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Androgyner Style: Frisuren und Kleidung

Ein Look, der männliche und weibliche Codes mischt oder ihnen ausweicht: welche Frisuren du verlangen kannst, welche Kleidung die Arbeit macht und warum er keinem Körper vorbehalten ist.

Wren

Androgyn als Look meint ein Erscheinungsbild, das männliche und weibliche Codes mischt oder ihnen ausweicht. Es ist ein Stil, kein Geschlecht. Androgyn als Geschlecht ist eine Identität, und beides muss nicht zusammenfallen: Eine im Geschlecht androgyne Person kann sich völlig konventionell kleiden, und jemand mit einem binären Geschlecht kann an jedem Tag der Woche androgyn aussehen. Auf dieser Seite geht es um den Look.

Was androgyn als Look bedeutet

Die Kategorien männlich und weiblich im Geschlechtsausdruck sind sozial konstruiert. Sie beruhen auf gemeinsamen Vorstellungen von Kleidung, Verhalten und Auftreten, und deshalb verschieben sie sich ständig. Hosen kamen erst um die Zeit des Ersten Weltkriegs in die Damenmode, und in den 1920er-Jahren galt ein Bubikopf bei einer jungen Frau noch als ziemlich schockierendes Bekenntnis zur Unabhängigkeit. Beides ist heute ganz alltäglich.

In der Praxis gibt es zwei grobe Wege, und die meisten mischen sie. Der eine ist Kombinieren: ein scharf geschnittenes Sakko mit lackierten Nägeln, ein Buzz Cut mit Ohrringen, ein langer Rock mit schweren Stiefeln. Der andere ist Neutralisieren: Formen, Farben und Details wählen, die in keine Richtung viel signalisieren. Keiner der beiden ist authentischer als der andere.

Der hilfreichste Satz zum Thema stammt von TransHub, der australischen Informationsseite von ACON für trans und geschlechtsdiverse Menschen: Kleidung hat kein Geschlecht, Menschen schon. Alles Weitere hier ist ein Werkzeugkasten, keine Kleiderordnung.

Frisuren mit Namen

Haare gehören zu den schnellsten Mitteln, um zu verändern, wie du gelesen wirst, und zu denen, die sich am leichtesten rückgängig machen lassen, denn sie wachsen nach. Wenn du die Namen der Schnitte kennst, wird das Gespräch im Salon viel kürzer. Hier steht, was jeder Name normalerweise beschreibt.

  • Buzz Cut. Kurzes Haar, vor allem überall am Kopf gleich lang, meist mit der Haarschneidemaschine geschnitten.
  • Pixie Cut. Hinten und an den Seiten kurz, oben etwas länger, mit sehr kurzem Pony. Er ist eine Variante des Crop Cut.
  • Caesar Cut. Kurzer, waagerecht gerade geschnittener Pony, das Haar rundum auf etwa 2 bis 5 cm gestuft.
  • Undercut. Oben längeres Haar, oft mit Seiten- oder Mittelscheitel, hinten und an den Seiten sehr kurz geschoren oder rasiert.
  • Curtained Hair. Ein langer Pony, geteilt durch einen Mittel- oder Seitenscheitel, mit kurzen oder rasierten Seiten und Hinterkopf.
  • Shag. Haar in verschiedenen Längen gestuft, voll am Oberkopf und zu den Rändern hin dünner. Anfang der 1970er-Jahre wurde er als Unisex-Frisur beliebt.
  • Mullet (Vokuhila). Vorne, oben und an den Seiten kürzer, hinten länger. In den 1980er-Jahren wurde er Teil der lesbischen Kultur, als Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit anderen gegenüber zu erkennen zu geben.
  • Bob. Rundum gerade geschnitten, etwa auf Höhe der Kieferlinie, nicht länger als bis zu den Schultern, oft mit Pony.

Lange Haare sind nicht ausgeschlossen. Wie du sie trägst, macht so viel aus wie ihre Länge: tief zusammengebunden, offen und ungestylt, hinter die Ohren gestrichen oder mit darunter kurz geschnittenen Seiten. TransHub sagt es klar: So einfach, dass kurze Haare männlich und lange Haare weiblich sind, ist es nicht.

