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Lesenswerte Bücher von trans und nicht-binären Menschen

Romane, Memoirs, Geschichte, Lyrik, Comics und Jugendbücher von trans und nicht-binären Schreibenden, darunter Bücher, die zuerst in sechs anderen Sprachen erschienen sind.

Wren

Dieser Leseführer ist für trans und nicht-binäre Erwachsene gedacht. Eine Rangliste ist er nicht. Jedes Buch hier wurde von einer Person geschrieben, mitgeschrieben oder herausgegeben, die öffentlich trans, nicht-binär oder geschlechtlich nonkonform ist, nach eigenen Worten oder laut einem Interview oder einer Verlagsbiografie, die in den Quellen des Eintrags steht. Zu jedem Buch erfährst du, wer es geschrieben hat, was es ist, warum es dir etwas bedeuten könnte, welche Kritik es gab, sofern es welche gab, und welche Inhaltshinweise es gibt.

Diese Regel ist enger als bei den meisten Buchpreisen. Die Lambda Literary Awards, die bekanntesten LGBTQ+-Buchpreise der USA, stehen Schreibenden jeder Geschlechtsidentität offen. 1997 kam eine Kategorie für Transgender-Literatur hinzu, und bis 2013 war laut einem Meinungsbeitrag in The Advocate die Hälfte der in dieser Kategorie ausgezeichneten Bücher hauptsächlich von cis Autorinnen und Autoren geschrieben oder herausgegeben worden. Derselbe Beitrag hielt fest, dass 2013 das erste Jahr war, in dem der Preis für trans Belletristik sowohl von trans Autorinnen und Autoren überreicht als auch von trans Autorinnen und Autoren entgegengenommen wurde.

Identitäten und Pronomen geben wir so wieder, wie die Schreibenden selbst sie angeben. Manche beschreiben sich mit Wörtern aus ihrer eigenen Sprache oder Kultur, etwa travesti in Argentinien und Brasilien, und wir verwenden diese Wörter so, wie sie selbst es tun. Manche Menschen haben ihren Namen geändert, seit ihre Bücher erschienen sind: Wir verwenden den heutigen Namen, und auf älteren Ausgaben kann noch ein früherer stehen.

Die Jahreszahlen nennen die Erstveröffentlichung des Originals. Wir verlinken keine Shops. Die Inhaltshinweise stützen sich auf Kritiken und Verlagsbeschreibungen, also nimm sie als Ausgangspunkt, nicht als Garantie.

Romane

Belletristik von trans und nicht-binären Schreibenden, von einem Klassiker aus dem Arbeitermilieu von 1993 bis zu neueren literarischen, historischen und spekulativen Romanen. Zwei davon erschienen zuerst in kleinen Verlagen, bevor größere Verlage sie übernahmen.

Stone Butch Blues (1993, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Leslie Feinberg, zuerst 1993 bei Firebrand Books in den USA erschienen, später bei Alyson Books und schließlich als von Feinberg selbst betreute Ausgabe zum 20. Jubiläum, die Feinberg in den letzten Lebenstagen vorbereitete. Feinberg beschrieb sich als „antirassistisch, weiß, aus der Arbeiterklasse, säkular jüdisch, transgender, lesbisch, weiblich, revolutionär kommunistisch“ und bevorzugte die Pronomen she/zie und her/hir.

Jess Goldberg wächst in Buffalo, New York, in einer jüdischen Arbeiterfamilie auf, ein maskulines Kind, aus dem in den Jahren vor Stonewall eine Butch wird. Jess findet die Bars, in denen Butches, Femmes und Drag Queens sich gemeinsam eine Welt schaffen, und findet Fabrikarbeit, gewerkschaftliche Organisierung und Liebe.

Jess erlebt aber auch unerbittliche Gewalt und Verachtung durch Polizisten, Chefs, Ärzte und andere Männer mit Macht. Über Jahrzehnte folgt der Roman Jess auf der Suche nach einem Weg, in einem Körper und einem Geschlecht zu leben, die passen, in einer Welt, die jede Möglichkeit bestraft. Feinberg nannte ihn „einen lesbischen Roman und einen Transgender-Roman“. Auf Deutsch erscheint er im Querverlag unter dem Titel Stone Butch Blues, übersetzt von Claudia Brusdeylins.

Warum es wichtig ist. Das Buch wurde in Hunderttausenden Exemplaren verkauft und von Hand zu Hand weitergegeben, auch in Gefängnissen. June Thomas schrieb in Slate, Feinberg habe mehr als irgendjemand sonst dazu beigetragen, wie lesbische und bisexuelle Feministinnen über Butch- und Femme-Identitäten und über trans Themen dachten und sprachen. Der Roman hält Politik der Arbeiterklasse, Butch-Leben und trans Leben in einer einzigen Geschichte zusammen, ohne dass du dich für eines davon entscheiden musst, und die New York Public Library stellt Feinberg an die Spitze der politischen trans Bewegung der 1990er-Jahre.

Gut zu wissen. Das ist ein schweres Buch: June Thomas von Slate nannte es „kein fröhliches Wohlfühlfest“, und in einer zweiten Kritik bei Slate hieß es, manche Dialoge seien „ein bisschen kitschig“. Wer über das Buch schreibt, bezeichnet Jess unterschiedlich (Slate verwendet she, die New York Public Library ze), und das sagt etwas darüber, wie sich das Buch einer einzigen Bezeichnung widersetzt. Feinberg untersagte Verfilmungen und lehnte neue kommerzielle Verträge für den Roman ab.

Inhaltshinweise: sexualisierte Gewalt, Polizeigewalt, homo- und transfeindliche Gewalt, Antisemitismus, eine absichtlich herbeigeführte Verletzung am Arbeitsplatz, entwürdigende Behandlung durch Ärzte

Nevada (2013, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Imogen Binnie. Zuerst 2013 in den USA bei Topside Press erschienen, einem kleinen, inzwischen eingestellten Verlag für Literatur von und für trans Menschen, und 2022 mit einem neuen Nachwort bei MCD x FSG Originals (Farrar, Straus and Giroux) neu aufgelegt. Binnie ist eine trans Frau und hat gesagt, sie habe „ein Buch über trans Frauen“ gewollt, „das unsere Erfahrungen ernst nimmt“.

Maria Griffiths ist fast dreißig, arbeitet in einem Antiquariat in New York City und verbringt den größten Teil ihres Lebens in ihrem eigenen ängstlichen Kopf. Nach einer Trennung nimmt sie das Auto ihrer Freundin und fährt quer durchs Land.

In Nevada lernt sie James kennen, einen jungen Mann, der sich gerade erst zu fragen beginnt, ob er vielleicht gar kein Mann ist. Er erinnert Maria an ihr jüngeres Ich, und sie ernennt sich selbst zu seinem unbeholfenen trans Vorbild. Es ist ein Roadroman, der sich weniger dafür interessiert, wohin die Straße führt, als für die Lügen, die Menschen sich selbst erzählen.

Warum es wichtig ist. Nevada ist ein trans Roman, in dem niemand vor den Augen der Lesenden transitioniert: In ihrem Nachwort schreibt Binnie, dass sie diesen Teil absichtlich gestrichen hat, weil gerade die Phase dazwischen die Menschen fasziniert, die sie nie durchmachen müssen. Die Kritikerin Stephanie Burt schrieb, es scheine der erste realistische Roman in Buchlänge über trans Frauen zu sein, „nicht nur von einer von uns geschrieben, sondern für uns“. Leserinnen und Leser hielten das Buch jahrelang im Umlauf, und Torrey Peters sagt, es habe ihr Weltbild geprägt.

Gut zu wissen. Im Rückblick zur Neuauflage erzählte Binnie dem Magazin Them, dass sie in dem Buch eine jüngere Version ihrer selbst sehe, einen Menschen, der „mit Schuld und Scham lebte“, und dass sie sich seitdem sehr weiterentwickelt habe. Marias langer, ängstlicher innerer Monolog ist der Motor des Buchs. Wer einen Roadtrip mit viel Handlung sucht, findet es deshalb vielleicht langsam.

Inhaltshinweise: Drogenkonsum (Heroin), Depression und Dissoziation, offene Gespräche über Sex und Sexualität

Paul Takes the Form of a Mortal Girl (2017, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Andrea Lawlor, zuerst 2017 bei Rescue Press in den USA erschienen und 2019 bei Vintage (Penguin Random House) neu aufgelegt. Lawlor ist nicht-binär, verwendet they/them, hat das eigene Geschlecht als „trans-ish“ beschrieben und gesagt: „Transmaskulin passt für mich.“

Wir schreiben das Jahr 1993. Paul Polydoris steht hinter der Bar im einzigen schwulen Club einer Universitätsstadt, in der Politik und Partys den Ton angeben. Er studiert Queer Theory, macht Zines, hat eine lesbische beste Freundin und ein volles Liebesleben. Und er hat ein Geheimnis: Er ist ein Gestaltwandler und kann seinen Körper nach Belieben verändern.

Zwischen der Riot-Grrrl-Szene und der schwulen Lederszene, von Iowa City bis San Francisco, lebt Paul als Paul und als Polly, auf der Suche nach Liebe, Sex und einer Gemeinschaft, die ihn sieht.

Warum es wichtig ist. Wenn dein Geschlecht noch nie stillgehalten hat, ist Paul eine Fantasie grenzenloser Wandelbarkeit, erzählt aus Lust statt aus Schmerz. Lawlor sagte dem Guardian, beim kulturellen Erbe queerer und trans Menschen gehe es darum, Lust, Selbsterkenntnis, Kunst und Humor an die erste Stelle zu setzen, und das Buch lebt genau das. Außerdem ist es ein genaues, witziges Porträt queeren Lebens Anfang der 1990er-Jahre, das bei AIDS nicht wegschaut.

Gut zu wissen. Paul ist nicht immer sympathisch: Die Rezension im Guardian merkt an, dass er seine Freunde schlecht behandelt und kleine Diebstähle begeht, und Lawlor stimmt zu, dass er in vielerlei Hinsicht nicht nett ist. Dieselbe Rezension nennt es einen Roman über Sex, „jede Menge davon“.

Inhaltshinweise: explizite Sexszenen, AIDS, Homofeindlichkeit und Rassismus, verinnerlichte Homofeindlichkeit

Confessions of the Fox (2018, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Jordy Rosenberg, zuerst im Juni 2018 bei One World (Penguin Random House) in den USA erschienen. Rosenberg, Professor für Anglistik, ist trans (in einem Interview mit Vol. 1 Brooklyn spricht er „als trans Person“), und seine Verlagsbiografie verwendet he.

Jack Sheppard und Edgeworth Bess waren die berüchtigtsten Diebe, Ausbrecher und Liebenden im London des 18. Jahrhunderts. Ein Wissenschaftler namens Dr. Voth, noch mitgenommen von Liebeskummer, entdeckt ein lange verschollenes Manuskript, das vorgibt, ihre wahren Bekenntnisse zu enthalten. Darin ist Jack ein trans Mann, und Bess, eine Sexarbeiterin, ist die Tochter eines Seemanns, eines Laskaren.

Voth kommentiert das Manuskript in Fußnoten, die zu einer eigenen, parallelen trans Geschichte anwachsen. Ist das Geschichte oder ein Schwindel? Der Roman mischt Gaunerstück, Liebesgeschichte, Gefängnisausbrüche und eine Komödie aus dem Universitätsbetrieb.

Warum es wichtig ist. Rosenberg schreibt einen trans Mann in eine echte Londoner Legende hinein und vertritt die These, dass trans Menschen schon immer Teil der Geschichte waren, auch wenn die Archive sie auslassen. Unter der derben, geistreichen Oberfläche fand die Rezension im Guardian „einen verhaltenen und hart erkämpften Bericht darüber, wie es sich anfühlt, das Geschlecht zu wechseln“. Das Buch ist außerdem wütend, und zwar auf nützliche Weise, über Polizei, Gefängnisse und die Frage, wem die Vergangenheit gehört. Es war unter den Finalisten des Lambda Literary Award.

Gut zu wissen. Die Rezension im Guardian bewunderte den Roman, nannte ihn aber eine „holprigere Lektüre“ als frühere queere historische Romane, voller absichtlicher Anachronismen und „einer Menge progressiver politischer Punktesammelei“. Die Fußnoten und die Stilimitation machen das Buch aus, verlangen aber Geduld.

Inhaltshinweise: explizite Sexszenen, Gewalt durch Polizei und im Gefängnis, ein misshandelnder Dienstherr, Sexarbeit

Freshwater (2018, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Akwaeke Emezi, zuerst im Februar 2018 bei Grove Press in den USA erschienen. Emezi, mit Igbo- und tamilischen Wurzeln, in Nigeria geboren und aufgewachsen, beschreibt sich als „nicht-binäre trans und plurale Person“, und die Verlagsbiografie verwendet they.

Ada kommt in Nigeria zur Welt, wie das Buch sagt, mit einem Fuß auf der anderen Seite. Sie ist ein ogbanje, ein Geisterkind in der Kosmologie der Igbo, und die Geister, die sich ihren Körper mit ihr teilen, erzählen einen großen Teil der Geschichte als „wir“. Emezi stellt klar, dass Ada nicht besessen ist: Die Stimmen sind Seiten eines einzigen, pluralen Selbst.

Als Ada zum Studium in die USA geht, weckt ein traumatisches Erlebnis das wildeste dieser Selbste, das ihren Körper und ihre Entscheidungen übernimmt. Der Roman folgt dem Kampf um die Kontrolle zwischen Ada und den Wesen, die in ihr leben, und ihrer Suche nach einem Weg, ganz zu werden. Auf Spanisch erscheint er bei consonni unter dem Titel Agua dulce (2021), übersetzt von Arrate Hidalgo.

Warum es wichtig ist. Emezi nennt das Buch einen autobiografischen Roman, „nur einen Atemzug davon entfernt, ein Memoir zu sein“, und hat gesagt, dass westliche Vorstellungen von psychischer Gesundheit nicht weitergeholfen haben. Das Buch liest ein Leben, Geschlecht und Körper eingeschlossen, stattdessen durch die Kosmologie der Igbo, und das kann alle ansprechen, deren Selbstverständnis nie in die angebotenen Kategorien gepasst hat. 2019 kam Emezi damit als erste nicht-binäre trans Person auf die Longlist des Women's Prize for Fiction.

Gut zu wissen. Mehrere Rezensionen lesen das Buch vor allem als Geschichte über eine psychische Erkrankung, während Emezi es über die Spiritualität der Igbo deutet. Rechne also mit dieser Spannung in der Presse. Nach der Nominierung für die Longlist des Women's Prize sagte Emezi, keine Frau zu sein, und verzichtete 2020 darauf, künftige Bücher einzureichen, nachdem der Preis nach Emezis „gesetzlich definiertem Geschlecht“ gefragt hatte.

Inhaltshinweise: sexualisierte Gewalt, Selbstverletzung, gestörtes Essverhalten, starkes Trinken, ein Suizidversuch

Little Fish (2018, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Casey Plett, 2018 bei Arsenal Pulp Press in Kanada erschienen. Plett ist trans; sie begann 2010, kurz nach ihrer Transition, als Kolumnistin für McSweeney's über trans Leben zu schreiben.

Tiefster Winter in Winnipeg: Wendy Reimer, eine dreißigjährige trans Frau, hat das Gefühl, dass ihr Leben eingefroren ist. Nach dem Tod ihrer Großmutter erzählt ihr jemand aus dem entfernteren Bekanntenkreis der Familie, ihr Großvater, ein frommer mennonitischer Bauer, sei womöglich selbst transgender gewesen.

Zuerst tut Wendy das ab. Doch die folgenden Wochen bringen einen Schlag nach dem anderen, für ihren Job, ihre Wohnsituation und ihren Freundeskreis, und sie merkt, wie sehr sie verstehen will, wer er wirklich war und was die Kultur, die sie geprägt und verstoßen hat, ihnen beiden genommen hat.

Warum es wichtig ist. Es ist ein Roman über Freundschaften zwischen trans Frauen und über das alltägliche Überleben, von innen erzählt. Die Rezension in Quill & Quire hielt fest, dass Plett das Trans-Sein ins Zentrum stellt, statt es herunterzuspielen, und „eine lose zusammengehaltene trans Kultur“ würdigt. Meredith Russo sagte, sie habe sich von einem Buch noch nie so gesehen gefühlt. Der Erzählstrang um den Großvater fragt, wie Menschen lebten, bevor es Worte für sie gab. Der Roman gewann den Amazon Canada First Novel Award und einen Lambda Literary Award.

Gut zu wissen. Plett hat sich entschieden, nicht zu sagen, welche Teile des Romans aus ihrem eigenen Leben stammen. So wird die Geschichte als das gelesen, was sie selbst ist, und nicht als Geständnis. Die Wärme ist echt, aber es ist ein schweres, winterliches Buch.

Inhaltshinweise: ein Suizid, Sexarbeit, starkes Trinken, transfeindliche Aggression und Gewalt, Misgendern, Trauer

The Thirty Names of Night (2020, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Zeyn Joukhadar, einem syrisch-amerikanischen Autor, 2020 bei Atria Books (Simon & Schuster) in den USA erschienen. Joukhadar spricht von sich als „trans Person of Color“; die Biografie auf seiner eigenen Website verwendet sowohl he als auch they.

Fünf Jahre nachdem seine Mutter, eine Ornithologin, bei einem verdächtigen Brand ums Leben kam, hat ein ungeouteter syrisch-amerikanischer trans Junge in New York seinen Geburtsnamen abgelegt, aber noch keinen neuen gefunden. Er kümmert sich um seine Großmutter, meidet die Moschee in seinem Viertel, seine Schwester und seinen besten Freund, und der Geist seiner Mutter besucht ihn jeden Abend.

Frei fühlt er sich nur nachts, wenn er in dem alten Viertel von Manhattan, das einst Little Syria hieß, Wandbilder malt. Dort findet er das Tagebuch von Laila Z, einer syrisch-amerikanischen Künstlerin, die vor mehr als sechzig Jahren verschwand. Ihre Geschichte, neben seiner erzählt, bringt queere und trans Leben in seiner eigenen Community ans Licht, und einen seltenen Vogel, der mit der Vergangenheit seiner Mutter verbunden ist.

Warum es wichtig ist. Wer trans ist und aus einer arabischen Community kommt, findet hier etwas Seltenes: eine Geschichte, in der trans zu sein und zu einer syrisch-amerikanischen Familie und Nachbarschaft zu gehören Teil derselben Geschichte sind und keine Entscheidung zwischen beidem. Joukhadar hat gesagt, dass es in dem Roman zu großen Teilen um queere und trans Menschen geht, die darum kämpfen, sich selbst als heilig zu sehen. Er gewann 2021 den Stonewall Book Award und den Lambda Literary Award für Transgender Fiction.

Gut zu wissen. Der Verlagstext nennt den Erzähler einen trans Jungen und Kirkus einen trans Mann, während Joukhadar ihn als nicht-binäre Person beschreibt, die außerhalb jedes Rahmens existiert, der ihn für die cis Menschen um ihn herum lesbar machen würde. Das Buch hält beides aus. Es ist lyrisch und entfaltet sich langsam, statt von der Handlung angetrieben zu werden.

Inhaltshinweise: Trauer und der Tod eines Elternteils bei einem Brand, Homofeindlichkeit und andere Vorurteile, ein Leben ohne Coming-out, Leiden am eigenen Körper

Detransition, Baby (2021, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Torrey Peters, zuerst im Januar 2021 bei One World, einem Imprint von Penguin Random House, in den USA erschienen. Peters ist eine trans Frau; in einem Interview mit The Rumpus beschreibt sie das Komma im Titel als „eine schmerzhafte Messerschneide, auf der man als trans Frau balanciert“.

Reese ist eine trans Frau in ihren Dreißigern und hat sich mühsam erarbeitet, wovon frühere Generationen von trans Frauen, wie der Verlag schreibt, nur träumen konnten: ein gewöhnliches, bequemes Leben. Nur ein Kind fehlt ihr noch. Dann detransitionierte ihre Freundin Amy und wurde zu Ames, die Beziehung zerbrach, und Reese rutschte in ein selbstzerstörerisches Muster: Sie schlief mit verheirateten Männern.

Auch Ames ist nicht glücklich. Als seine Chefin und Geliebte Katrina, eine cis Frau, erfährt, dass sie von ihm schwanger ist, und nicht sicher ist, ob sie das Kind behalten will, fragt er sich, ob die drei das Baby gemeinsam großziehen könnten. Der Roman springt in der Zeit vor und zurück, um zu zeigen, wie es so weit kam. Auf Französisch erscheint er bei Libertalia unter dem Titel Detransition, Baby (2022), übersetzt von Lena Lambla-Kerveillant.

Warum es wichtig ist. In ihrer Besprechung für Vox nannte Emily St. James das Buch einen von einer Handvoll Romanen von trans Menschen bei einem großen Verlag und einen der ganz wenigen, die das Innenleben von trans Frauen beschreiben. Es ist mit Blick auf trans Lesende geschrieben: witzig, chaotisch und wenig schmeichelhaft, wenn es das sein will. Peters schreibt über trans Frauen derselben Generation, die einander großziehen und sich gegenseitig alles beibringen müssen, und sie erzählt eine Detransitionsgeschichte, ohne Ames zum Argument in einer Debatte zu machen.

Gut zu wissen. Als das Buch 2021 auf die Longlist des Women's Prize for Fiction kam, griff ein offener Brief im Internet Peters' Nominierung an; der Preis verurteilte den Angriff öffentlich, und viele Autorinnen und Autoren stellten sich hinter sie. Zum Buch selbst fand St. James, dass die Dialoge manchmal hölzern klingen und Katrina weniger ausgearbeitet ist als Reese und Ames.

Inhaltshinweise: Sex mit kontrollierenden und oft verheirateten Männern, Untreue, selbstzerstörerisches Verhalten, Transfeindlichkeit, eine ungeplante Schwangerschaft und die Frage, ob sie fortgesetzt wird

Light from Uncommon Stars (2021, Roman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Ryka Aoki, im September 2021 bei Tor Books (Macmillan) in den USA erschienen. Aoki ist trans und wuchs als Kind japanisch-amerikanischer Eltern im San Gabriel Valley in Südkalifornien auf.

Shizuka Satomi ist eine legendäre Geigenlehrerin, die für ihre Musik einen Handel mit der Hölle geschlossen hat: Sie muss sieben Seelen abliefern. Sechs hat sie schon abgeliefert. Katrina Nguyen, eine junge queere trans Ausreißerin, die sich das Geigenspiel selbst beigebracht hat und der die letzten Auswege ausgehen, könnte die siebte sein.

Dann lernt Shizuka Lan Tran kennen, eine ehemalige Raumschiffkapitänin und interstellare Geflüchtete, die mit ihrer Familie einen Donutladen betreibt. Der Roman spielt im asiatisch-amerikanisch geprägten San Gabriel Valley und verflicht Musik, Wahlfamilie, das Leben von Eingewanderten, Science-Fiction und eine langsame Liebesgeschichte zwischen Frauen.

Warum es wichtig ist. Der Roman nimmt Transfeindlichkeit ernst, ohne den Schmerz zur ganzen Geschichte zu machen. Die Rezensentin von Reactor beschreibt ihn als Liebesbrief an die Musik, an Communities von Eingewanderten und an trans Frauen of Color, besonders am Anfang ihrer Transition. Aoki sagte NBC News, hätte sie als junger Mensch ein solches Buch gehabt, „dann hätte ich Helden gehabt“. Und er ist schlicht ein warmherziger, eigenwilliger Roman, der Genres mischt, mit drei asiatisch-amerikanischen Frauen im Mittelpunkt.

Gut zu wissen. In Locus lobte Caren Gussoff Sumption die Frauenfiguren, fand die männlichen Figuren aber zweidimensional, bloße „Nicht-Frauen“, und hatte das Gefühl, das Buch werde für das, was auf dem Spiel steht, „viel zu süß“. Die Rezensentin von Reactor dagegen nannte es einen der besten spekulativen Romane, die sie gelesen habe.

Inhaltshinweise: transfeindliche und rassistische Gewalt, eine junge trans Figur, die zum Überleben vor der Webcam arbeitet, Handel mit Seelen und der Hölle

Memoirs und Essays

Leben, erzählt von den Menschen, die sie gelebt haben, und Essays, die mit der Welt streiten. Manche dieser Schreibenden sind berühmt, andere nicht. Gemeinsam ist ihnen, dass niemand sonst ihre Geschichte für sie erzählt.

Gender Outlaw (1994, Essays)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Kate Bornstein; zuerst in den USA bei Routledge erschienen, 2016 in einer überarbeiteten Ausgabe bei Vintage. Auf der eigenen Website beschreibt Bornstein mehr als dreißig Jahre Schreiben über das, „was wir heute nicht-binäres Geschlecht nennen“, also darüber, weder Mann noch Frau zu sein; die Verlagsbiografie verwendet she.

Teils Theorie, teils Autobiografie, teils Performance: Gender Outlaw vertritt die These, dass Geschlecht etwas ist, das Kultur hervorbringt, und keine natürliche Tatsache, die alle Menschen in zwei Sorten einteilt. Das Buch beginnt mit den Worten: „Ich weiß, dass ich kein Mann bin … und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich wahrscheinlich auch keine Frau bin.“ Von dort aus mischt Bornstein Kulturkritik, persönliche Geschichte, Dialoge und ein ganzes Theaterstück, Hidden: A Gender, und stellt mit viel Witz schwierige Fragen zu Identität, Orientierung und Begehren.

Warum es wichtig ist. Bornstein schrieb ein ganzes Buch von außerhalb der Binarität, Jahrzehnte bevor „nicht-binär“ ein gängiges Wort war, und zwar mit Humor statt mit Entschuldigungen. Wenn die meisten trans Texte, die du gelesen hast, vom Ankommen erzählen, dann erzählt dieser davon, sich der Wahl zu verweigern. Kirkus hielt fest, dass das Buch Debatten anstößt, ohne die Lesenden in die Defensive zu drängen.

Gut zu wissen. Es ist ein Buch von 1994; die Ausgabe von 2016 enthält eine neue Einleitung von Bornstein selbst. Bornstein hat bei manchen trans Menschen auch Wut ausgelöst, sowohl mit der Weigerung, sich als Mann oder als Frau zu identifizieren, als auch mit früheren Äußerungen über Räume nur für Frauen. Dafür entschuldigte sich Bornstein bei der Aktivistin Riki Wilchins, wie Jacqueline Rose in der London Review of Books (2016) schildert.

Inhaltshinweise: offene Gespräche über Sex und über Transition, Transfeindlichkeit

Whipping Girl (2007, Essays)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Julia Serano; in den USA bei Seal Press erschienen, mit einer zweiten Auflage 2016 und einer dritten 2024. Serano, Biologin, Autorin und Musikerin, schreibt aus ihrer eigenen Erfahrung als trans Frau, wie der Untertitel sagt.

Eine Essaysammlung, die zeigt, dass die Feindseligkeit gegenüber trans Frauen nicht nur in Transfeindlichkeit wurzelt, sondern auch in Sexismus und in einer Kultur, die Weiblichkeit selbst als minderwertig behandelt. Serano verbindet eigene Erfahrungen mit Forschung und nimmt sich die Klischees der Medien über trans Frauen vor, die Debatte Biologie gegen Sozialisation und den Ausschluss von trans Frauen aus Teilen der feministischen Bewegung. Das Buch hat vielen Lesenden neue Begriffe gegeben, darunter Transmisogynie. Seranos Website nennt eine französische Übersetzung, Manifeste d'une femme trans et autres textes (Éditions Cambourakis, 2020), übersetzt von Noémie Grunenwald.

Warum es wichtig ist. Wenn du das Gefühl hattest, dass die Verachtung, die dich trifft, genauso mit Weiblichkeit zu tun hat wie mit dem Trans-Sein, erklärt dir dieses Buch, warum. Serano hat gesagt, sie habe das Buch geschrieben, das sie sich als Teenager gewünscht hätte. Es wird oft als Einführung in trans Themen gelehrt, und es behandelt Weiblichkeit, egal bei wem, als etwas, das Verteidigung verdient statt Entschuldigung.

Gut zu wissen. Publishers Weekly fand den Text „stellenweise schwer zugänglich“. 2016 sagte Serano BuzzFeed News, sie habe als weiße trans Person aus der Mittelschicht ohne Behinderung geschrieben, und das Buch decke die Erfahrungen stärker marginalisierter trans Menschen nicht ab. Die dritte Auflage behält denselben Text bei, mit einigen klärenden Änderungen und einem neuen Nachwort.

Inhaltshinweise: transfeindliche und sexistische Klischees in den Medien, Auseinandersetzung mit Sexualität

Redefining Realness (2014, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Janet Mock; zuerst in den USA bei Atria Books (Simon & Schuster) erschienen. Mock beschreibt sich auf ihrer eigenen Website als trans Frau of Color und stellt das Buch als erstes Memoir einer jungen trans Frau vor.

Janet Mocks erstes Memoir ist eine Coming-of-Age-Geschichte über das, was ihre Website ihre „unkonventionelle Mädchenzeit in Honolulu, Dallas und Oakland“ nennt. Sie schreibt über Familie, Schule, Mobbing, erste Lieben, Geld und die Zeit, in der sie auf den Straßen von Honolulu Sexarbeit machte, und über die Frauen um sie herum, die ihr zeigten, wie man überlebt. Immer wieder tritt sie einen Schritt aus ihrer eigenen Geschichte heraus, um sie mit der Lage von trans Frauen of Color in den USA insgesamt zu verbinden.

Warum es wichtig ist. Publishers Weekly hob den „politischen Biss“ des Buchs hervor: Mock verweigert die unpolitische Form, die trans Memoirs oft hatten, und nutzt ihr Leben, um über Rassismus, Klasse und Überleben zu sprechen. Wenn du eine trans Frau of Color bist oder ohne Geld und ohne Sicherheitsnetz aufgewachsen bist, stellt dieses Buch ein Leben wie deines in den Mittelpunkt statt in eine Fußnote. Es stieg direkt auf der Bestsellerliste der New York Times ein.

Gut zu wissen. Publishers Weekly fand, dass die Prosa der ersten Kapitel „nicht recht sitzt“, auch wenn das Buch im Verlauf sicherer wird. In der Fachzeitschrift Souls (2016) argumentierte Julian Kevon Glover, dass die mediale Aufmerksamkeit für Mock und Laverne Cox zum Teil auf sogenannter Respectability Politics beruht, auf Kosten von trans Frauen of Color, deren Geschichten anders aussehen. Mock ließ ein zweites Memoir folgen, Surpassing Certainty (2017).

Inhaltshinweise: sexualisierte Gewalt, Mobbing, Missbrauch, Sexarbeit

Trans Like Me (2017, Essays)

Wer dahintersteht: Geschrieben von CN Lester; zuerst in Großbritannien bei Virago erschienen (mit dem Untertitel A Journey for All of Us), dann 2018 in den USA bei Seal Press (mit dem Untertitel Conversations for All of Us). Lester ist britisch und trans, aktivistisch, wissenschaftlich und musikalisch tätig und verwendet die Pronomen they/them; ein Interview mit PinkNews von 2011 stellte Lester als genderqueer vor, und die New York Times schrieb, Lester identifiziere sich als nicht-binär.

Eine Essaysammlung, die sich die lautesten öffentlichen Erzählungen über trans Menschen vornimmt und sie auf links dreht: wie die Medien ihre Berichte formulieren, wie die Erziehung geschlechtsvarianter Kinder dargestellt wird, was feministische und LGBTQ-Bewegungen aus trans Menschen gemacht haben und woher das Pronomen „they“ stammt (Lester findet es schon bei Shakespeare). Durch jedes Thema zieht sich Lesters eigene Erfahrung, dem eigenen Geschlecht auf die Spur zu kommen.

Warum es wichtig ist. Hier schreibt eine britische nicht-binäre Person ruhig und gut recherchiert über die Debatten: nützlich für dein eigenes Nachdenken und für die Menschen um dich herum, die immer wieder dieselben Fragen stellen. Juliet Jacques lobte, wie das Buch Mythen über trans Menschen und Politik „klar und ruhig“ auseinandernimmt, und Susan Stryker nannte es einen Leitfaden aus der Innensicht für alle, die sich noch nicht auskennen.

Gut zu wissen. Es entstand Mitte der 2010er-Jahre und setzt sich mit den Debatten jener Zeit auseinander (darunter die Berichterstattung über Caitlyn Jenner), die Beispiele stammen also aus dieser Zeit.

Amateur (2018, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Thomas Page McBee; in den USA bei Scribner und in Großbritannien bei Canongate erschienen. McBee ist ein trans Mann: Seine eigene Website hält fest, dass er während der Recherche für das Buch als erster Transgender-Mann einen Kampf im Madison Square Garden bestritt.

Nach seiner Transition bemerkte Thomas Page McBee, wie anders die Welt ihn als Mann behandelte und wie oft Männer sich offenbar mit ihm prügeln wollten. Also fing er mit dem Boxen an. Das Buch begleitet monatelanges Training in Boxstudios in Manhattan bis zu einem Benefizkampf im Madison Square Garden 2015 und nutzt dieses Training, um zu fragen, warum Männlichkeit und Gewalt in Amerika so eng miteinander verflochten sind. Unterwegs spricht er mit Forschenden darüber, wie Jungen lernen, Männer zu sein, und betrachtet schonungslos seine eigenen neuen Gewohnheiten, von der Art, wie seine Stimme heute eine Besprechung zum Schweigen bringt, bis zur Wut, die er in seinen Fäusten aufsteigen spürt.

Warum es wichtig ist. Das Thema ist die Männlichkeit selbst, nicht nur sein eigener Weg dorthin. McBee ist ehrlich darüber, was sich änderte, als Fremde ihn als Mann zu lesen begannen, einschließlich der unverdienten Annahme, er sei kompetent, und darüber, dass er nicht die Art Mann werden wollte, vor der er sich gefürchtet hatte. Er sagt es so: „Ich wollte kein richtiger Mann werden … Ich kämpfte für etwas Besseres.“ Das Buch stand auf der Shortlist für den Baillie Gifford Prize und den Wellcome Book Prize.

Gut zu wissen. In The New Republic fand Jo Livingstone, dass die Herangehensweise als Reporter dem Buch „einen schweren Beigeschmack von Schlussfolgerung“ gibt, und äußerte die Sorge, diese Art trans Memoir laufe Gefahr, Trans-Sein als etwas zu behandeln, das man cis Lesenden erklären muss. Zugleich rechnete Livingstone es McBee an, diesen anthropologischen Blick stattdessen auf die Männlichkeit zu richten.

Inhaltshinweise: Boxen und Gewalt auf der Straße, Erwähnungen von Missbrauch in der Kindheit, Outing ohne Einwilligung

I'm Afraid of Men (2018, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Vivek Shraya; in Kanada bei Penguin Canada erschienen. Shraya ist eine südasiatisch-kanadische trans Künstlerin, die in Musik, Literatur, bildender Kunst und Film arbeitet; ihre Verlagsbiografie verwendet she.

Ein sehr kurzes Buch aus autobiografischen Texten darüber, wie Shraya als Kind Männlichkeit aufgezwungen wurde und was das mit ihr gemacht hat. Sie geht durch Jugend und Erwachsenenalter: die Belästigungen, der Druck, sich anzupassen, und wie sie lernte, sich zu tarnen, indem sie veränderte, wie sie ging, sich kleidete und sich in der Öffentlichkeit verhielt. Das Buch zeichnet ihren Weg „von der Tarnung zu einem Farbenrausch“ nach und fragt, wie wir uns Geschlecht, und das, was Männer voneinander erwarten, anders vorstellen könnten.

Warum es wichtig ist. Es benennt eine Angst, die viele trans Frauen und Femmes mit sich tragen und selten aufgeschrieben sehen, und zeichnet nach, wo diese Angst gelernt wurde. Kirkus nannte es „ein Buch, das man bei sich tragen sollte“, und merkte an, wie selten die Perspektive einer trans Frau of Color in diesen Gesprächen Raum bekommt. Es stand 2019 unter den Finalisten des Lambda Literary Award.

Gut zu wissen. Es hat weniger als 100 Seiten: eine Reihe scharf gezeichneter Erinnerungen und Überlegungen, kein vollständiges Memoir und keine Studie über Männlichkeit.

Inhaltshinweise: Belästigung, Frauenfeindlichkeit, Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit

Sissy (2019, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Jacob Tobia; in den USA bei G.P. Putnam's Sons erschienen. Die Verlagsbiografie beschreibt Tobia als geschlechtlich nonkonforme Person aus Raleigh, North Carolina, die schreibt, produziert und auftritt und die Pronomen they/them verwendet.

Jacob Tobia wuchs in North Carolina auf und wollte Barbies und Käfer zugleich, in einem Haushalt, der wenig Raum ließ für eine Weiblichkeit, die, wie Tobia schreibt, genauso selbstverständlich kam wie die eigene Männlichkeit. Das Buch folgt Tobia vom Kindergarten, wo Geschlechterregeln streng überwacht wurden, über die Kirche (der Handglockenchor war einer der wenigen Orte, an denen Tobia aus sich herausgehen konnte) und Freundschaften an der Highschool bis zur Duke University, wo Tobia begann, die eigene Weiblichkeit offen für sich zu beanspruchen. Danach geht es weiter in den Aktivismus, zu den Vereinten Nationen und ins Weiße Haus, und schmerzhafte Erinnerungen stehen neben vielen Witzen.

Warum es wichtig ist. Wenn du nie in eine der beiden Schubladen gepasst hast und das früh zu hören bekamst, schreibt Tobia für dich. Kirkus beschrieb das Buch als Coming-of-Gender-Geschichte über eine trans Identität, die sich nicht in die Binarität einsperren lässt. Es nimmt sich auch viel Zeit für Glaube und Familie, darunter Tobias Beziehung zu den Eltern und zu der Kirche, in der Tobia aufgewachsen ist.

Gut zu wissen. Kirkus nannte das Buch witzig und intelligent, schrieb aber, Tobia übertreibe es „manchmal mit dem Selbstlob und der Bissigkeit“.

Inhaltshinweise: Mobbing, Überwachung von Geschlechterrollen in der Kindheit, Ablehnung durch eine Kirchengemeinde

Beyond the Gender Binary (2020, Essays)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Alok Vaid-Menon, illustriert von Ashley Lukashevsky; in den USA bei Penguin Workshop in der Reihe Pocket Change Collective erschienen. Alok verwendet die Pronomen they/them und wird als geschlechtlich nonkonforme südasiatisch-amerikanische Person beschrieben, die schreibt, auftritt und Vorträge hält.

Ein kurzes Buch im Taschenformat mit einem klaren Argument: Geschlecht ist „eine Geschichte, nicht nur ein Wort“, eine flexible und kreative Form des Ausdrucks statt zweier fester Schubladen. Ausgehend von eigenen Erfahrungen nimmt Alok die gesellschaftlichen Definitionen auseinander, die bestimmen, wie Menschen aussehen und leben dürfen, und bittet die Lesenden, Geschlecht „nicht in Schwarz-Weiß, sondern in allen Farben“ zu sehen. Es ist ebenso sehr ein Aufruf zum Selbstausdruck und zu einer Liebe, die mehr Menschen einschließt, wie ein Argument.

Warum es wichtig ist. Du kannst es in einer Stunde lesen, und genau darum geht es: Es ist eine ruhige, klare Antwort auf Fragen, die nicht-binäre und geschlechtlich nonkonforme Menschen ständig gestellt bekommen, und man kann es leicht an andere weitergeben. Alok hat gesagt, dass Menschen geschlechtlich nonkonforme Menschen akzeptieren, „solange wir sie unterhalten“. Dieses Buch verlangt stattdessen, ernst genommen zu werden.

Gut zu wissen. Es hat 64 Seiten und ist für Lesende ab 12 Jahren herausgegeben. Es eignet sich also am besten als Einstieg oder als Geschenk, weniger zur Vertiefung.

Faltas (2022, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Cecilia Gentili; der erste Titel von LittlePuss Press, einem kleinen US-Verlag. Gentili, die sich selbst als trans Frau bezeichnete, wuchs in Argentinien auf und setzte sich in New York als prominente Fürsprecherin für trans Menschen, Menschen in der Sexarbeit und Eingewanderte ohne Papiere ein. Sie starb im Februar 2024.

Faltas erzählt von Gentilis ersten siebzehn Lebensjahren in Gálvez, einer kleinen Stadt in der argentinischen Provinz Santa Fe. Das Buch besteht aus acht Briefen, jeder an jemanden, der diese Jahre geprägt hat: an ihre Mutter, ihre Großmutter, die Geliebte ihres Vaters, eine Person, mit der sie als Kind befreundet war, die Hebamme des Ortes und sogar an die Tochter des Mannes, der sie missbrauchte. Durch die Briefe zieht sich die Geschichte, wie ein älterer Mann aus dem Ort sie durch Kindheit und Jugend hindurch mit Grooming gefügig machte und missbrauchte, und die Geschichte eines Heimatorts, der davon wusste und es nicht beendete. Der Titel ist das spanische Wort für Fehler und kommt von einem Verb, das „fehlen“ bedeutet.

Warum es wichtig ist. Gentili weigert sich, in ihrer eigenen Geschichte nur Opfer zu sein. Die Briefe sind witzig, scharf und moralisch vielschichtig, und sie sagte, sie habe „das Gefühl gewollt, dass alles gleichzeitig geschieht“: Schmerz, Freude, Komik und Liebe nebeneinander. Das Buch gewann bei den Stonewall Book Awards 2023 der American Library Association den Israel Fishman Nonfiction Award.

Gut zu wissen. Das ist ein schweres Buch: Der Missbrauch steht im Zentrum, und Gentili spricht offen über Sex und darüber, wie widersprüchlich ihre Gefühle waren. Sie starb im Februar 2024, etwa sechzehn Monate nach dem Erscheinen des Buchs.

Inhaltshinweise: sexueller Missbrauch von Kindern und Grooming, Vergewaltigung, Transfeindlichkeit, Colorism, explizite sexuelle Inhalte

Pageboy (2023, Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Elliot Page; in den USA bei Flatiron Books erschienen. Page ist Schauspieler und Produzent und outete sich 2020 als trans mit den Worten: „Ich bin trans, meine Pronomen sind he/they.“

Elliot Page blickt zurück auf das Aufwachsen zwischen geschiedenen Eltern, auf die Arbeit als Schauspieler seit dem neunten Lebensjahr und darauf, wie er nach Juno berühmt wurde, während er verbarg, wer er war. Das Buch ist bewusst nicht linear aufgebaut, „weil Queerness von Natur aus nicht linear ist“, und springt zwischen Erinnerungen hin und her: Partys als Teenager, Schwärmereien, Spannungen in der Familie, Beziehungen, Filmsets und die Presse. Im Mittelpunkt steht weniger Promiklatsch als die Frage, was es ihn gekostet hat, aufzuwachsen und berühmt zu werden, während er sein wahres Selbst unterdrückte.

Warum es wichtig ist. Es ist das Memoir eines trans Mannes, der enorm bekannt ist, und es glättet sein Leben nicht für ein breites Publikum. Page spricht offen über Scham, die Jahre, in denen er sich versteckte, und eine Kolumne, die genau in dem Moment Andeutungen über seine Sexualität machte, als Juno ihn berühmt machte. Kirkus merkt an, dass Page weiß, dass nicht alle, die transitionieren wollen, seine Mittel haben, und dass er das Buch geschrieben hat, weil Repräsentation zählt.

Gut zu wissen. Die Kritiken fielen gemischt aus. In einer AP-Rezension, die in der San Diego Union-Tribune erschien, schrieb Donna Edwards, das Buch werde „dem Hype nicht gerecht“, fand aber, dass gerade das den Menschen dahinter nahbar macht. Kirkus rät allen, die eine Hollywood-Enthüllung suchen, sich anderswo umzusehen: Viele Personen bleiben ungenannt.

Inhaltshinweise: sexualisierte Gewalt, Mobbing, Übergriffe durch Familie und Gleichaltrige, homofeindliche Beleidigungen und Beschimpfungen, Selbstverletzung, gestörtes Essverhalten, Stalking

Geschichte und Sachbuch

Bücher über trans Geschichte, Politik und Kultur, geschrieben von trans und nicht-binären Menschen. Keines davon ist ein medizinisches Buch, und auch unsere Zusammenfassungen halten sich von Medizin fern.

Transgender Warriors (1996, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Leslie Feinberg, die auch den Roman Stone Butch Blues schrieb; in den USA bei Beacon Press erschienen. In einem Interview von 2006 sagte Feinberg: „Ich bin eine Butch-Lesbe, eine Transgender-Lesbe.“ Feinberg starb 2014.

Feinberg wollte zeigen, dass es Menschen, die die Grenzen von körperlichem und sozialem Geschlecht überschritten, schon immer gegeben hat, und sammelte dafür Geschichten aus vielen Jahrhunderten und Weltgegenden, darunter die von Jeanne d'Arc, deren Hinrichtung Feinberg damit in Verbindung bringt, dass sie Männerkleidung trug. Diese Geschichte ist in Feinbergs eigener Erfahrung verankert, außerhalb von Geschlechternormen zu leben, und das Buch enthält Porträts heutiger trans Menschen, die in eigenen Worten sprechen, darunter Schreibende, Kunstschaffende, Menschen aus der Geschichtsforschung und aus dem Bodybuilding.

Warum es wichtig ist. Kirkus nannte es 1996 „ein dringend benötigtes Projekt“. Feinberg verwendet „transgender“ für „alle, die die Grenzen von körperlichem und sozialem Geschlecht infrage stellen“, und so gehören Butches, Drag Queens und Menschen, die nie ein Wort für sich hatten, alle in dieselbe Geschichte. Das Buch kommt nicht aus der Wissenschaft, sondern aus dem Aktivismus der Arbeiterklasse, und seine politische Haltung steht klar im Vordergrund.

Gut zu wissen. Kirkus fand es gut lesbar, aber beschwert von Wiederholungen und „übertriebener Polemik“, und meinte, es sehe nur Unterdrückung und übersehe das Spielerische an Geschlecht. Frühe Ankündigungen vor dem Erscheinen gaben als Ende des Untertitels „to RuPaul“ an; der veröffentlichte Titel endet mit „to Dennis Rodman“.

Inhaltshinweise: historische Verfolgung und Hinrichtungen, Gewalt und Belästigung in Feinbergs eigenem Leben

Transgender History (2008, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Susan Stryker; in den USA bei Seal Press erschienen, mit einer überarbeiteten zweiten Auflage 2017 und einer dritten Auflage 2026. Stryker ist Historikerin und Gründungsmitherausgeberin von TSQ: Transgender Studies Quarterly; The Advocate beschrieb sie als „selbst eine Transgender-Wissenschaftlerin“.

Eine kompakte Geschichte des trans Lebens in den USA seit dem 19. Jahrhundert, auch ganz ohne Vorwissen lesbar. Stryker geht die wichtigsten Bewegungen, Schriften und Ereignisse durch, erklärt zentrale Begriffe in Infokästen und ergänzt kurze Biografien von trans Pionierinnen und Pionieren. Ein roter Faden zieht sich hindurch: Auf Phasen wachsender Akzeptanz, in den 1960er-Jahren und erneut in den 2010er-Jahren, antworteten jedes Mal Wellen von Gegenreaktionen. Die dritte Auflage von 2026 wurde überarbeitet und enthält eine längere, globale Geschichte sowie eine Darstellung der jüngsten transfeindlichen Gegenreaktion.

Warum es wichtig ist. Es ist trans Geschichte, geschrieben von einer trans Historikerin, und die Kernbotschaft ist einfach: Trans Menschen waren schon immer da, haben Communities aufgebaut und für ihre Freiheit gekämpft. Das Muster, das es nachzeichnet, Gegenreaktionen als Folge von Sichtbarkeit, ist eine nützliche Landkarte, um die Gegenwart zu verstehen. Laverne Cox lobt die neue Ausgabe und nennt sie „einen Prüfstein“.

Gut zu wissen. Es ist US-Geschichte. Tracie O'Keefe merkte in einer Besprechung der ersten Auflage in Polare (2008) an, dass das Buch nicht auf die trans Geschichte der Native Americans eingeht, und kritisierte, dass „transgender“ als Oberbegriff für alle geschlechtlich vielfältigen Menschen verwendet wird. Die längere globale Geschichte der dritten Auflage greift manches davon vielleicht auf; wir haben die Auflagen nicht verglichen.

Inhaltshinweise: historische Diskriminierung, Schikanen durch die Polizei und transfeindliche Gewalt, politische Gegenreaktionen

Trap Door (2017, Anthologie)

Wer dahintersteht: Herausgegeben von Tourmaline, Eric A. Stanley und Johanna Burton; in den USA bei MIT Press in der Reihe Critical Anthologies in Art and Culture erschienen. Tourmaline ist Künstlerin, Filmemacherin und Aktivistin, deren Arbeit Schwarze trans Erfahrungen ins Zentrum stellt; Them porträtierte sie als Schwarze trans Frau.

Eine Anthologie aus Essays, Gesprächen und Archivrecherchen, die um ein Paradox herum gebaut ist. Wie die Herausgebenden schreiben, wird die Sichtbarkeit von trans Menschen „als Zeichen einer liberalen Gesellschaft gepriesen“, und doch kam sie zusammen mit verschärfter Gewalt gegen trans Menschen. Sichtbarkeit wird oft nur denen gewährt, die sich den herrschenden Normen anpassen, und das Buch fragt, ob diese Öffnungen Türen sind oder Fallen. Beitragende wie Miss Major Griffin-Gracy, CeCe McDonald, Juliana Huxtable, micha cárdenas, Dean Spade und Wu Tsang schreiben über Schönheit, Performance, Aktivismus und institutionelle Gewalt.

Warum es wichtig ist. Wenn du das Gefühl hattest, dass mehr Sichtbarkeit dich nicht sicherer gemacht hat, gibt dieses Buch diesem Gefühl eine Geschichte und Argumente. Es stellt Kunstschaffende, politisch Organisierende und Forschende nebeneinander, darunter Veteraninnen und Veteranen der Bewegung wie Miss Major Griffin-Gracy.

Gut zu wissen. Es ist eine Anthologie zu Kunst und Theorie, deshalb unterscheiden sich Stimmen und Tonlagen stark, und manche Essays sind akademisch. Manche Ausgaben und Verzeichnisse führen Tourmaline unter einem früheren Namen.

Inhaltshinweise: transfeindliche Gewalt, Polizei und Haft

The Transgender Issue (Die Transgender-Frage) (2021, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Shon Faye; zuerst in Großbritannien bei Allen Lane (Penguin) erschienen, mit einer US-Ausgabe bei Verso. Faye ist Autorin aus Bristol und ehemalige Anwältin; laut The Guardian hat sie das Buch bewusst nicht zu einem Memoir über ihre eigene Erfahrung als trans Frau gemacht.

Faye nimmt die Formulierung, die trans Menschen zum Streitthema eines Kulturkampfs macht, und eignet sie sich wieder an. Statt einer „Debatte“ über trans Menschen betrachtet sie die realen Probleme, mit denen trans Menschen in Großbritannien in allen Lebensphasen zu tun haben: Arbeit, Familie, Wohnen, Gesundheitsversorgung, das Gefängnissystem und ihren Platz in LGBTQ+- und feministischen Communities. Ihr Argument lautet, dass die Befreiung von trans Menschen untrennbar mit Gerechtigkeit und Solidarität für alle marginalisierten Menschen verbunden ist. Auf Deutsch ist es als Die Transgender-Frage: Ein Aufruf zu mehr Gerechtigkeit (hanserblau, 2022) erschienen, übersetzt von Jayrôme Robinet und Claudia Voit.

Warum es wichtig ist. Es lenkt das Gespräch weg von Zeitungskolumnen und Talkshows hin zu Armut, Wohnen und Gefängnissen, wo die tatsächlichen Probleme vieler trans Menschen liegen. Fiona Sturges hatte im Guardian Wut erwartet und fand stattdessen „eine kühle Demontage der Mythen und Unwahrheiten“. Wenn du es leid bist, für deine Existenz zu argumentieren, hast du damit eine klare, gut begründete Darstellung, auf die du verweisen kannst.

Gut zu wissen. Faye tritt für Befreiung und eine veränderte Gesellschaft ein, nicht nur für Rechte. Sturges (The Guardian) hielt ihre Forderung, Gefängnisse und Polizei abzuschaffen, für unrealistisch, und Sophie McBain (New Statesman) fand ihre kompromisslose Politik stellenweise „kontraproduktiv“, nannte das Buch aber zugleich „ein belebendes und unverzichtbares Korrektiv“ zu den gängigen Texten über trans Rechte.

Inhaltshinweise: transfeindliche Berichterstattung, Suizid, Gewalt und sexueller Missbrauch gegen trans Menschen, Armut

Before We Were Trans (2022, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Kit Heyam; 2022 in Großbritannien bei Hachette und in den USA bei Seal Press erschienen. Heyam beschreibt sich als „nicht-binäre trans Person (they/them oder he/him)“ und ist in Leeds in der Geschichtsforschung und als Autor tätig.

Eine globale Geschichte von Menschen von der Antike bis heute, deren Erleben von Geschlecht sich den Kategorien Mann und Frau entzog. Heyam nimmt bewusst Menschen auf, die nicht in moderne oder westliche trans Kategorien passen, vom König von Ndongo bis zum Public Universal Friend, und zeigt an ihren Geschichten, dass immer schon definiert, umkämpft und neu definiert wurde, was als Mann, als Frau oder überhaupt als Geschlecht gilt. Es ist auch ein Buch darüber, wie man Geschichte menschlicher, ethischer und mit Aufmerksamkeit für Rassismus schreiben kann.

Warum es wichtig ist. Populäre trans Geschichtsschreibung sucht oft nach Menschen, die modernen binären trans Männern und Frauen ähneln. Heyam greift auf die eigene Erfahrung mit Transition und Nicht-Binarität zurück und weitet den Rahmen, und das zählt, wenn dein Geschlecht nie in eine saubere Vorher-nachher-Geschichte gepasst hat. Die New York Times Book Review nannte das Buch „scharfsinnig, selbstreflektiert und fesselnd“. Es war für einen Lambda Literary Award nominiert.

Gut zu wissen. Heyam achtet darauf, Menschen aus der Vergangenheit keine modernen Etiketten aufzudrücken. Wenn du also eine einfache Liste von trans Menschen in der Geschichte suchst, fallen die Antworten hier weniger ordentlich aus. Genau diese Sorgfalt ist der Sinn des Buchs.

A Short History of Trans Misogyny (2024, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Jules Gill-Peterson; bei Verso erschienen. Gill-Peterson ist Historikerin des trans Lebens (ihr früheres Buch heißt Histories of the Transgender Child) und hat über die Belästigungen gesprochen, die sie erlebt, „weil sie eine trans Frau ist“.

Gill-Petersons Ausgangspunkt ist, dass die Panik um trans Menschen nicht schon immer da war: Sie wurde erfunden. Ihre kurze Geschichte reist von New York, London und Paris in die kolonialen Bezirke Britisch-Indiens, auf die Philippinen und nach Hawai'i und zeichnet nach, wie Transmisogynie durch imperiale Staatskunst entstand, in der Überwachung des öffentlichen Raums und in der Kriminalisierung. Sie definiert sie als die Sexualisierung von Weiblichkeit als männlich, um sie für bedrohlich zu erklären und Vergeltung zu rechtfertigen.

Warum es wichtig ist. Viele trans Frauen wissen, dass die Feindseligkeit, die sie trifft, nicht ganz dasselbe ist wie Transfeindlichkeit im Allgemeinen, finden aber kein Wort dafür. Gill-Peterson sagt, sie habe das Buch geschrieben, weil der Pauschalbegriff „Transfeindlichkeit“ die Aggression gegen sie nicht erfasste. Es hilft zu verstehen, warum sich transfeindliche Politik so auf trans Frauen im Sport und auf Toiletten fixiert, als gäbe es keine trans Männer, und stellt das in eine lange, globale Geschichte.

Gut zu wissen. In einem Text für das Center for a Stateless Society (2024) argumentierte Julianna Neuhouser, das Buch behandle Lateinamerika dünn und orientalistisch, unterschätze die Probleme transfemininer Menschen außerhalb des imperialen Zentrums und idealisiere zugleich ihr Leben.

Inhaltshinweise: koloniale Gewalt, Polizei und Kriminalisierung, Morde an trans Frauen

Jugendbücher

Für Jugendliche geschrieben und von vielen Erwachsenen gelesen, die in dem Alter nie solche Bücher hatten. In den meisten steht eine trans oder nicht-binäre jugendliche Hauptfigur im Mittelpunkt, und mehrere sind in erster Linie Liebesgeschichten oder Abenteuerromane.

If I Was Your Girl (2016, Jugendroman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Meredith Russo, im Mai 2016 bei Flatiron Books (Macmillan) in den USA erschienen. Russo ist eine trans Frau aus Chattanooga, Tennessee, und sagt, sie habe gerade erst mit ihrer eigenen Transition begonnen, als sie mit dem Buch anfing.

Nachdem sie einen brutalen Angriff überlebt hat, zieht Amanda zu ihrem Vater in eine neue Stadt in Tennessee, um das letzte Schuljahr dort zu beginnen, wo niemand sie kennt. Ihr Plan ist einfach: konzentriert bleiben und das Jahr hinter sich bringen.

Dann lernt sie Grant kennen, der freundlich und attraktiv ist, und verliebt sich in ihn. Je näher sie sich kommen, desto schwerer wiegt ihr Geheimnis: dass sie trans ist und keine Ahnung hat, wie er oder die Stadt reagieren würden, wenn sie es wüssten.

Warum es wichtig ist. Russo wollte das Buch schreiben, das sie als Teenager gebraucht hätte. Kirkus nannte es die Geschichte, auf die viele trans Jugendliche und Erwachsene gewartet haben: eine liebenswerte, glaubwürdige Liebesgeschichte, die weder in kitschige Perfektion noch in grausame Tragik kippt. Russo schrieb außerdem ein Nachwort, das sich getrennt an cis und an trans Lesende wendet. Das Buch gewann einen Stonewall Book Award.

Gut zu wissen. Amanda ist als Figur geschrieben, der das Passing mühelos gelingt; eine Freundin im Buch sagt, sie habe „in der genetischen Lotterie gewonnen“. Russo sagte, sie habe ein paar Dinge anpassen müssen, damit der Roman für ein breites Publikum funktioniert, und habe das in ihrem Nachwort angesprochen, und Kirkus merkt an, dass das Buch auch die Erwartung hinterfragt, trans Menschen müssten auf eine bestimmte Weise aussehen.

Inhaltshinweise: ein zurückliegender gewaltsamer Angriff, Angst vor einem Outing, Transfeindlichkeit, psychische Erkrankung

Dreadnought (2017, Jugendroman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von April Daniels, im Januar 2017 bei Diversion Books in den USA erschienen, der erste Band ihrer Nemesis-Reihe. Daniels ist trans. Sie hat gesagt: „Ich war früher im Jahr gefeuert worden, weil ich trans bin“, und das Buch wurde als Own-Voices-Roman über trans Menschen beworben.

Danny Tozer ist fünfzehn, trans und vor niemandem geoutet. Sie lackiert sich gerade in einer Gasse hinter einem Einkaufszentrum die Fußnägel, als Dreadnought, der größte Superheld der Welt, vor ihren Augen stirbt und seine Kräfte an sie weitergibt.

Mit diesem Erbe verwandelt sich ihr Körper in den, von dem sie immer wusste, dass er ihrer ist, und so lässt sich nicht mehr verbergen, dass sie ein Mädchen ist. Jetzt muss sie mit der Politik unter Superhelden klarkommen, mit einem Vater, der besessen davon ist, sie zu „heilen“, mit einem besten Freund, der plötzlich meint, ein Recht darauf zu haben, mit ihr zusammen zu sein, und mit dem Cyborg, der Dreadnought getötet hat.

Warum es wichtig ist. Es ist eine richtige Superheldengeschichte, mit Fliegen, Kämpfen und viel, was auf dem Spiel steht, und die Hauptfigur ist eben ein trans Mädchen. Das Buch greift auch Dinge auf, die trans Lesende gut kennen: emotionalen Missbrauch durch ein Elternteil, den Sexismus, der kommt, sobald die Welt dich als Mädchen behandelt, und eine Heldenkollegin, die eine fanatische Transfeindin ist. Leila Roy von Kirkus nannte es rundum fantastisch.

Gut zu wissen. Daniels sagte, ihre transfeindliche Schurkin Graywytch habe zuerst fast nur in echten Zitaten aus dem transfeindlichen Aktivismus gesprochen, und selbst nachdem sie die Figur abgeschwächt habe, hätten einige frühe Rezensionen sie unglaubwürdig gefunden. Roy fand die Szenen mit Dannys Vater „entsetzlich und schmerzhaft“.

Inhaltshinweise: emotionaler Missbrauch durch ein Elternteil, fanatische Transfeindlichkeit, Sexismus und Belästigung auf der Straße, ein Freund, der sie romantisch unter Druck setzt, Gewalt unter Superhelden

I Wish You All the Best (2019, Jugendroman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Mason Deaver, im Mai 2019 bei PUSH, einem Imprint von Scholastic, in den USA erschienen. Deaver ist nicht-binär und verwendet, wie Ben, die Hauptfigur des Buchs, ausschließlich die Pronomen they/them.

Ben De Backer ist achtzehn und lebt in North Carolina. Als Ben sich bei den Eltern als nicht-binär outet, werfen die Eltern Ben aus dem Haus.

Bens ältere Schwester Hannah, mit der Ben seit mehr als zehn Jahren nicht gesprochen hat, nimmt Ben zusammen mit ihrem Mann Thomas auf. Ben beginnt ein neues Leben an einer neuen Schule, fängt eine Therapie an und versucht, genug Selbstvertrauen zu finden, um Menschen wieder zu vertrauen, während aus der Freundschaft mit einem Mitschüler, Nathan, langsam mehr wird.

Warum es wichtig ist. Als das Buch erschien, beschrieb das Magazin Bitch Ben als eine der ersten nicht-binären Hauptfiguren im Jugendbuch. Das Buch bleibt bei den praktischen Folgen von Coming-out und Ablehnung: eine Bleibe, Therapie, Angst, die Entscheidung, wem man es als Nächstes sagt. Kirkus fand die Darstellung von Bens Weg zur Selbstakzeptanz realistisch.

Gut zu wissen. 2019 sagte Deaver, manche Lesende würden für Ben weiterhin he/him verwenden und das Buch sei auf Listen mit Büchern über schwule Männer gelandet, was Deaver frustriert habe. Kirkus merkt an, dass Ben und die Familie weiß sind.

Inhaltshinweise: Ablehnung durch die Eltern und Rauswurf nach dem Coming-out, Bruch mit der Familie, Angst

Cemetery Boys (2020, Jugendroman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Aiden Thomas, im September 2020 bei Swoon Reads, einem Imprint von Macmillan, in den USA erschienen. Thomas hat von „meinen eigenen Erfahrungen als transgender Latinx-Person“ gesprochen und verwendet he/they.

Yadriel ist ein schwuler trans Junge in einer eng verbundenen Gemeinschaft von brujx in East Los Angeles, deren Magie, verliehen von Lady Death, es ihnen erlaubt, Lebende zu heilen und Geister ins Jenseits zu geleiten. Weil er trans ist, lassen ihn seine Familie und seine Community nicht das Ritual durchlaufen, das ihn zum brujo machen würde.

Als sein Cousin Miguel plötzlich gestorben zu sein scheint und niemand ihn finden kann, beschließt Yadriel, sich zu beweisen, indem er Miguels Geist befreit. Stattdessen ruft er Julian Diaz herbei, einen Jungen, der am selben Tag gestorben ist und noch etwas zu erledigen hat. Je mehr Zeit Yadriel mit Julian verbringt, desto weniger will er ihn gehen lassen.

Warum es wichtig ist. Es ist Geistergeschichte, Krimi und Liebesroman zugleich, und der trans Junge darf der Held, der Schwarm und Teil seiner Kultur sein, alles auf einmal. Thomas wollte, dass trans Kinder ein Buch lesen können, dessen Hauptfigur trans ist, ohne dass es nur ums Trans-Sein geht. 2020 wurde es laut Them der erste Roman mit trans Menschen im Mittelpunkt aus der Feder einer offen trans Person, der auf der Bestsellerliste der New York Times stand.

Inhaltshinweise: Tod junger Menschen und Trauer, eine Familie und Community, die sich weigern, sein Geschlecht anzuerkennen

Felix Ever After (2020, Jugendroman)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Kacen Callender, im Mai 2020 bei Balzer + Bray, einem Imprint von HarperCollins, in den USA erschienen. Callender beschreibt sich als „Schwarz, queer und trans“; NPR beschreibt Callender als nicht-binär, und 2020 sagte Callender dem Magazin Bitch, dass das Wort Demiboy, wie bei Felix, gut passe.

Felix Love ist siebzehn, Schwarz, queer und trans und hat ein Stipendium an einer anspruchsvollen Kunstschule in Brooklyn, wo er auf einen Studienplatz an der Brown University hinarbeitet. Er war noch nie verliebt und fragt sich, ob er es je sein wird.

Dann stellt jemand Fotos von ihm aus der Zeit vor der Transition und seinen alten Namen in der Schulgalerie aus, und darauf folgt eine Flut transfeindlicher Nachrichten. Felix will herausfinden, wer dahintersteckt, und diese Suche erschüttert seine Freundschaften und bringt ihn dazu, seine eigene Identität noch einmal ganz neu zu hinterfragen. Auf Spanisch erscheint das Buch bei KAKAO BOOKS unter dem Titel Felix para siempre (2023), übersetzt von Diana Gutiérrez.

Warum es wichtig ist. Callender wollte eine trans Geschichte, die romantisch ist und Spaß macht und nicht nur vom Coming-out handelt, mit einem Schwarzen trans Jungen im Mittelpunkt, der Liebe verdient. Das Buch zeigt auch etwas, worüber selten geschrieben wird: schon zu wissen, dass man trans ist, und dann die eigene Bezeichnung noch einmal zu hinterfragen, was laut Callender dem eigenen Weg von nicht-binär zu Demiboy entspricht. Das Deadnaming und die Belästigung sind real, die Freundschaften und die Liebesgeschichte aber auch.

Gut zu wissen. Kirkus nannte das Buch „eine anstrengende Lektüre“; Callender entgegnete, die Rezension verwende beleidigende Sprache und tue das Trauma ab, das trans Menschen erleben. 2021 kündigte Callender an, dass in Nachdrucken alle Erwähnungen von Harry Potter gestrichen und ein Fehler zur Herkunft einer Figur korrigiert werde, in der Hoffnung, dass sich das Buch „für trans Lesende sicherer und feierlicher anfühlt“.

Inhaltshinweise: Deadnaming, auch durch seinen Vater; ein öffentliches Outing mit altem Namen und Fotos; transfeindliche Belästigung, auch durch andere queere Menschen; Angst und Selbstzweifel

Lyrik

Gedichtbände von trans und nicht-binären Menschen, von Spoken Word, das du jemandem vorlesen könntest, den du magst, bis zu Texten, bei denen du ganz langsam werden musst. Wenn du danach weitere Stimmen der Lyrik suchst, ist die Anthologie Troubling the Line eine gute Landkarte.

Wanting in Arabic (2002, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Trish Salah, 2002 bei TSAR Publications (Toronto, Kanada) erschienen, mit einer zweiten Auflage 2013. Salah wurde in Halifax geboren, ist Lyrikerin mit libanesischen und irischen Wurzeln und verwendet die Pronomen she/her; laut einem Porträt in Xtra von 2002 schöpft das Buch aus ihrem eigenen trans Leben.

Salahs erster Gedichtband geht von zwei Orten zugleich aus: von ihrem trans Leben und von einem vielsprachigen libanesischen Familienhintergrund nach der Einwanderung, zu dem eine maronitisch-katholische Erziehung in Halifax gehörte. Die Gedichte umfassen Familiengeschichte, trans Leben, alltägliche Transfeindlichkeit und die geschlechtlich geprägten Wurzeln der Sprache selbst, und der Band enthält Ghasele.

Ihr Profil an der Queen's University beschreibt das Buch als Erkundung „diasporischer trans und queerer Subjektivitäten“ und der Arbeit, als Minderheit Gemeinschaft aufzubauen.

Warum es wichtig ist. Es erschien 2002, mehr als ein Jahrzehnt vor den anderen hier aufgeführten Gedichtbänden, und stammt von einer trans Lyrikerin mit libanesischen Wurzeln. Wenn du nicht nur zwischen Geschlechtern lebst, sondern auch zwischen Sprachen, Glaubensrichtungen oder Kulturen, schreibt Salah aus genau dieser Überschneidung, ohne eine der beiden Seiten zu vereinfachen.

Gut zu wissen. Die zweite Auflage von 2013 gewann 2014 den Lambda Literary Award in der Kategorie Transgender Fiction, obwohl das Buch Lyrik ist. Beim Verlag der zweiten Auflage gehen die Quellen auseinander: Die Academy nennt TSAR, Salahs Profil an der Queen's University nennt Mawenzi House.

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit

Troubling the Line (2013, Anthologie)

Wer dahintersteht: Herausgegeben von TC Tolbert und Trace Peterson, 2013 bei Nightboat Books (USA) erschienen. Tolbert beschreibt sich oft als trans, genderqueer und feministisch; Peterson hat sich in der Einleitung der Anthologie als trans-identifizierte Lyrikerin, Herausgeberin und Wissenschaftlerin beschrieben.

Eine umfangreiche Anthologie (544 Seiten) mit Gedichten von 55 trans und genderqueeren Menschen, von jeder Person eine großzügige Auswahl. Alle steuern außerdem ein „Poetik-Statement“ bei, eine Reflexion, die die eigene Arbeit einordnet.

Die Bandbreite ist bewusst groß. Neue und bisher unveröffentlichte Stimmen stehen neben bekannten, und die Stile reichen von erzählender und lyrischer Dichtung bis zu konzeptueller Lyrik und Slam. Die Herausgebenden entschieden sich, trans oder genderqueere Lyrik nicht zu definieren; Peterson schrieb, sie seien „nicht daran interessiert, Identität zu kontrollieren“.

Warum es wichtig ist. Die Poetik-Statements machen daraus mehr als eine Kostprobe: Du hörst trans Menschen, die dichten, in eigenen Worten über Sprache, Form und Körper nachdenken. Peterson schrieb, sie wolle, dass die Lesenden sehen, „nicht nur, dass wir uns selbst ins Dasein schreiben, sondern dass wir wirklich und unbestreitbar hier sind“. Das Buch taugt auch als Landkarte, um weitere Lyrik zum Lesen zu finden.

Gut zu wissen. Nightboat nennt sie die allererste Sammlung von Gedichten trans und genderqueerer Schreibender. Dazu gehört eine Fußnote: In den 1980er-Jahren stellte der trans Aktivist Rupert Raj eine Anthologie mit über 400 Gedichten von Menschen zusammen, die sich als transsexuell, transgender oder Crossdresser identifizierten, Of Souls and Roles, Of Sex and Gender. Sie wurde nie veröffentlicht und liegt bei The ArQuives in Toronto.

Sympathetic Little Monster (2016, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Cameron Awkward-Rich, 2016 bei Ricochet Editions (USA) erschienen; sein erster vollständiger Gedichtband. Awkward-Rich ist ein Schwarzer trans Mann, Lyriker und Wissenschaftler im Bereich Trans Studies, und aktuelle Biografien verwenden he/him.

Awkward-Richs Debüt ist ein Buch über Traurigkeit und darüber, woher sie kommt. Viele Gedichte halten fest, wie es ist, sich im öffentlichen Raum zu bewegen und dabei Rassismus und Transfeindlichkeit ausgesetzt zu sein, andere wenden sich der Familie zu, besonders seinem Vater.

Eine wiederkehrende Reihe über die Theorie der Bewegung denkt Trans-Sein als etwas, das immer in Bewegung ist, statt an einem festen Punkt anzukommen. Auf eine Zeile angesprochen, in der es darum geht, „zwei Dinge / zugleich“ zu sein, zählte er die Spaltungen auf, die er spürt: Junge und Mädchen, Schwarz und amerikanisch, Schwarz und trans, Dichter und Kritiker. Außerdem besteht er darauf, dass das Buch voller Witze ist.

Warum es wichtig ist. Von trans Leben wird oft erwartet, dass es als Triumph oder als Tragödie erzählt wird. Awkward-Rich bleibt bei schlechten Gefühlen, ohne eine Lektion daraus zu machen, und schreibt von einem Ort aus, an dem sich Rassismus und Geschlecht nicht voneinander trennen lassen. Wenn du dich zwischen Communities zerrissen gefühlt hast oder es leid bist, inspirierend sein zu sollen, leistet dir dieses Buch Gesellschaft. Es gehörte zu den Finalisten eines Lambda Literary Award.

Gut zu wissen. Awkward-Rich hat gesagt, dass er seinem eigenen Umgang mit Traurigkeit zwiespältig gegenübersteht, weil Schwarze Trauer und trans Trauer von Lesenden oft auf eine Weise konsumiert werden, die genau die Systeme stärkt, die sie verursachen. Das Buch ist mit Blick auf dieses Risiko geschrieben.

Inhaltshinweise: Rassismus, Transfeindlichkeit, Depression und Traurigkeit, belastete Familienbeziehungen

There Should Be Flowers (2016, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Joshua Jennifer Espinoza, 2016 bei Civil Coping Mechanisms (USA) erschienen; ihr zweites Buch. Espinoza ist eine trans Frau und Lyrikerin aus Riverside, Kalifornien, und verwendet die Pronomen she/her.

Ein einziger durchgehender Strom von Gedichten ohne Kapiteleinteilung, in dessen Mittelpunkt das Leben des lyrischen Ichs als trans Frau steht, „in einer Welt, die darauf besteht, trans Stimmen auszulöschen“. Die Stimme ist direkt und bekenntnishaft, und ein Gedichttitel wie „I'm in a Love/Hate Relationship with Having a Body“ gibt den Ton vor: trocken, roh und zärtlich zugleich.

Espinoza schreibt über den Körper, Schönheit und Begehren und darüber, am Leben zu bleiben. Ein Gedicht fragt, wie lange sie „dir noch vorgaukeln / kann, was ich tue, / sei Poesie / und nicht mein Flehen, / uns leben zu lassen?“

Warum es wichtig ist. Espinoza schreibt über trans Frausein von innen, ohne es irgendjemandem zu erklären, und die Schlichtheit ist gewollt. Wenn du Gedichte willst, die ehrlich davon erzählen, sich nach Schönheit zu sehnen und zugleich müde zu sein vom Kampf ums eigene Dasein, ist das hier ein solches Buch. Es ist ein früheres, roheres Buch als ihr späterer Band I Don't Want to Be Understood (Alice James Books, 2024).

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit und Unsichtbarmachung, Gewalt, Leiden am eigenen Körper, Trauma und psychische Erkrankung

Don't Call Us Dead (2017, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Danez Smith, 2017 bei Graywolf Press (USA) erschienen. Smith schreibt Gedichte, stammt aus St. Paul, Minnesota, beschreibt sich als stolz Schwarz, queer und HIV-positiv, ist nicht-binär und verwendet die Pronomen they/them.

Der Band beginnt mit „summer, somewhere“, einer Gedichtfolge, die sich ein Jenseits für Schwarze Männer ausmalt, die von der Polizei getötet wurden, einen Ort, an dem „alles / Zuflucht ist & nichts eine Waffe“. Von dort bewegen sich die Gedichte durch Begehren, Sterblichkeit und die Gefahren, in einem Schwarzen queeren Körper in Amerika zu leben.

Ein großer Teil des Buchs antwortet auf Smiths HIV-Diagnose, und es setzt sich auch mit Rassismus und Geschlecht auseinander. Ein Gedicht, „dear white america“, ging auf YouTube viral.

Warum es wichtig ist. In diesem Buch werden Rassismus, Queerness, Krankheit, Begehren und Geschlecht nie voneinander getrennt, weil sie in einem Leben nicht getrennt sind. Wenn dein Trans-Sein neben dem Schwarzsein oder einer Krankheit steht statt getrennt davon, schreibt Smith aus genau dieser Kreuzung, mit Wut und mit Freude. Der Band war 2017 unter den Finalisten des National Book Award, und 2018 gewann Smith als jüngste Person überhaupt den Forward Prize for Best Collection.

Gut zu wissen. Wenn du Gedichte suchst, in deren Mittelpunkt Geschlechtsidentität steht: Die Hauptthemen sind Schwarzes Leben, Polizeigewalt, Sex und HIV, und Geschlecht zieht sich hindurch, statt im Zentrum zu stehen, wie mehrere Rezensionen angemerkt haben, darunter die von Stephanie Burt.

Inhaltshinweise: Tötungen Schwarzer Menschen durch die Polizei, Rassismus, HIV, Tod und Trauer, sexuelle Inhalte

Lord of the Butterflies (2018, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Andrea Gibson, 2018 bei Button Poetry (USA) erschienen. Gibson war queer, in der Spoken-Word-Lyrik zu Hause, verwendete die Pronomen they/them und schrieb, das Wort genderqueer kennenzulernen habe sich angefühlt, „als würde zum ersten Mal in meinem Leben jemand meinen Namen richtig aussprechen“. Gibson war Poet Laureate von Colorado und starb im Juli 2025.

Ein Band mit Liebesgedichten, Familiengedichten und Gedichten über Geschlecht, erschienen als Begleitbuch zu Gibsons Spoken-Word-Album Hey Galaxy. Das erste Gedicht, „Your Life“, blickt zurück auf eine Kindheit ohne Worte für das, was man ist, und beschreibt, dass das Geschlecht am glücklichsten ist, „wenn du nicht hier oder dort bist, sondern dazwischen“.

Andere Gedichte wenden sich einer Schwester zu, deren Polizeifoto überall in den Nachrichten war, dem Leben mit Lyme-Borreliose sowie Liebe, Verlust und Trauer. Der Ton bewegt sich zwischen Herzschmerz und einer trotzigen Hoffnung.

Warum es wichtig ist. Gibson kam vom Spoken Word, und die Sprache ist mit Absicht schlicht: Gibson sagte der Colorado Sun, Spoken Word bringe Gedichte hervor, „für die man keinen Doktortitel braucht, um sie zu verstehen“. Wenn du Geschlecht als Gefühl statt als Theorie beschrieben lesen willst und nichts dagegen hast, berührt zu werden, ist das ein guter Anfang.

Gut zu wissen. Gibson und Gibsons Ehefrau Megan Falley stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms Come See Me in the Good Light, der 2025 in Sundance den Festival Favorite Award gewann.

Inhaltshinweise: homofeindliche Beschimpfungen, chronische Krankheit, eine Straftat mit einer Schusswaffe in der Familie, Trauer und Tod

feeld (2018, Lyrik)

Wer dahintersteht: Von Jos Charles, zuerst 2018 bei Milkweed Editions (USA) erschienen, nachdem der Band 2017 in der National Poetry Series ausgezeichnet worden war. Charles ist eine trans Lyrikerin und verwendet die Pronomen she/her.

feeld ist eine Gedichtfolge in Buchlänge, geschrieben in einem erfundenen Englisch: Schreibweisen, die nach Mittelenglisch aussehen, gekreuzt mit den Kürzeln aus Textnachrichten und dem Internet. Die Wörter sind absichtlich falsch geschrieben, sodass jedes einzelne sich öffnet und du langsam lesen musst. Charles hat die Sprache als eine Art „verlorenes Mittelenglisch“ beschrieben, eine Antwort darauf, wie wenige Wörter das Englische für trans Erfahrungen bereithält.

Die Gedichte bewegen sich durch Körper, Sprache, Geschlecht, Felder und Tiere. The White Review nennt unter seinen Themen Transfeindlichkeit, die Politik rund um Toiletten, den Druck des biologischen Körpers und das Problem, in der Sprache der Unterdrücker zu sprechen.

Warum es wichtig ist. feeld erklärt trans Leben nicht in schlichtem heutigem Englisch. Stattdessen baut es einen neuen Wortschatz, und das kann sich anfühlen, als würde man im eigenen Dialekt angesprochen, statt für jemand anderen übersetzt zu werden. Der Band war Finalist für den Pulitzer-Preis für Lyrik und stand auf der Longlist des National Book Award, und so gelangte ein formal gewagtes Buch einer trans Lyrikerin vor ein sehr großes Publikum.

Gut zu wissen. Der Einstieg ist mühsam. Selbst eine bewundernde Kritik in The White Review nennt es „ganz sicher schwer zu verfolgen“ und sieht darin Absicht, eine Art, die Lesenden auszubremsen; Charles hat gesagt, dass schon das Finden des richtigen Worts harte Arbeit ist.

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit, Trauma, Bilder von Körperverletzungen

Comics und Graphic Memoirs

Graphic Memoirs, Manga und Comics. Ein paar davon wurden für jüngere Lesende geschrieben und lohnen sich trotzdem, und jeder Eintrag sagt, für wen das Buch gedacht ist.

Shimanami Tasogare (Wer bist du zur blauen Stunde?) (2015, Comic)

Wer dahintersteht: Ein japanischer Manga, geschrieben und gezeichnet von Yuhki Kamatani, von 2015 bis 2018 bei Shogakukan als Fortsetzungsserie erschienen (zuerst im Magazin Hibana, dann online) und in vier Bänden gesammelt; die englische Ausgabe von Seven Seas (2019) hat Jocelyne Allen übersetzt. Kamatani ist x-gender (was Anime Feminist mit nicht-binär umschreibt) und asexuell, und in englischsprachigen Berichten wird für Kamatani they verwendet.

Der Oberschüler Tasuku Kaname ist neu in Onomichi, in Hiroshima, und hat panische Angst, als schwul geoutet worden zu sein. Als es ihm am schlechtesten geht, begegnet er einer rätselhaften fremden Gestalt, die ihn in einen offenen Treffpunkt führt, in dem eine Gruppe von LGBTQ-Menschen Zeit miteinander verbringt.

Über vier Bände weitet sich die Geschichte auf die anderen aus, die dorthin kommen: schwule, lesbische, trans und asexuelle Menschen und solche, die sich noch fragen, wer sie sind. Sie haben mit Diskriminierung, Stereotypen und Misgendern zu tun, geraten manchmal aneinander und finden im Treffpunkt ein wenig Frieden. Übersetzungen gibt es unter anderem auf Französisch (Éclat(s) d'âme, Akata), Deutsch (Wer bist du zur blauen Stunde?, Carlsen, übersetzt von Alexandra Klepper) und Polnisch (Nasze marzenia o zmierzchu, Dango).

Warum es wichtig ist. Das ist ein Manga über queeres und trans Leben, gezeichnet von einer Person, die x-gender und asexuell ist und für Erfahrungen, die nicht Kamatanis eigene sind, mit der LGBT-Organisation Trois Couleurs zusammengearbeitet hat. Die Person, der der Treffpunkt gehört, ist wie Kamatani asexuell, sagt von sich, genau das Geschlecht zu haben, das andere in ihr sehen, und hält unaufdringlich das ganze Ensemble zusammen. Der Manga war für einen Harvey Award nominiert.

Gut zu wissen. Die Hauptfigur ist ein schwuler Teenager. Trans Figuren und Figuren, die ihr Geschlecht hinterfragen, gehören also zum Ensemble und stehen nicht im Mittelpunkt. Das erste Kapitel handelt direkt von Suizidgedanken.

Inhaltshinweise: Outing, Suizidgedanken, homofeindliches Mobbing, Misgendern und Beschimpfungen

The Tea Dragon Society (2017, Comic)

Wer dahintersteht: Geschrieben und gezeichnet von Kay O'Neill aus Neuseeland; zuerst als Webcomic erschienen, dann 2017 als gebundene Ausgabe bei Oni Press (USA). O'Neill ist nicht-binär, und für O'Neill wird they verwendet.

Greta, halb Goblin, halb Mensch, lernt das Schmiedehandwerk ihrer Mutter, obwohl niemand mehr Schwerter braucht. Nachdem sie auf dem Markt einen winzigen, verirrten Teedrachen gerettet hat, lernt sie, sich um diese Wesen zu kümmern, auf deren Hörnern Blätter sprießen, die für Tee geerntet werden.

Über vier Jahreszeiten folgt das Buch Gretas Freundschaft mit Minette, einem schüchternen Mädchen mit unzuverlässigen Erinnerungen, und dem, was Greta über die letzten beiden Mitglieder der Teedrachen-Gesellschaft erfährt: Hesekiel und seinen Partner Erik, der einen Rollstuhl nutzt. Es ist kurz, sanft und in warmen Farben gehalten.

Warum es wichtig ist. Nicht jedes Buch, das du liest, muss vom Trans-Sein handeln. Dieses hier, von einer nicht-binären Person gezeichnet, entwirft eine langsame, freundliche Welt, in der ein queeres Paar und eine Figur mit Behinderung einfach dazugehören und niemand sich erklären muss. Es gewann 2018 zwei Eisner Awards (Best Webcomic und Best Publication for Kids) und einen Harvey Award.

Gut zu wissen. Die Rezensionen zu diesem ersten Band weisen auf keine trans oder nicht-binären Figuren hin, und er ist für Lesende von etwa 9 bis 12 Jahren geschrieben. Eine nicht-binäre Figur, Rinn, führt O'Neill im zweiten Band ein, The Tea Dragon Festival, und hat gesagt, diese Figuren zu erschaffen habe geholfen, sich selbst zu verstehen.

A Quick & Easy Guide to They/Them Pronouns (2018, Comic)

Wer dahintersteht: Geschrieben von Archie Bongiovanni und Tristan Jimerson, gezeichnet von Bongiovanni, 2018 bei Oni Press im Programm Limerence Press (USA) erschienen. Bongiovanni ist genderqueer und verwendet die Pronomen they/them; Jimerson, seit Langem bester Freund von Bongiovanni, ist cisgender.

Ein kurzer, witziger Sachcomic, der erklärt, was Pronomen sind, warum sie wichtig sind und wie man sie verwendet. Beide treten als sie selbst auf: Archie, müde davon, dass Leute geschlechtsneutrale Pronomen nicht verstehen, und Tristan, der einen einfachen Weg sucht, sie an seinem immer vielfältigeren Arbeitsplatz einzuführen.

Er erklärt, was man tun kann, wenn einem ein Fehler passiert, und gibt Menschen außerhalb der Binarität Tipps, wie sie sich in einer binär ausgerichteten Welt schützen können.

Warum es wichtig ist. Vielleicht brauchst du dieses Buch nicht für dich selbst. Vielleicht brauchst du es für ein Elternteil, eine Führungskraft oder die befreundete Person, die sich ständig entschuldigt, statt sich einfach zu korrigieren. Es übernimmt das Erklären für dich, mit Humor, und nimmt ernst, was Misgendern kostet: Bongiovanni beschreibt jedes Misgendern als einen weiteren Ziegelstein im Rucksack, und die Steine summieren sich über den Tag.

Gut zu wissen. Es richtet sich vor allem an Menschen, für die das Thema neu ist; wenn du they/them schon benutzt, wird es dir sehr grundlegend vorkommen. Es konzentriert sich auf they/them und ist sehr kurz.

Inhaltshinweise: Misgendern

Gender Queer (2019, Graphic Memoir)

Wer dahintersteht: Geschrieben und gezeichnet von Maia Kobabe, zuerst 2019 bei Lion Forge (USA) erschienen, das im selben Jahr eine Fusion mit Oni Press ankündigte. Kobabe ist nicht-binär und asexuell und verwendet die Pronomen e/em/eir.

Kobabe begann diese Comics, um der eigenen Familie zu erklären, was es bedeutet, nicht-binär und asexuell zu sein. Das Buch folgt Kobabe von der Kindheit über eine verwirrende Jugend bis ins Erwachsenenalter: Fandoms, Schwärmereien, erste Beziehungen, das Coming-out als bisexuell an der Highschool und Jahre später als nicht-binär.

Kobabe hat es aus Tagebüchern von vierzehn Jahren zusammengestellt und nennt es „einen ausführlichen Brief“ an die Familie darüber, dass das eigene Erleben von Geschlecht „schon immer nicht-binär war, lange bevor ich Worte hatte, um es zu erklären“.

Warum es wichtig ist. Es ist ein ganzes Buch über das Aufwachsen als nicht-binäre Person, von einer nicht-binären Person, und es ist ehrlich, was die unglamourösen Seiten angeht: Unbehagen im eigenen Körper, holprige Gespräche, eine Familie, die dich liebt, aber nicht versteht. Kobabe hat es in der Hoffnung geschrieben, dass andere nicht-binäre Menschen darin „ein Spiegelbild ihrer eigenen Erfahrungen sehen“ und dass die Menschen um sie herum sie besser verstehen.

Gut zu wissen. Das Buch steht im Zentrum der Buchverbote in den USA. Die American Library Association führte es 2021 und 2022 als das Buch, dessen Entfernung im ganzen Land am häufigsten gefordert wurde, und es blieb auch in späteren Jahren weit oben (Platz zwei 2024, Platz drei 2025). Die Kritik richtet sich gegen eine Handvoll sexuell expliziter Zeichnungen. Der Verlag vermarktete es für ältere Jugendliche und Erwachsene.

Inhaltshinweise: einige sexuell explizite Zeichnungen, Masturbation, Menstruation, Unbehagen im Körper und Dysphorie, verwirrende sexuelle Erfahrungen

Stage Dreams (2019, Comic)

Wer dahintersteht: Geschrieben und gezeichnet von Melanie Gillman, 2019 bei Graphic Universe, einem Imprint der Lerner Publishing Group (USA), erschienen. Gillman ist queer und nicht-binär, zeichnet Comics und verwendet die Pronomen they/them.

1861: Grace, eine trans Frau, die Schauspielerin werden will, ist aus ihrem Zuhause in Georgia und vor der Einberufung in die Armee der Konföderierten geflohen. Ihre Postkutsche nach Westen wird vom berüchtigten Gesetzlosen Ghost Hawk überfallen, hinter dem sich Flor verbirgt, eine Latina-Banditin, die vor dem Sesshaftwerden noch einen letzten großen Coup landen will.

Flor will Grace festhalten und Lösegeld erpressen, doch Grace redet sich in den Plan hinein: sich in eine Gala der Konföderierten im New-Mexico-Territorium einzuschleichen und geheime Dokumente zu stehlen. Daraus wird ein Western-Gaunerstück und eine Liebesgeschichte, die mit Flirts und zärtlichen Blicken wächst, gezeichnet mit Buntstift.

Warum es wichtig ist. Gillman schrieb es, weil queere historische Fiktion so selten ist und weil Leute so tun, als seien queere Menschen in den 1960er-Jahren erfunden worden. Hier darf eine trans Frau im Wilden Westen klug, mutig und begehrt sein. Gillman hat gesagt, jungen Lesenden lieber Geschichten in die Hand zu geben, in denen queere und trans Menschen selbst handeln, als solche, in denen sie am Ende Opfer sind.

Gut zu wissen. Es ist für Jugendliche geschrieben (der Verlag nennt die US-Klassenstufen 8 bis 12) und mit 104 Seiten kurz, erwachsenen Lesenden kommt es daher vielleicht leicht vor.

Inhaltshinweise: ein Postkutschenüberfall und eine Entführung, die Konföderation und der Amerikanische Bürgerkrieg

The Best of Assigned Male (2021, Comic)

Wer dahintersteht: Geschrieben und gezeichnet von Sophie Labelle, 2021 bei Jessica Kingsley Publishers (Großbritannien) erschienen; der Band sammelt und erweitert ihren Webcomic Assigned Male, den sie 2014 gestartet hat. Labelle ist eine trans Comiczeichnerin aus Québec, Kanada, und verwendet die Pronomen she/her.

Der Comic folgt Stephie, einem elfjährigen trans Mädchen, und ihrer queeren Clique, die mit Schule, Familie, Beziehungen und dem alltäglichen Trans-Sein zurechtkommen. Labelle beschreibt Stephie als sarkastische junge Feministin, die sich von niemandem etwas gefallen lässt, „ein wandelndes Lexikon“.

Dieses Buch versammelt Handlungsbögen aus dem Webcomic, ergänzt bisher unveröffentlichtes Material und enthält Labelles eigene schriftliche Kommentare zur Einordnung.

Warum es wichtig ist. Hier erzählt eine trans Frau von einem trans Mädchen, das Kontra gibt, mit Witz und ohne das Kind als Problem zu behandeln, das gelöst werden muss. Labelle betont, dass Stephie nicht sie selbst ist, sondern eine Figur mit eigener Stimme. Für Erwachsene ist es eine Gelegenheit, dem Kind zu begegnen, das du mit den richtigen Worten zur richtigen Zeit vielleicht gewesen wärst, und ein Buch, das sich leicht an junge trans Menschen oder ihre Familien verschenken lässt.

Gut zu wissen. Es ist mit Blick auf junge Lesende geschrieben (eine Bibliotheksrezension empfiehlt es für alle ab etwa 10 Jahren), deshalb sind Teile offen lehrreich. Labelle wurde wegen ihrer Arbeit organisiert angefeindet: 2017 musste wegen Drohungen eine Buchpremiere in Halifax für ein anderes ihrer Bücher abgesagt werden.

Inhaltshinweise: alltägliche Transfeindlichkeit

Zuerst auf Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Polnisch oder Portugiesisch geschrieben

Bücher, die zuerst auf Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Polnisch oder Portugiesisch geschrieben wurden. Zu jedem nennen wir die Übersetzungen, die wir über einen Verlag, einen Bibliothekskatalog oder die Presse bestätigen konnten. Manche dieser Schreibenden verwenden für sich Wörter, die sich nicht sauber ins Englische oder Deutsche übertragen lassen, und die Einträge erklären diese Wörter so, wie sie selbst sie verwenden.

Auch mehrere der englischsprachigen Bücher weiter oben wurden übersetzt, und ihre Einträge sagen das, wo wir es bestätigen konnten.

Viagem solitária (2011, Memoir)

Wer dahintersteht: João W. Nery, Brasilien, auf Portugiesisch geschrieben, zuerst 2011 erschienen (Bibliothekskataloge nennen Leya, Estadão nennt das Imprint Casa da Palavra). Das Buch greift sein früheres Memoir Erro de pessoa (1984) wieder auf. Eine Übersetzung haben wir nicht gefunden. Nery (1950 bis 2018) war Psychologe, Schriftsteller und Aktivist und ist in Brasilien als Pionier für trans Männer in Erinnerung, der seinen Platz als Mann sogar unter der Militärdiktatur öffentlich einforderte.

Nery erzählt sein Leben von der Kindheit über eine schwierige Jugend bis ins Erwachsenenalter, seine Transition im Brasilien der 1970er-Jahre und sein späteres Leben als Vater. Den ersten Teil, bis zum Alter von 27 Jahren, hatte er schon in Erro de pessoa erzählt; dieses Buch kehrt dreißig Jahre später zu dieser Geschichte zurück und führt sie weiter.

Es hilft zu wissen, was es ihn gekostet hat, unter seinem eigenen Namen zu leben. 2018 erzählte er Estadão, wie er unter der Militärdiktatur in ein Standesamt ging, erklärte, keinerlei Papiere zu haben, und neue Dokumente als Mann erhielt, ein Schritt, der seine Laufbahn als Psychologe beendete.

Warum es wichtig ist. Es ist ein Bericht in der ersten Person über das Leben eines trans Mannes in Brasilien über mehrere Jahrzehnte, geschrieben von jemandem, der danach jahrelang aktivistisch tätig war. Seine Wirkung reichte weit über die Lesenden hinaus: Das Buch war eine der Inspirationen für die trans Figur Ivan in der Telenovela A Força do Querer von TV Globo, und ein Gesetzentwurf im brasilianischen Kongress, 2013 eingebracht, um das Recht auf Änderung von Name und Geschlecht im Personenstandsregister zu garantieren, trägt seinen Namen.

Gut zu wissen. Der Untertitel verwendet „transexual“, das in Brasilien damals, als er schrieb, übliche Wort.

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit, eine harte Jugend, die Bürokratie und die Angst unter der Militärdiktatur, der Verlust seines Berufs

Mam na imię Ania (2013, Memoir)

Wer dahintersteht: Anna Grodzka, Polen, auf Polnisch geschrieben, 2013 bei Wydawnictwo W.A.B. (Grupa Wydawnicza Foksal) erschienen. Eine Übersetzung haben wir nicht gefunden. Grodzka wurde 2011 als erste Transgender-Abgeordnete des Landes ins polnische Parlament gewählt.

Der Titel bedeutet „Ich heiße Ania“; Ania hieß auch die Stoffpuppe, der sie sich als Kind anvertraute. Grodzka erzählt ihr Leben von einer Kindheit, in der sie weder zu den Mädchen noch zu den Jungen passte, über Jahrzehnte des Versteckens und des Lebens, das von einem Mann erwartet wurde, mit Ehefrau, Kind und Beruf, bis zu der Entscheidung, sich selbst und die Menschen um sie herum nicht länger zu belügen.

Es ist auch ein Familienbuch: über die Menschen, die ihr am nächsten stehen, und über eine Herkunftsfamilie, die sie erst als Erwachsene kennenlernte. Sie wuchs in einer Zeit in Polen auf, in der jede Andersartigkeit als Abartigkeit galt, und das Buch trägt dieses Gewicht.

Warum es wichtig ist. 2013 schrieb Grodzka, nach eigenen Worten die einzige Transgender-Abgeordnete der Welt, trans Menschen seien „sehr sichtbar und zugleich fast unsichtbar“. Dieses Memoir, geschrieben während ihrer Amtszeit, ist ihr eigener ausführlicher Bericht über ein Leben, das sie jahrzehntelang nicht erzählen konnte, auf Polnisch, für polnische Lesende.

Inhaltshinweise: Mobbing in der Kindheit, Jahre des Versteckens und der Selbstverleugnung, Belastung für Ehe und Familie

E se eu fosse puta (2016, Memoir)

Wer dahintersteht: Amara Moira, Brasilien, auf Portugiesisch geschrieben, 2016 bei Hoo Editora erschienen, mit Comicstrips der Zeichnerin Laerte. Eine Übersetzung, die wir überprüfen konnten, haben wir nicht gefunden. Moira, Literaturwissenschaftlerin, die damals eine Doktorarbeit über James Joyce abschloss, beschreibt sich als travesti, das Wort, das sich viele brasilianische trans Frauen zurückerobert haben; sie hat gesagt, sie fühle sich „mehr travesti als Doktorandin“.

Als Moira ihre Transition begann, merkte sie, dass sich die Leute eine travesti nur als Sexarbeiterin vorstellen konnten. Sie lernte die Community der travestis kennen, begann selbst mit Sexarbeit und führte darüber einen Blog mit demselben Titel wie dieses Buch, um zu verstehen, was sie gerade erlebte.

Das Buch bearbeitet diese Beiträge neu. Es bewegt sich zwischen Berichten über Nächte mit Kunden, Vermutungen darüber, was diese Männer wollen und warum, dem endlosen Feilschen um den Preis und ihren Gedanken über LGBT-Aktivismus und darüber, was die Arbeit sie über Männer, Geschlecht und ihr eigenes Leben gelehrt hat.

Warum es wichtig ist. Hier schreibt die Person, die die Sexarbeit macht, selbst darüber, mit Humor und ohne um Mitleid zu bitten, und sie nimmt Literaturtheorie und die Straße gleichermaßen ernst. Moira sagte, sie hoffe, das Buch bringe Menschen dazu, travestis und Menschen in der Sexarbeit mit einem Blick zu sehen, der sie menschlich macht. Sie machte weiter: 2024 veröffentlichte sie Neca, einen Roman in bajubá, das sie als Sprache der Straße beschreibt, die travestis zu ihrem Schutz geschaffen haben und die Teil ihrer Identität wurde.

Gut zu wissen. Es ist offen ebenso Plädoyer wie Memoir: Moira setzt sich für die Entkriminalisierung der Sexarbeit ein und schreibt, dass sie auch eine Entscheidung sein kann. Wenn du einen neutralen Bericht suchst, bist du hier falsch.

Inhaltshinweise: explizite Schilderungen von Sexarbeit, Gewalt durch Kunden einschließlich eines sexuellen Übergriffs, Transfeindlichkeit

L'aurora delle trans cattive (2018, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Porpora Marcasciano, Italien, auf Italienisch geschrieben, im Februar 2018 bei Edizioni Alegre mit einem Vorwort von Stefania Voli erschienen. Eine Übersetzung haben wir nicht gefunden. Marcasciano ist trans Aktivistin und Autorin, leitete das italienische Movimento Identità Trans (MIT) und sitzt im Stadtrat von Bologna; der Untertitel nennt das Buch die Geschichte „meiner Transgender-Generation“.

Über rund vierzig Jahre zeichnet Marcasciano von innen eine trans Genealogie nach. Sie schreibt über die legendären trans Frauen, die sie kannte, in einer Welt, die sie in Richtung Spektakel und Bühne drängte, weil ihnen das gewöhnliche Leben verschlossen war, in der Sexarbeit oft das Rückgrat des Überlebens war und die Gesellschaft ihnen nur ein verächtliches Wort anbot. Ihre eigene Geschichte zieht sich hindurch, darunter die Zeit unter den femminielli von Neapel und eine Zeit im Gefängnis in Rom.

Sie verfolgt, wie aus dieser Welt eine Bewegung wurde: die Gründung des MIT und der Kampf, der mit dem italienischen Gesetz 164 von 1982 die rechtliche Anerkennung durchsetzte. Der Ton ist ironisch und voller Anekdoten.

Warum es wichtig ist. Es ist eine Geschichte, erzählt von einer Frau, die dabei war, über die Frauen, die da waren, bevor es das Vokabular gab, und sie weigert sich, sie zurechtzustutzen. Sie wendet sich gegen den Druck, beweisen zu müssen, dass trans Menschen „normal“ sind. Wenn du kein Italienisch liest: Ihr früheres Memoir über die 1970er-Jahre, AntoloGaia, erschien 2023 bei Rutgers University Press auf Englisch als AntoloGaia: Queering the Seventies, a Radical Trans Memoir.

Gut zu wissen. Das ist Geschichtsschreibung mit Standpunkt: Marcasciano verteidigt die Entscheidungen ihrer Generation zu deren eigenen Bedingungen und lehnt das Ziel, als normal zu gelten, offen ab. Wenn du einen neutralen Überblick suchst, schau dich anderswo um.

Inhaltshinweise: Verfolgung und sexualisierte Gewalt gegen trans Frauen, Haft, Sexarbeit

Las malas (Im Park der prächtigen Schwestern) (2019, Roman)

Wer dahintersteht: Camila Sosa Villada, Argentinien, auf Spanisch geschrieben, im März 2019 bei Tusquets Editores (Argentinien) erschienen. Übersetzungen: Englisch, Bad Girls (Other Press, 2022, übersetzt von Kit Maude); Französisch, Les Vilaines (Métailié, 2021, übersetzt von Laura Alcoba); Deutsch, Im Park der prächtigen Schwestern (Suhrkamp, 2021, übersetzt von Svenja Becker); Italienisch, Le cattive (Sur, 2021, übersetzt von Giulia Zavagna); Polnisch (Wydawnictwo Filtry, 2024, übersetzt von Maria Broda); Portugiesisch (Brasilien), O parque das irmãs magníficas (Tusquets Editores). Sosa Villada beschreibt sich als travesti, ein Wort, das in Lateinamerika von trans Frauen verwendet wird, die es sich von einer Beleidigung zurückerobert haben, und sie zieht es „trans Frau“ vor.

Córdoba, Argentinien, in den 1990er-Jahren. Eine Gruppe von travestis, die als Sexarbeiterinnen arbeiten, teilt die Nächte im Sarmiento-Park und eine Pension, die von der scheinbar unsterblichen Tante Encarna geführt wird. Eines Nachts finden sie ein ausgesetztes Baby, einen Jungen, und beschließen, ihn gemeinsam und heimlich großzuziehen.

Die Erzählerin heißt Camila, und das Buch schöpft aus den eigenen Jahren der Autorin in der Stadt, doch sie besteht darauf, Fiktion zu schreiben. Es bewegt sich zwischen hartem Realismus und Fantastik: Eine Frau verwandelt sich in einen Vogel, eine andere verändert sich in Vollmondnächten. Es ist ebenso ein Roman über eine Wahlfamilie wie über die Gewalt, die sie umgibt.

Warum es wichtig ist. Das Leben von travestis wird hier von innen erzählt, mit Wut, Witz und Zärtlichkeit, von einer, die es gelebt hat. Sosa Villada lehnt das kühle Vokabular ab: Im Vorwort des Buchs schreibt sie, dass sie „trans Frau“ nicht verwende, weil es die Erfahrung von travestis in ihrem Teil der Welt nicht wiedergebe. Der Roman gewann 2020 den Sor-Juana-Inés-de-la-Cruz-Preis und wurde in viele Sprachen übersetzt, deshalb nennt dieser Eintrag so viele Ausgaben: Die Chancen stehen gut, dass es eine in deiner Sprache gibt.

Gut zu wissen. Sosa Villada sagte später El País (2025), der Erfolg des Buchs habe ihr ein Mitleid eingebracht, das ihr missfiel, und sie habe das Gefühl gehabt, das Bild von travestis als ausschließlich arm und elend genährt zu haben. Ihr nächster Roman, Tesis sobre una domesticación, war zum Teil eine Antwort darauf.

Inhaltshinweise: Gewalt gegen trans Frauen, einschließlich Mord; Schläge, Raub und Betäubung durch Kunden; Sexarbeit; Todesfälle durch AIDS

Mein Weg (2019, Memoir)

Wer dahintersteht: Vollständiger Titel: Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund. Von Jayrôme C. Robinet, Schriftsteller, Spoken-Word-Künstler und Übersetzer, geboren im Norden Frankreichs und in Berlin lebend, auf Deutsch geschrieben, im Februar 2019 bei Hanser Berlin erschienen. Eine Übersetzung haben wir nicht gefunden. Robinet schreibt über seine eigene Transition und verwendet he/him; außerdem hat er Shon Fayes The Transgender Issue mit ins Deutsche übersetzt (Die Transgender-Frage, hanserblau, 2022, zusammen mit Claudia Voit).

Schon der Titel benennt die zentrale Entdeckung des Buchs. Robinet wuchs im Norden Frankreichs auf, zog nach Berlin und begann dort seine Transition. Als ihm ein dunkler Bart wuchs, sprachen Fremde ihn plötzlich auf Arabisch an. In Cafés, in Umkleidekabinen und bei der Passkontrolle merkte er, dass er jetzt nicht nur als Mann gelesen wurde, sondern auch als jünger und als fremd.

Diese doppelte Verschiebung nutzt er, um zu untersuchen, wie Geschlecht, Herkunft und Alter von außen zugeschrieben werden, und um auf die Vorurteile und den Papierkram auf diesem Weg zu schauen.

Warum es wichtig ist. Robinet wurde auf beiden Seiten mehrerer Grenzen gelesen und schreibt auf, was sich verändert hat: wie Menschen ihn ansehen, wer ihn für kompetent hält, wie Behörden ihn behandeln. Das macht das Buch über das Memoir hinaus nützlich, besonders für transmaskuline Lesende, die wissen wollen, was es mit sich bringt, als Mann gelesen zu werden, Rassismus eingeschlossen. Es fragt auch, warum überhaupt irgendjemand dem Staat sein Geschlecht beweisen müssen sollte.

Gut zu wissen. Dirk Fuhrig, Kritiker beim Deutschlandfunk, fand es aufschlussreich, was Geschlechterrollen angeht, nannte die Prosa aber schwerfällig und voller akademischem Jargon und sagte, nicht jeder Gedanke darin sei neu.

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit, Alltagsrassismus, bürokratische Hürden bei der rechtlichen Anerkennung

Un appartement sur Uranus (Ein Apartment auf dem Uranus) (2019, Essays)

Wer dahintersteht: Paul B. Preciado, in Spanien geborener Philosoph, der in Frankreich lebt; die Texte erschienen zuerst als Kolumnen in der französischen Tageszeitung Libération, das Buch kam im März 2019 auf Französisch bei Grasset heraus, mit einem Vorwort von Virginie Despentes, und im April 2019 auf Spanisch bei Anagrama als Un apartamento en Urano. Übersetzungen: Englisch, An Apartment on Uranus (Fitzcarraldo Editions, 2020, aus dem Französischen übersetzt von Charlotte Mandell); Deutsch, Ein Apartment auf dem Uranus (Suhrkamp, 2020, aus dem Französischen übersetzt von Stefan Lorenzer); Italienisch, Un appartamento su Urano (Fandango Libri). Preciado schreibt über seine eigene Transition und verwendet he/him.

Preciado begann diese Kolumnen unter seinem früheren Namen und schrieb sie weiter, nachdem er Paul geworden war, auf Reisen und während der Transition. Sie bewegen sich zwischen seinem eigenen, sich verändernden Körper und Namen und den Nachrichten jener Jahre: dem Aufstieg der extremen Rechten in Europa, der Griechenlandkrise, Geflüchteten an den Grenzen Europas, dem Konflikt in Katalonien, den Zapatistas in Mexiko.

Der Titel geht auf Karl Heinrich Ulrichs zurück, der 1864 das Wort „Uranismus“ für die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts verwendete. Preciado stellt sich eine Wohnung auf dem Uranus vor, einen Ort zum Leben außerhalb der modernen Einteilung von Menschen nach Geschlecht, Race, Klasse und Behinderung.

Warum es wichtig ist. Das ist Transition, geschrieben als politische Philosophie statt als Bekenntnis, und das Buch weigert sich, trans Leben in einer eigenen Schublade getrennt von Grenzen, Geld und Krieg abzulegen. Preciado beschreibt sich, in einem Satz, den seine Verlage zitieren, als „Dissident des Sex-Gender-Systems“. Die Texte sind kurz, du kannst also einen nach dem anderen lesen und später zurückkommen.

Gut zu wissen. Weil es Zeitungskolumnen aus den Jahren 2013 bis 2018 sind, reagieren viele direkt auf die Nachrichten jener Zeit.

Inhaltshinweise: Transfeindlichkeit, die extreme Rechte, der Umgang mit Geflüchteten, politische Gewalt

Une histoire de genres (2021, Sachbuch)

Wer dahintersteht: Lexie, die französische Aktivistin hinter dem Instagram-Account Aggressively Trans, auf Französisch geschrieben, im Februar 2021 bei Marabout erschienen. Eine Übersetzung haben wir nicht gefunden. Lexie ist trans Aktivistin und Kunsthistorikerin und begann ihre Transition 2017.

Ein Leitfaden, der in zwei Richtungen spricht. Für trans und nicht-binäre Lesende versammelt er Geschichte, Begriffe und praktische Informationen, etwa dazu, wie man in Frankreich den Vornamen ändert. Für cis Lesende erklärt er, warum die Wörter wichtig sind, welche übergriffigen Fragen man nicht stellen sollte und wie man die üblichen transfeindlichen Argumente erkennt.

Lexie schrieb ihn über etwa ein Jahr, einen großen Teil davon im ersten Covid-Lockdown, und behielt die direkte Stimme ihrer Posts bei, im Wechsel zwischen „ich“ und einem erklärenderen Ton, mit einem Glossar am Ende. Er verwendet bewusst den Plural „transidentités“, um nicht-binäre Menschen einzuschließen.

Warum es wichtig ist. Wenn du Französisch liest, ist das ein klarer Einstieg aus dem Inneren der Community, und einer, den du einem Elternteil, jemandem von der Arbeit oder einer befreundeten Person geben kannst, ohne selbst alles erklären zu müssen. Lexie benennt außerdem Meinungsverschiedenheiten innerhalb der trans Communities, statt so zu tun, als gäbe es nur eine Sicht.

Gut zu wissen. Ein großer Teil des Buchs ist Aufklärung für cis Lesende, manches wirkt also vielleicht grundlegend, wenn du dich schon auskennst, und die praktischen Details geben den Stand in Frankreich 2021 wieder. 2024 berichtete France Inter, dass Lexie online Morddrohungen und gewalttätige Nachrichten erhält und dass mehrere ihrer Festivalauftritte abgesagt wurden, weil die Veranstaltenden Ärger befürchteten.

Inhaltshinweise: Auseinandersetzung mit Transfeindlichkeit und transfeindlichen Argumenten, praktische Informationen zur Transition

Blutbuch (2022, Roman)

Wer dahintersteht: Kim de l'Horizon, Schweiz, auf Deutsch geschrieben, gemischt mit Berndeutsch, Englisch und Französisch, 2022 bei DuMont erschienen. Übersetzungen: Englisch, Sea, Mothers, Swallow, Tongues (Farrar, Straus and Giroux, 2025, übersetzt von Jamie Lee Searle); Französisch, Hêtre pourpre (Julliard, 2023, übersetzt von Rose Labourie). Kim de l'Horizon ist nicht-binär und identifiziert sich weder als Frau noch als Mann, wie die Erzählfigur des Buchs.

Eine Erzählfigur, die in Zürich lebt, weit weg vom Haus in Ostermundigen bei Bern, in dem sie aufgewachsen ist, erfährt, dass die Großmutter ihr Gedächtnis verliert. Die Erzählfigur, die den Vornamen mit Kim de l'Horizon teilt, macht sich daran zu sammeln, was die Familie nie ausgesprochen hat: die harte Kindheit der Großmutter mit einer strengen Mutter und Schwestern, die starben oder verschwanden, die Blutbuche im Garten und eine Reihe von Frauen, deren Leben niemand aufgeschrieben hat.

Das Buch wechselt ständig die Form: Szenen, Essay, Märchen, Memoir, Dialektwörter. Der Titel spielt mit der Blutbuche und mit einem Buch aus Blut.

Warum es wichtig ist. Die nicht-binäre Erzählfigur erklärt sich niemandem. Die eigentliche Frage ist, welche Sprache einen Körper und eine Familiengeschichte fassen könnte, für die die üblichen Wörter nicht passen. 2022 gewann der Roman sowohl den Deutschen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis, und Kim de l'Horizon wurde als erste nicht-binäre Person mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Die Jury ließ sich nach eigenen Worten von der Dringlichkeit und dem Einfallsreichtum des Buchs provozieren und begeistern.

Gut zu wissen. Nach dem Deutschen Buchpreis erhielt Kim de l'Horizon laut deutschen Medien, die sich auf den Verlag beriefen, Hassnachrichten im Netz, und Sabine Kieselbach von der DW merkte an, dass sich ein Großteil der Anfeindungen gar nicht um die literarische Qualität des Buchs drehte. Pierre Deshusses von Le Monde diplomatique bewunderte es, nannte es aber experimentell und stellenweise verstörend.

Inhaltshinweise: Familientrauma über Generationen, die Demenz einer Großmutter, expliziter Sex und bewusst derbe Sprache

La mala costumbre (Die schlechte Gewohnheit) (2023, Roman)

Wer dahintersteht: Alana S. Portero, Spanien, auf Spanisch geschrieben, im Mai 2023 bei Seix Barral erschienen. Übersetzungen: Englisch, Bad Habit (4th Estate in Großbritannien, 2024, übersetzt von Mara Faye Lethem); Französisch, La Mauvaise Habitude (Flammarion, 2023, übersetzt von Margot Nguyen Béraud); Deutsch, Die schlechte Gewohnheit (Claassen, Ullstein, 2024, übersetzt von Christiane Quandt); Italienisch, La cattiva abitudine (Mondadori, 2024, übersetzt von Giulia Zavagna). Portero ist eine trans Frau und hat gesagt, dass das Viertel, die Zeit und ein Teil der Erfahrungen im Roman ihre eigenen sind.

San Blas, ein Arbeiterviertel von Madrid, in den 1980er- und 1990er-Jahren, den Jahren nach Franco. Die Erzählerin Álex ist ein Kind, das alle einen Jungen nennen, und weiß früh, dass die Welt der Männer nicht ihre ist. Um sie herum sind Heroin, Armut und Menschen aus der Nachbarschaft, die sie in Märchenfiguren und Heilige verwandelt, darunter ältere trans Frauen, die die Narben der Polizei der Diktatur tragen.

Es ist ein Coming-of-Age-Roman, rückblickend in der ersten Person erzählt. Portero schreibt mit einer zugleich katholischen und popkulturellen Vorstellungskraft: In Álex' Welt werden Lily Munster und Madonna zu Engeln.

Warum es wichtig ist. Der Roman verortet die Kindheit eines trans Mädchens genau in einer Klasse und einem Moment der spanischen Geschichte. Wie es in der Rezension im Guardian hieß, bewegt sich Álex mit Mitgefühl durch eine Welt aus Gewalt und kleinen Grausamkeiten, und selbst die härtesten Szenen werden ohne Selbstmitleid erzählt; ihr Witz ist ihre Art, sich zu weigern, nur Opfer zu sein. In Spanien wurde er ein Bestseller und gewann dort mehrere Preise, darunter den Premio Dulce Chacón und den Premio Almudena Grandes.

Inhaltshinweise: Belästigung und sexueller Missbrauch eines trans Mädchens, eine brutale sexualisierte Prügelattacke, Heroinkonsum und ein Tod durch Überdosis, Armut

Wie es weitergeht

Für all das lohnt sich die Bibliothek. Gender Queer gehört zu den Büchern, deren Entfernung aus US-Bibliotheken am häufigsten gefordert wurde, und wenn du deine Bibliothek vor Ort bittest, die Bücher anzuschaffen, die du lesen willst, oder die ausleihst, die sie schon hat, trägt das dazu bei, dass sie in den Regalen bleiben.

Wenn dir ein Wort in einem Eintrag neu ist, erklärt es das Glossar. Wenn du lieber schaust als liest, ist Filme und Serien über trans und nicht-binäre Menschen das Gegenstück zu diesem Leseführer.

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Wren · Redaktion

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