist warmherzig, schlagfertig und völlig im Reinen mit sich, und sie bekommt die beliebteste Szene des Films: einen witzigen, stolzen Monolog darüber, was es sie gekostet hat, die zu werden, die sie ist, der mit dem Gedanken endet, dass „man umso authentischer ist, je mehr man dem ähnelt, was man sich erträumt hat zu sein“. Wie Rebecca Bodenheimer für RogerEbert.com schrieb, war eine trans Frau, die die Weiblichkeit einer cis Frau beurteilt statt umgekehrt, eine Position, die trans Frauen selten zugestanden wurde.
Gut zu wissen. Der Film geht mit Agrado freundlicher um als mit Lola, seiner anderen trans Frau, die meist außerhalb des Bildes bleibt und die Bodenheimer als „rücksichtslose und narzisstische“ Präsenz beschreibt. Kritiken aus jener Zeit, darunter die von Variety und der New York Times, verwendeten für beide Frauen Wörter und Pronomen, die die meisten trans Menschen heute nicht verwenden würden.
Inhaltshinweise: der plötzliche Tod eines Teenagers, eine trans Frau, die zusammengeschlagen wird, Sexarbeit, HIV und AIDS, Drogensucht
Hedwig and the Angry Inch (2001, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: John Cameron Mitchell, der auch Hedwig spielt, nach dem Bühnenmusical von 1998, das er mit Stephen Trask geschaffen hat, von dem die Songs stammen; USA.
Hedwig wuchs in Ost-Berlin auf, verliebte sich in einen amerikanischen Soldaten und willigte, um ihn zu heiraten und herauszukommen, unter Druck in etwas ein, das schlecht ausgeführt wurde und dem Film seinen Titel gibt. In einem Trailerpark in Kansas sitzen gelassen, verliebt sie sich in Tommy, den Sohn eines Generals, der sie verlässt und mit Songs, die sie geschrieben hat, zum Stadion-Rockstar wird.
Jetzt tourt Hedwig mit ihrer Band Angry Inch durch billige Filialen von Restaurantketten, folgt Tommys Tournee auf den Fersen und erzählt ihre Geschichte in Songs über Liebe, Geschlecht und Ganzsein. Es ist ein Glam-Rock-Musical: witzig, wütend, mit einer animierten Sequenz, einer Nummer zum Mitsingen und großen Auftritten.
Warum es wichtig ist. Viele trans und geschlechtsnonkonforme Menschen haben etwas von sich selbst in Hedwig gefunden, einer glamourösen, verletzten, wütenden Performerin, deren Geschlecht in keine Schublade passt, und die beiden Schöpfer haben gesagt, sie freuten sich, dass sich trans Menschen in ihr wiedererkennen. Der Film gehört zu einer seltenen Gattung, dem originären Rockmusical, und seine Songs formulieren einen Gedanken über Geschlecht und Ganzsein, der bis heute trifft.
Gut zu wissen. Hedwig ist nicht als trans Frau geschrieben. 2020, nachdem trans Aktivistinnen und Aktivisten argumentiert hatten, eine Produktion in Sydney hätte die Rolle mit einer trans Person besetzen sollen, sagten Mitchell und Trask, der geschlechtliche Weg der Figur werde „einem jungen, femininen schwulen Jungen“ von einem Freund und einer Regierung aufgezwungen, und die Rolle sei näher an Drag, „eine Maske, die allen zur Verfügung steht“. Manche trans Menschen lesen Hedwig anders.
Inhaltshinweise: Zwang durch einen Partner und durch einen Staat, Verlassenwerden, Sexarbeit, sexuelle Inhalte
Berühmt, aber kritisiert
Von diesen Werken hast du wahrscheinlich schon gehört, und viele trans Zuschauerinnen und Zuschauer sehen sie mit gemischten oder ablehnenden Gefühlen. Die bekannteste Kritik betrifft die Besetzung: cis Darstellende, meist Männer, die trans Frauen spielen, während trans Darstellende Mühe haben, dieselben Rollen zu bekommen.
2018 zog sich Scarlett Johansson aus Rub & Tug zurück, einem geplanten Film, in dem sie Dante „Tex“ Gill spielen sollte, nachdem trans Darstellende, darunter Trace Lysette, Kritik geübt hatten, und sagte in ihrer Erklärung, sie verstehe, „warum viele finden, dass er von einer transgender Person dargestellt werden sollte“.
Die Besetzung ist nicht das einzige Problem. Manche dieser Werke machen den Körper einer trans Figur zur Überraschungswendung, eines wurde von einer trans Person inszeniert und trotzdem boykottiert, und eines löste einen öffentlichen Streit darüber aus, wem die Anerkennung für trans Geschichte zusteht. Sie stehen hier, weil du auf sie angesprochen werden wirst, weil manche mit offenen Augen noch immer sehenswert sind und weil die Auseinandersetzungen zur Geschichte gehören.
The Crying Game (1992, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Neil Jordan, Großbritannien. Stephen Rea spielt Fergus, Forest Whitaker spielt Jody, und Jaye Davidson, ein Neuling ohne jede Schauspielerfahrung, spielt Dil.
Ein Thriller, der zur Liebesgeschichte wird. Fergus, Freiwilliger in einer IRA-Einheit in Nordirland, soll Jody bewachen, einen entführten Schwarzen britischen Soldaten, und zwischen den beiden Männern entsteht eine unwahrscheinliche Verbindung. Jody bittet Fergus, in London nach seiner Geliebten Dil zu sehen, falls ihm etwas zustößt.
Später geht Fergus unter neuem Namen nach London, findet Dil und verliebt sich in sie, während er versucht, seiner Vergangenheit zu entkommen. Der Film verhandelt Race, Sexualität und Identität und entstand mit einer wackligen, zusammengestückelten Finanzierung.
Warum es wichtig ist. Er war ein Kassenerfolg und ein Oscar-Film mit einer trans Frau in einer Hauptrolle: Er gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch, und Davidson wurde nominiert. Seine zentrale Szene wurde später in Ace Ventura parodiert, also bist du wahrscheinlich schon Witzen begegnet, die daher stammen, auch wenn du ihn nie gesehen hast. Der Dokumentarfilm Disclosure behandelt ihn als einen der Filme, die das Bild von trans Frauen auf der Leinwand am stärksten geprägt haben, und deshalb lohnt es sich, ihn zu kennen, egal wie du dich entscheidest, was das Anschauen angeht.
Gut zu wissen. In den USA vermarktete Miramax den Film über ein Geheimnis: Eine frühere Führungskraft erzählte The Hollywood Reporter, man habe „Journalist für Journalist“ angerufen, damit es gewahrt bleibt. Das Geheimnis war, dass Dil trans ist, und so wurden ihr Körper und der Ekel ihres Liebhabers davor zur Wendung. Oliver Whitney ordnet den Film in Vulture in die Tradition der „trans Täuschung“ ein. Der Dokumentarfilm Disclosure (2020) nimmt sich Zeit für die Szene; laut Sam Feder, verantwortlich für die Regie, fanden Mitwirkende sie verstörend, während Zackary Drucker im Film sagt, sie habe damals das Problem nicht gesehen, sondern einfach eine schöne Frau. Feder ist der Ansicht, man könne „Dinge kritisch lieben“.
Inhaltshinweise: Entführung und Waffengewalt, eine trans Frau, der ihr Partner mit Ekel begegnet und die versehentlich geschlagen wird, Nacktheit, Suizidgedanken
Boys Don't Cry (1999, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Kimberly Peirce, Buch: Peirce und Andy Bienen, USA. Hilary Swank, die cisgender ist, spielt Brandon Teena, und Chloë Sevigny spielt Lana Tisdel.
Eine Spielfilmfassung des Lebens von Brandon Teena, einem jungen trans Mann im ländlichen Nebraska, der 1993 ermordet wurde. Brandon zieht nach Falls City, schließt sich dort einer Gruppe junger Leute an und verliebt sich in Lana.