Was du im Friseursalon oder Barbershop sagst

Bring Bilder mit. TransHub empfiehlt, ein Foto der gewünschten Frisur zu zeigen, statt sie zu beschreiben. Nimm mehrere Ansichten mit, wenn du welche findest: von vorne, von der Seite und von hinten.

Beschreib das Ergebnis, nicht die Kategorie. „An den Seiten kurz, oben so viel Länge, dass es sich bewegt“ bringt dich weiter, als nach einem Herren- oder Damenschnitt zu fragen. Sag, ob die Konturen weich oder scharf sein sollen und wie das Haar im Nacken abschließen soll: bis auf die Haut auslaufend oder in einer geraden Blockkante.

Merk dir deine Aufsatznummer. Wenn eine Haarschneidemaschine im Spiel ist, frag, welcher Aufsatz benutzt wurde, und schreib ihn dir auf. Die meisten Aufsätze sind in Achtelzoll nummeriert: Eine Nummer 1 lässt etwa 3 mm Haar stehen, eine Nummer 2 etwa 6 mm, eine Nummer 3 etwa 10 mm. Wenn du eine Nummer gefunden hast, die dir gefällt, kannst du beim nächsten Mal wieder danach fragen.

Sag, wie viel Zeit du dafür aufwenden willst. Ein Schnitt, der jeden Morgen Stylingprodukte und Föhnen braucht, ist ein anderer Schnitt als einer, den du einfach in Ruhe lassen kannst. Sag, welchen du willst.

Such dir jemanden, dem du dich nicht erklären musst. TransHub schlägt vor, andere trans Menschen nach Empfehlungen für trans-freundliche Salons und Barbershops zu fragen. Lokale Gruppen sind ein guter Ort dafür; Wie finde ich eine Selbsthilfegruppe für trans Menschen? nennt ein paar Ausgangspunkte.

Kleidung: Der Schnitt macht mehr als das Etikett

Zuerst die Form. Das meiste daran, wie ein Outfit gelesen wird, ist Silhouette: wo die Schultern sitzen, ob die Taille betont ist, wie weit das Hosenbein ist. Gerade Linien, kastige Oberteile, strukturierte Schultern und Hosen mit geradem oder weitem Bein schwächen die üblichen Signale eher ab. Betonte Taillen und ausgestellte Säume fügen sie wieder hinzu. Nichts davon ist falsch; es hängt davon ab, in welche Richtung du gehen willst.

Lagen. Ein offenes Hemd über einem T-Shirt, eine Weste, ein langer Mantel, eine Strickjacke über einem Hemdkragen. Lagen verändern die Silhouette des ganzen Körpers, ohne vom Körper selbst etwas zu verlangen, und sie sind der günstigste Weg, ein schlichtes Kleidungsstück bewusst gewählt aussehen zu lassen.

Farbe und Stoff. Eine neutrale Palette aus Schwarz, Grau, Marineblau, Weiß und Erdtönen ist ein oft gegangener Weg, aber Farbe hat kein Geschlecht, und ein knalliges oder pastellfarbenes Teil in einem schlichten Schnitt funktioniert genauso gut. Feste Stoffe wie Denim, Twill und schwere Baumwolle halten eine Form; weiche, fließende Stoffe folgen dem Körper. Wähl danach, was du willst.

Knöpfe und Details. Klassische Kleidung hat die Knöpfe bei Männern rechts und bei Frauen links. Das hilft beim Secondhand-Einkauf zu erkennen, aus welcher Abteilung ein Hemd stammt, wenn kein Etikett es verrät.

Passform über Abteilungen hinweg. Herren- und Damenkollektionen sind meist für unterschiedliche Körperproportionen geschnitten, deshalb bedeutet dieselbe Größenangabe auf beiden Seiten etwas anderes. TransHub rät, Brust-, Taillen- und Hüftumfang zu messen, mit der Größentabelle zu vergleichen und so zu kaufen, dass alle Maße passen, oder zumindest das größte. Teile wie T-Shirts sind oft unisex geschnitten, Jeans dagegen können je nach Kollektion unterschiedlich geschnitten sein, deshalb lohnt es sich, Hosen anzuprobieren.

Änderungsschneiderei. Eine Änderung kann aus einem fast passenden Kleidungsstück ein passendes machen. Frag in einer Schneiderei, was einfach ist und was nicht, bevor du etwas kaufst, das nur mit Änderungen passt.

Schuhe, Brillen, Schmuck und Accessoires

Schuhe. Stiefel, Loafer, Derbys, Sneaker und flache Sandalen gibt es in beiden Kollektionen, und je nach Sohle und Schuhspitze wirken sie sehr unterschiedlich. Wenn du in beiden Abteilungen kaufst, prüf das Größensystem: In den USA liegen Damengrößen auf der Standardskala eine Größe über den Herrengrößen und auf der sogenannten Common Scale eineinhalb Größen darüber, eine Herren-8 entspricht also einer Damen-9 oder 9,5. TransHub veröffentlicht eine Umrechnungstabelle zwischen Herren- und Damengrößen, die du am besten auf dem Handy dabeihast.

Brillen. Das Gestell sitzt mitten im Gesicht, deshalb verändert es, wie das Gesicht gelesen wird. Runde, eckige, dünne Metall-, schwere Acetat- und transparente Gestelle wirken an derselben Person ganz unterschiedlich. Probier mehr auf, als du für nötig hältst, und mach Fotos, damit du sie nebeneinander vergleichen kannst.

Schmuck. Ein einzelner Ohrring, eine Kette, Siegelringe, eine schlichte Uhr, gestapelte Armbänder. Kleine Teile sind eine einfache Möglichkeit, ein Signal hinzuzufügen oder wegzunehmen, ohne sonst etwas zu ändern, und sie sind schnell abgelegt, bevor du einen Raum betrittst, in dem du lieber nicht auffallen möchtest.

Accessoires. Taschen, Hüte, Schals und Gürtel tragen überraschend viel Codierung. Eine strukturierte Tote Bag, eine Umhängetasche, eine Schiebermütze oder eine Beanie sind alles Wege, ein Outfit für sehr wenig Geld in eine andere Richtung zu schieben.

Einkaufen in beiden Abteilungen

Die Schilder über den Kleiderstangen sind Marketingkategorien. Kleidung bekommt ihr Geschlecht dadurch zugewiesen, wie sie verkauft wird, und ein Kleidungsstück weiß nicht, auf welcher Seite des Ladens es hängt. Kauf in beiden ein.

In der Umkleidekabine kann es unangenehm werden. TransHub schlägt vor, eine befreundete Person mitzunehmen, der du vertraust und die ein Puffer zwischen dir und neugierigem Personal sein kann. Online lohnt es sich, nach Shops zu suchen, die die Maße der Kleidungsstücke angeben statt nur Größenbezeichnungen, und vor der Bestellung die Rückgaberegeln zu prüfen, damit dich das Anprobieren zu Hause nichts kostet.

Lass dir Zeit. TransHub weist darauf hin, dass cis Menschen ihr ganzes Leben Zeit haben, ihren Stil zu finden. Jedes Teil, das du anprobierst und wieder zurückhängst, gehört dazu, herauszufinden, was funktioniert, und ist kein Zeichen, dass du etwas falsch machst.

Mit kleinem Budget

Secondhand ist der beste Freund aller, die experimentieren. Secondhandläden, Sozialkaufhäuser und Charity-Shops haben oft viele verschiedene Stile und Größen zum Anprobieren, und ein Fehlkauf kostet wenig. Schau jedes Mal in beiden Abteilungen.

Bau auf ein paar Teilen auf statt auf einer ganzen Garderobe: eine Jacke, die an den Schultern so sitzt, wie du willst, eine Hose, die passt, ein Paar Schuhe, in denen du gut laufen kannst. Die meisten Outfits sind Variationen davon.

Tauschen. Frag nach, ob eine lokale trans oder queere Gruppe eine Kleidertauschparty veranstaltet, oder starte selbst eine mit Freundinnen und Freunden: Ein Hemd, von dem sich jemand anderes getrennt hat, kostet nichts zum Ausprobieren. