Der LGBTQ+ History Month ist nicht ein einziger Monat. Die Vereinigten Staaten begehen ihn im Oktober, Großbritannien im Februar, und andere Länder haben sich einen eigenen Monat ausgesucht. Gemeinsam ist ihnen der Ausgangspunkt: Geschichte, die aus den Klassenzimmern herausgehalten wurde, und Menschen, die beschlossen, sie zurückzuholen. Unten steht, woher jeder dieser Monate kommt, und danach zehn Momente trans Geschichte, die in jeden von ihnen gehören.
Oktober in den Vereinigten Staaten
Der US-Monat wurde im Januar 1994 von Rodney Wilson vorgeschlagen, einem Geschichtslehrer an einer High School in einem Vorort von St. Louis, Missouri. Er wollte, dass LGBT-Geschichte einen eigenen Monat bekommt, so wie die Geschichte von Frauen und die Schwarze Geschichte.
Der Juni kam nicht in Frage, weil dann keine Schule ist. Der Oktober hatte keinen konkurrierenden Gedenkanlass, lag im Schuljahr und war zufällig der Monat des ersten und des zweiten LGBT-Marschs auf Washington, 1979 und 1987, sowie des National Coming Out Day am 11. Oktober. GLAAD, die Human Rights Campaign, die National Gay and Lesbian Task Force und die National Education Association unterstützten ihn früh.
Seit 2006 gestaltet die Organisation Equality Forum die Inhalte des Monats, mit 31 LGBT-Ikonen, einer für jeden Tag im Oktober.
Februar in Großbritannien
Der britische Monat wurde von Sue Sanders und Paul Patrick geschaffen, die gemeinsam den Vorsitz der Bildungsorganisation Schools OUT innehatten. Die Idee entstand nach der Abschaffung von Section 28 durch den Local Government Act 2003. Lynne Nicholls, die dem Vorstand von Schools OUT vorsitzt, beschreibt dieses Gesetz so, dass es in der Praxis auf ein pauschales Verbot hinauslief, an Schulen über LGBT+-Leben zu sprechen; als es abgeschafft war, hatten Sanders und Patrick das Gefühl, dass nichts getan wurde, um dort die Geschichte von LGBT+-Menschen zu erzählen.
Er wurde Ende 2004 gestartet und erstmals im Februar 2005 begangen. Der Februar wurde aus einem praktischen Grund gewählt: Er ist eine der ruhigeren Zeiten im Schuljahr, mit einer kurzen Ferienwoche. Laut Nicholls waren trans Menschen schon beim allerersten Start auf dem Podium vertreten.
Andere Länder
Viele Länder begehen inzwischen eine eigene Version; ein US-Radiobericht zählt rund zwanzig. Einige gut dokumentierte:
- Australien: Oktober, seit 2016, als Minus18 und die Australian Lesbian and Gay Archives die erste landesweite Kampagne durchführten.
- Ungarn: erstmals im Februar 2013 begangen, organisiert von der Háttér Society und der Labrisz Lesbian Association.
- Berlin: Queer History Month, erstmals im Februar 2014 an Berliner Schulen begangen, ein Projekt des Historikers Martin Lücke mit der Bildungsinitiative QUEERFORMAT und der Berliner Bildungsverwaltung.
- Niederlande: März, als Queer Geschiedenismaand, eine Initiative von IHLIA LGBTI Heritage, dem nationalen LGBTQIA+-Archiv.
- Finnland: ein Queer History Month, koordiniert von Seta und dem Dienst Culture for All.
Einige dieser Termine haben sich im Lauf der Jahre verschoben: Ungarns Monat etwa führt ein internationales Netzwerk von History Months inzwischen unter März. Wenn du mitmachen willst, frag bei einem örtlichen LGBTQ+-Archiv oder einer LGBTQ+-Organisation nach.
Zehn Momente trans Geschichte, die man kennen sollte
Diese zehn stellen trans Menschen in den Mittelpunkt, in zeitlicher Reihenfolge. Wo wir schon einen ausführlichen Artikel haben, verlinken wir ihn, statt ihn zu wiederholen.
- 1919 bis 1933: ein Institut in Berlin. Am 6. Juli 1919 eröffnete Magnus Hirschfeld in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft, das erste seiner Art weltweit, an dem einige der frühesten medizinischen Transitionen begleitet wurden. Am 6. Mai 1933 plünderten nationalsozialistische Studenten und SA-Männer das Institut, und wenige Tage später wurden seine Bücher und Akten verbrannt. Wer war die erste Transgender-Person? erzählt diesen Teil der Geschichte, und Lili Elbe folgt einer Patientin des Instituts.
- 1. Dezember 1952: Christine Jorgensen auf der Titelseite. Die New York Daily News brachte ihre Geschichte auf der Titelseite, unter der Schlagzeile Ex-GI Becomes Blonde Beauty (etwa: Ex-GI wird blonde Schönheit), und sie wurde fast über Nacht berühmt. Ihre Geschichte, und was sie aus der Aufmerksamkeit machte, steht in Christine Jorgensen.
- 25. April 1965: Dewey's, Philadelphia. Die Geschäftsführung von Dewey's hatte das Personal angewiesen, einer Gruppe geschlechtlich nonkonformer Jugendlicher die Bedienung zu verweigern, und das Personal wandte das auf alle an, die schwul aussahen oder nicht den Geschlechternormen entsprachen. Am 25. April 1965 wurde 150 Menschen bei einem Sit-in die Bedienung verweigert; drei Jugendliche und der Aktivist Clark Polak wurden festgenommen, und am 2. Mai folgte ein zweites Sit-in. Es gehörte zu den frühesten Protesten dieser Art in den USA.
- August 1966: Compton's Cafeteria, San Francisco. Drei Jahre vor Stonewall wehrten sich Gäste der Compton's Cafeteria im Tenderloin gegen Schikanen der Polizei, in einem Ereignis, das die GLBT Historical Society einen Schlüsselmoment der Transgender-Geschichte nennt. Damals wurde so wenig aufgeschrieben, dass das genaue Datum nie ermittelt werden konnte. Ein früherer Zusammenstoß bei Cooper Do-nuts in Los Angeles, meist auf 1959 datiert, wird ebenfalls oft genannt, stützt sich aber auf sehr wenige Berichte, vor allem auf John Rechys Roman City of Night von 1963.
- 28. Juni 1969 und danach: Stonewall, dann STAR. Der Stonewall-Aufstand begann am 28. Juni 1969 in New York. 1970 gründeten Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera in New York STAR, Street Transvestite Action Revolutionaries; manche Quellen datieren die Gründung auf 1971.
- 1970 bis 2004: der Fall April Ashley und was das Urteil kippte. 1970 erklärte ein englisches Gericht im Verfahren Corbett v Corbett die Ehe von April Ashley für nichtig, mit der Begründung, das Geschlecht eines Menschen stehe ab der Geburt fest. Dieses Urteil blieb in Großbritannien die maßgebliche Entscheidung, bis zum Gender Recognition Act 2004. Die Wende kam am 11. Juli 2002, als der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall Christine Goodwin v the United Kingdom entschied, dass die fehlende rechtliche Anerkennung ihres Geschlechts ihr Recht auf Privatleben verletzte. Der Gender Recognition Act erhielt am 1. Juli 2004 die königliche Zustimmung (Royal Assent).
- 1999: Eine Bürgermeisterin wird Abgeordnete. Georgina Beyer, 1995 zur Bürgermeisterin von Carterton in Neuseeland gewählt, gewann 1999 den Wahlkreis Wairarapa im Parlament. Ihre Wahl als weltweit erste offen transgender Bürgermeisterin und Abgeordnete sorgte international für Aufsehen.
- 20. November 1999: der erste Trans Day of Remembrance. Gwendolyn Ann Smith hielt in San Francisco eine Mahnwache für Rita Hester, die im Jahr davor ermordet worden war. Der Tag wird heute auf der ganzen Welt begangen; siehe Trans Day of Visibility, Day of Remembrance und weitere Aktionstage.
- Mai 2012: Argentiniens Gesetz über Geschlechtsidentität. Argentinien erlaubte allen, Namen und Geschlecht in ihren Ausweisdokumenten über ein einfaches Verwaltungsverfahren zu ändern. Das Gesetz sagt ausdrücklich, dass dafür niemand eine Operation, eine Hormonbehandlung oder irgendeine psychologische oder medizinische Behandlung nachweisen muss, und Human Rights Watch beschreibt Argentinien als Vorreiter in seiner Region bei der rechtlichen Anerkennung des Geschlechts.
- 25. Mai 2019: raus aus dem Kapitel der psychischen Störungen. Die Weltgesundheitsorganisation beschloss, die Geschlechtsidentitätsstörung aus der elften Internationalen Klassifikation der Krankheiten zu streichen; die Geschlechtsinkongruenz kam in ein neues Kapitel zur sexuellen Gesundheit. Eine verantwortliche Person bei der WHO erklärte, die Organisation habe nun ein „besseres Verständnis dafür, dass es sich eigentlich nicht um eine psychische Erkrankung handelt“.
Den Monat gut nutzen
Ein History Month ist am nützlichsten, wenn er dich zu echten Menschen führt statt zu Slogans. Such dir einen Namen aus der Liste oben aus und lies weiter als bis zur Schlagzeile. Wenn es in deiner Nähe ein LGBTQ+-Archiv gibt, besuch es oder seine Website und such nach der trans Geschichte deiner eigenen Region.

Wren · Redaktion
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