Der Film verfolgt, was geschieht, als die Menschen um ihn herum herausfinden, dass er trans ist. Er beruht auf wahren Ereignissen, und Peirce hat Teile der Geschichte fiktionalisiert, also sieh ihn als ihre Version von Brandons Leben, nicht als Protokoll davon.
Warum es wichtig ist. Für viele im Publikum war er 1999 die erste einfühlsame Darstellung einer trans Person, die sie je gesehen hatten. Jude Dry von IndieWire schreibt, er habe in vieler Hinsicht die Debatte über trans Repräsentation im Film angestoßen, die bis heute andauert. Swank sagt, Menschen hätten ihr geschrieben und seien unter Tränen auf sie zugekommen, um ihr zu danken. 2019 wurde er in das National Film Registry der USA aufgenommen.
Gut zu wissen. Im November 2016 protestierten Studierende des Reed College gegen Peirces Besuch auf dem Campus und störten ihren Vortrag nach einer Vorführung. Laut Willamette Week wandten sie sich dagegen, dass eine Regisseurin, die nicht trans ist, mit der Darstellung von Gewalt gegen trans Menschen Geld verdient, dass Swank statt einer trans Person besetzt wurde, und gegen die drastische Vergewaltigungsszene; das College kritisierte, wie der Vortrag gestört wurde. 2019 sagte Swank, sie sei „froh, dass sich die Zeiten weiterentwickeln“ und dass Menschen ihre eigenen Geschichten erzählen können. Andere Einwände betrafen die Genauigkeit: Peirce strich Philip DeVine, einen Schwarzen Mann, der zusammen mit Brandon getötet wurde, mit der Begründung, dafür sei kein Platz gewesen, und die echte Lana Tisdel klagte wegen der Art, wie sie dargestellt wurde.
Inhaltshinweise: transfeindliche Belästigung und Gewalt, ein trans Mann, der gewaltsam entblößt wird, eine drastische Vergewaltigungsszene, Polizei, die ein Opfer zu seinem Geschlecht befragt, Mord (nach wahren Ereignissen)
Transamerica (2005, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Duncan Tucker, USA. Felicity Huffman spielt Bree, Kevin Zegers spielt Toby. Zur Vorbereitung arbeitete Huffman mit zwei trans Frauen, Andrea James und Calpernia Addams, die sie beim Stimmtraining anleiteten.
Bree, eine trans Frau in Los Angeles, steht kurz vor einem lang ersehnten Schritt ihrer Transition, als ein Anruf aus einem New Yorker Gefängnis kommt: Ein jugendlicher Ausreißer namens Toby sucht einen Elternteil, den er nie kennengelernt hat, und dieser Elternteil ist Bree. Ihre Therapeutin gibt ihr erst grünes Licht, wenn sie sich dem stellt.
Also fliegt Bree nach New York, holt Toby gegen Kaution heraus, ohne ihm zu sagen, wer sie ist, und am Ende fahren die beiden gemeinsam quer durchs Land, mit einem Zwischenstopp bei der Familie, der sie sich seit Langem entfremdet hat.
Warum es wichtig ist. Er ist eine Roadmovie-Tragikomödie mit einer trans Frau als Hauptfigur, nicht als Opfer oder Schurkin, und Huffman wurde für die Rolle für einen Oscar nominiert. Dominic Clarke schrieb 2014 bei IndieWire, der Film sei „seiner Zeit so weit voraus“, dass die Filmwelt noch immer nicht aufgeholt habe, merkte an, wie selten Filme einen gewöhnlichen Menschen zeigen, der eben trans ist, und lobte, wie menschlich Tucker mit Bree umgeht, auch als ihre Familie sie ablehnt.
Gut zu wissen. Zu diesem Film haben wir weniger veröffentlichte Kritik von trans Autorinnen und Autoren gefunden als zu den anderen in dieser Gruppe, und das meiste davon betrifft die Besetzung. Paris Lees, eine trans Frau, nannte Huffmans Darstellung 2014 im Independent eine „Annäherung an eine trans Frau“ und hob eine Szene hervor, die sie unglaubwürdig fand, obwohl die Produktion mit trans Beraterinnen gearbeitet hatte. Huffman selbst sagte 2014, sie verstehe und unterstütze die Ansicht, dass trans Darstellende trans Rollen spielen sollten, weil trans Menschen „lange an den Rand gedrängt wurden“.
Inhaltshinweise: Deadnaming, transfeindliche Ablehnung durch die Familie, darunter ein übergriffiger Moment mit Brees Mutter, Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch und den Suizid eines Elternteils in Tobys Vergangenheit, Sexarbeit, Drogenkonsum
Dallas Buyers Club (2013, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Jean-Marc Vallée, Buch: Craig Borten und Melisa Wallack, USA. Matthew McConaughey spielt Ron Woodroof, und Jared Leto, der nicht trans ist, spielt Rayon, eine erfundene trans Frau.
Nach der wahren Geschichte von Ron Woodroof, einem heterosexuellen Elektriker aus Texas, bei dem Mitte der 1980er-Jahre HIV diagnostiziert wird. Er beginnt, nicht zugelassene AIDS-Medikamente in die USA zu bringen und sie über einen Club für Mitglieder zu verteilen, dem medizinischen Establishment zum Trotz.
Im Krankenhaus lernt er Rayon kennen, eine trans Frau, die mit AIDS lebt, und nach einem feindseligen Anfang wird sie seine Geschäftspartnerin und allmählich eine Freundin. Woodroof gab es wirklich; Rayon wurde für den Film erfunden.
Warum es wichtig ist. Er ist ein viel gesehener Film über die frühe AIDS-Krise in den USA und gab der Geschichte einer trans Frau einen großen Platz in einem Film, der Millionen gefallen hat. Leto gewann dafür einen Golden Globe und dann einen Oscar. Paris Lees, eine trans Frau, rechnete damit, sich gekränkt zu fühlen, und fühlte sich nicht gekränkt: Sie sagte, der Film sei großartig, Leto habe sie zu Tränen gerührt, und man solle ihn sich wohl ansehen, mit hochgezogener Augenbraue.
Gut zu wissen. Die Kritik richtete sich vor allem darauf, wer Rayon spielte und wie sie geschrieben war. Zum Kinostart argumentierte Susan Rohwer in einem Meinungsbeitrag in der Los Angeles Times, die Rolle hätte an eine trans Person gehen sollen, und zitierte Shawna Virago vom San Francisco Transgender Film Festival, die von einer verpassten Chance sprach. Letos Dankesrede bei den Golden Globes, in der er Rayon ein „wunderschönes Geschöpf“ nannte und über das Rasieren seiner Beine witzelte, löste Wut aus. Paris Lees schrieb, Rayon sei weniger ein Mensch als „eine Funktion“, stumm, während sogar ihre Freunde sie „er“ nennen. Bei einem Festival 2014 sagte eine Frau zu Leto: „Transmisogynie verdient keinen Preis“; er widersprach und sprach danach mit ihr.
Inhaltshinweise: Krankheit und Tod durch AIDS, Drogenkonsum, ständiges Misgendern, homo- und transfeindliche Anfeindungen
Transparent (2014, Serie)
Wer dahintersteht: Entwickelt von Joey Soloway für Amazon, USA; fünf Staffeln, 2014 bis 2019. Soloway ist nicht-binär, verwendet they/them und wurde während der Produktion als Jill Soloway genannt. Jeffrey Tambor, der cisgender ist, spielte Maura, bis er 2018 entlassen wurde. Zu den trans Menschen, die an der Serie mitarbeiteten, gehören die Drehbuchautorin Our Lady J, die Produzentin Zackary Drucker, der Produzent Rhys Ernst und die Schauspielerin Trace Lysette.
Die Pfeffermans sind eine jüdische Familie in Los Angeles. Als Maura, emeritierte Professorin und Elternteil dreier erwachsener Kinder, sich als trans Frau outet, gerät das Leben aller in Bewegung, und sie und ihre Kinder gehen nicht immer souverän damit um.
Die Serie folgt der ganzen Familie, oft mit Rückblenden in ihre Geschichte, und endet 2019 mit einem Musical-Finale. Soloway hat Maura lose an die Transition des eigenen Elternteils angelehnt.
Warum es wichtig ist. Auf ihrem Höhepunkt galt sie, in den Worten des Hollywood Reporter, als „Leuchtfeuer gesellschaftlicher Fortschrittlichkeit“, wurde von Organisationen wie GLAAD gelobt und gewann Golden Globes. Sie versuchte auch zu verändern, wer eine Serie macht: Soloway wählte Our Lady J aus einer Gruppe von trans Frauen aus, die sich als Autorinnen beworben hatten, und trans Menschen arbeiteten vor und hinter der Kamera. Wenn dich interessiert, wie die Branche begann, trans Talente einzustellen, gehört sie zu dieser Geschichte.
Gut zu wissen. Die Besetzung mit Tambor, einem cis Mann, wurde von Anfang an infrage gestellt; bei einer frühen Vorführung verglich jemand aus dem Publikum sie mit Blackface. Als Tambor 2016 seinen Emmy entgegennahm, bat er die Branche, „transgender Talenten eine Chance zu geben“, und sagte, er „wäre nicht unglücklich, wenn ich der letzte cisgender Mann wäre, der im Fernsehen eine weibliche Transgender-Figur spielt“. Im selben Jahr nannte Soloway es „absolut inakzeptabel“, einen cis Mann als trans Frau zu besetzen. Ende 2017 warfen ihm seine frühere Assistentin Van Barnes und die Schauspielerin Trace Lysette, beide trans Frauen, sexuelle Belästigung vor. Er bestritt ihre Schilderungen und wurde im Februar 2018 aus der Serie entlassen.
Inhaltshinweise: Misgendern und Deadnaming, transfeindlicher Ausschluss aus Räumen für Frauen, Gespräche über Suizidgedanken, Familienkonflikte
The Danish Girl (2015, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Tom Hooper, Drehbuch: Lucinda Coxon, nach dem Roman von David Ebershoff aus dem Jahr 2000; Großbritannien und USA. Eddie Redmayne, ein cis Mann, spielt Lili Elbe, und Alicia Vikander spielt Gerda Wegener.
Ein romantisches Drama im Kopenhagen und Paris der 1920er-Jahre. Gerda und der Mensch, mit dem sie verheiratet ist, malen beide. Eines Tages bittet Gerda diesen Menschen, für ein Modell einzuspringen, das sich verspätet, und diese kleine Bitte öffnet eine Tür: Der Mensch, den Gerda geheiratet hat, beginnt als Lili Elbe zu leben.
Der Film verfolgt Lilis Transition und was sie beiden Frauen und ihrer Ehe abverlangt. Er nähert sich Lilis Leben über einen Roman, der es stark fiktionalisiert hat, und ist deshalb eine Version ihrer Geschichte, nicht die Geschichte.
Warum es wichtig ist. Er stellte das Leben einer trans Frau in den Mittelpunkt eines großen Films der Preissaison, und durch ihn haben viele Menschen zum ersten Mal von Lili Elbe gehört. Vikander, die für ihre Rolle als Gerda einen Oscar gewann, sagte 2025, er wirke schon jetzt „extrem veraltet“, habe aber dafür gesorgt, dass über das Thema „zumindest gesprochen“ wurde. Selbst Casey Plett, die ihn nicht mochte, erwähnt eine trans Frau aus ihrem Bekanntenkreis, die ihn geliebt hat.
Gut zu wissen. Trans Kritikerinnen und Kritiker gingen hart mit ihm ins Gericht. Carol Grant, die bei IndieWire als trans Frau am Anfang ihrer eigenen Transition schrieb, nannte ihn „rückschrittlich, verkürzend und schädlich“ und argumentierte, Hoopers Kamera starre lüstern auf Lilis Kleidung und Körper und reduziere ihr Frausein auf Stereotype. Die Autorin Casey Plett fand das Drehbuch in The Walrus „grauenhaft und langweilig“, wandte sich gegen eine erfundene Szene, in der Lili zusammengeschlagen wird, und sagte, eine trans Frau hätte sie spielen sollen. Der Film nimmt sich außerdem viele Freiheiten mit Elbes wirklichem Leben. 2021 sagte Redmayne der Times, er würde die Rolle heute nicht mehr annehmen: „Ich habe diesen Film mit den besten Absichten gedreht, aber ich glaube, es war ein Fehler.“
Inhaltshinweise: ein transfeindlicher Angriff auf der Straße, psychiatrische Misshandlung, darunter die Drohung einer Zwangseinweisung, Misgendern, Nacktheit, medizinische Umgebungen
The Death and Life of Marsha P. Johnson (2017, Dokumentarfilm)
Wer dahintersteht: Regie: David France, der das Buch gemeinsam mit Mark Blane schrieb, USA. Der Film begleitet Victoria Cruz, eine trans Frau und Ermittlerin beim New York City Anti-Violence Project. France kannte Johnson und berichtete als Journalist über ihren Tod.
Die Leiche von Marsha P. Johnson, einer Veteranin des Stonewall-Aufstands, die gemeinsam mit Sylvia Rivera die Aktivistengruppe STAR gegründet hatte, wurde 1992 im Hudson River gefunden. Die Polizei stufte ihren Tod als Suizid ein; viele Menschen, die sie kannten, haben das nie akzeptiert.
Der Film begleitet Victoria Cruz, während sie die Fragen rund um Johnsons Tod neu aufrollt, alte Freundinnen und Freunde besucht und auf verschlossene Türen stößt, und verwebt das mit Archivaufnahmen von Johnson und Rivera aus ihren Jahren des politischen Organisierens.
Warum es wichtig ist. Er brachte Johnson und Rivera, mit ihren eigenen Stimmen und im Bild, vor ein sehr großes Publikum und verbindet Johnsons Tod damit, wie wenig Aufmerksamkeit Gewalt gegen trans Menschen noch immer bekommt. Cruz trägt den Film: Eric Kohn von IndieWire beschreibt eine trans Ermittlerin, die nie einen Gang zurückschaltet. Wenn du Johnson sehen und hören willst, statt nur über sie zu lesen, versammelt der Film viel Material von ihr.
Gut zu wissen. Als der Film zu Netflix kam, warf Tourmaline (damals als Reina Gossett bekannt), eine Schwarze trans Filmemacherin, die jahrelang zu Johnson recherchiert hatte, France vor, von ihrer Archivarbeit und einem Förderantrag für ihren eigenen Johnson-Film profitiert zu haben und mit trans Leben Geld zu verdienen, während sie sich Geld für die Miete lieh. France bestritt, ihre Arbeit übernommen zu haben, und sagte, er habe jahrelang zu der Geschichte recherchiert. Er räumte die weit größeren Hürden ein, denen sie als trans Frau of Color begegnet, und sagte, „es ist falsch, dass unsere Projekte nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen haben“. Eine Recherche von The Advocate aus dem Jahr 2018 ergab, dass France den Großteil seines Archivmaterials aus anderen Quellen lizenziert hatte, dass aber seine Verwendung von 14 Sekunden Material, das er zum ersten Mal 2015 bei einer Präsentation von Tourmaline gesehen hatte, ihren Vorwurf stützte. Tourmaline hat den Streit als Frage danach beschrieben, wer von der Arbeit von trans Frauen of Color profitiert, während sie selbst ungenannt bleiben.
Inhaltshinweise: der ungeklärte Tod von Marsha P. Johnson, Gleichgültigkeit der Polizei, Gewalt gegen trans Menschen, Trauer
Girl (2018, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Lukas Dhont, Buch: Dhont und Angelo Tijssens; Belgien, auf Niederländisch und Französisch. Lara wird von Victor Polster gespielt, der nicht trans ist. Inspiriert wurde der Film von Nora Monsecour, einer belgischen Profitänzerin und trans Frau, die von Anfang an mit Dhont daran gearbeitet hat.
Lara, ein 15-jähriges trans Mädchen, bekommt einen Probeplatz an einer anspruchsvollen Ballettschule in Antwerpen und zieht mit ihrem kleinen Bruder und ihrem Vater dorthin, der sie ohne Zögern unterstützt.
Der Film bleibt ganz nah bei Lara: die Stunden des Spitzentanzes, die Schmerzen in ihrem Körper, ihre Ungeduld, dass ihre Transition vorankommt, und wie hart sie mit sich selbst ist.
Warum es wichtig ist. Er gewann in Cannes die Caméra d'Or für das beste Spielfilmdebüt und die Queer Palm. Für Monsecour ist es ihre Geschichte: Sie schrieb, die Arbeit daran habe ihr geholfen, sich selbst anzunehmen, und der Film zeige das liebevolle Zuhause, das sie zum Glück hatte. Er ist außerdem ein deutlicher Fall, in dem trans Kritikerinnen und Kritiker und die trans Frau, deren Leben einen Film inspiriert hat, dasselbe Werk genau gegensätzlich sehen, und das solltest du wissen, bevor du entscheidest, ob du ihn schaust.
Gut zu wissen. Mehrere trans Kritikerinnen und Kritiker sahen ihn ganz anders als die Kritik in Cannes. Oliver Whitney nannte ihn im Hollywood Reporter eine Gefahr für die trans Community und verwies auf „eine verstörende Faszination für trans Körper“, eine Kamera, die sich immer wieder auf Laras Unterleib richtet, eine drastische Szene der Selbstverletzung und eine schädliche Botschaft über Transition. Kritisiert wurde auch, dass ein cis Schauspieler in einer Geschichte besetzt wurde, die zwei cis Männer erzählen. Monsecour antwortete in derselben Zeitung, der Film „erzählt meine Geschichte auf eine Weise, die nicht lügt“, und es „kränkt mich“, ihn abzutun, weil Dhont und der Hauptdarsteller cis sind. Dhont sagte, „wir alle wollen trans Talente auf der Leinwand“, begründete die Besetzung aber mit Empathie.
Inhaltshinweise: drastisch gezeigte Selbstverletzung, wiederholte Nacktheit mit Fokus auf Laras Körper, transfeindliches Mobbing, Deadnaming durch ein Familienmitglied, körperliche Schmerzen durch das Training
Adam (2019, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Regie: Rhys Ernst, ein trans Filmemacher, nach einem Drehbuch von Ariel Schrag, die damit ihren Roman von 2014 adaptierte, USA. Nicholas Alexander spielt Adam, und der Film entstand mit mehreren trans Menschen in der Besetzung.
Im Sommer 2006 besucht Adam, ein schüchterner heterosexueller Teenager, seine ältere Schwester Casey in New York, deren Umfeld queer und trans ist. Auf einer Party lernt er Gillian kennen, eine Lesbe, die annimmt, er sei ein trans Mann.
Adam korrigiert sie nicht und hält die Lüge aufrecht, während ihre Beziehung wächst und er in Räumen willkommen geheißen wird, in denen lesbische und trans Communitys aufeinandertreffen und miteinander streiten.
Warum es wichtig ist. Er ist der Film eines trans Regisseurs, der eine lang gepflegte, schädliche Vorstellung aufgreift, nämlich dass trans Menschen andere täuschen, und sie umdreht. Oliver Whitney, trans und in der Filmkritik tätig, ging wegen des Romans skeptisch an den Film heran und fand, dass er die Erzählung von der „trans Täuschung“ geschickt unterläuft, den Druck auf trans Menschen, sich zu offenbaren, aufs Korn nimmt und zeigt, wie ein junger cis Mann von einem trans Mann eine gesündere Männlichkeit lernt.
Gut zu wissen. Die Prämisse löste einen Boykott aus, bevor die meisten den Film gesehen hatten: Petitionen mit über 6.000 Unterschriften nannten ihn homo- und transfeindlich und stützten sich auf Kritik an Schrags Roman, dessen Umgang mit trans Männern der Rezensent Tom Leger „seltsam, verletzend und bizarr“ nannte. Ein trans Komparse sagte außerdem, er sei am Set misgendert worden. Ernst sagte, der Film weiche in wichtigen Punkten vom Buch ab, Whitney merkte an, dass die am stärksten kritisierte Szene des Romans fehlt, und Ernst fügte hinzu: „Gerade herrscht ein Krieg gegen Zwischentöne.“ Zu den Vorwürfen vom Set sagte er, jemand „könnte versehentlich misgendert worden sein“, trotz Schulungen für das Team.
Inhaltshinweise: eine cis Figur, die vorgibt, trans zu sein, Misgendern, zeittypische Streitigkeiten über den Ausschluss von trans Frauen aus Räumen für Frauen
Emilia Pérez (2024, Spielfilm)
Wer dahintersteht: Buch und Regie: Jacques Audiard, Frankreich, auf Spanisch. Karla Sofía Gascón, eine spanische trans Frau, spielt die Titelrolle, dazu Zoe Saldaña als Anwältin Rita und Selena Gomez.
Ein Krimi-Musical, das sein Regisseur eine Oper nennt. Rita, eine Anwältin in Mexiko-Stadt, die sich abmüht und Prozesse gegen ihr eigenes Gewissen gewinnt, bekommt ein geheimes, sehr gut bezahltes Jobangebot. Hinter dem Auftrag steht die gefürchtete Führungsfigur eines Kartells, die mit Ritas Hilfe einen Tod vortäuschen, untertauchen und transitionieren will.
Der Film mischt Songs, Melodram und Kartellgewalt in voller Lautstärke und verfolgt, was geschieht, nachdem das neue Leben begonnen hat.
Warum es wichtig ist. Er war ein riesiger Film der Preissaison: Er gewann in Cannes den Preis der Jury und vier Golden Globes, erhielt 13 Oscar-Nominierungen, und Gascón wurde als erste offen trans Person für einen Oscar in einer Schauspielkategorie nominiert. Was auch immer du von dem Film hältst, diese Nominierung war eine Premiere, und die Kämpfe um den Film gehören inzwischen zur jüngeren trans Filmgeschichte.
Gut zu wissen. Trans Kritikerinnen und Kritiker gehörten zu seinen schärfsten. GLAAD nannte ihn „eine zutiefst rückwärtsgewandte Darstellung einer trans Frau“ und wies darauf hin, dass das frühe Lob in Cannes von Kritikerinnen und Kritikern kam, die nicht trans sind; Drew Burnett Gregory, eine trans Frau, nannte ihn in Autostraddle „ein glorreiches Desaster“, gebaut auf bekannten Klischees. In Mexiko machten sich viele über sein hölzernes Spanisch, seine Stereotype und die Tatsache lustig, dass nur ein Mitglied der Hauptbesetzung aus Mexiko stammte; Audiard entgegnete, es sei „eine Oper, keine Kritik an irgendetwas in Mexiko“. Anfang 2025 tauchten alte Posts von Gascón über Muslime, George Floyd und Diversität bei den Oscars wieder auf. Sie sagte, es tue ihr zutiefst leid; Audiard nannte die Posts „hasserfüllt“.
Inhaltshinweise: Kartellgewalt und Morde, Entführung, die Suche nach gewaltsam verschwundenen Menschen, andere Figuren, die vor dem Körper einer trans Frau zurückschrecken, Misgendern
Wie es weitergeht
Manches davon schaut sich mit anderen trans Menschen leichter als allein, und das Gespräch danach ist die halbe Miete. Wenn du diese Menschen noch suchst, sind trans Freundinnen und Freunde finden und eine Selbsthilfegruppe für trans Menschen finden gute Anlaufstellen.
Die Geschichte hinter einigen dieser Filme erzählen unsere Texte über Marsha P. Johnson, Sylvia Rivera und Lili Elbe. Wenn du lieber liest als schaust, ist Bücher von trans und nicht-binären Menschen das Gegenstück zu diesem Überblick.
Eine Liste wie diese altert. Neue Werke erscheinen, Menschen beschreiben sich anders, und das Urteil der Kritik verschiebt sich. Wenn dir ein Fehler auffällt, ein falsch zugeordneter Credit oder etwas, das hierher gehört, erreichst du uns über die Kontaktseite.

Wren · Redaktion
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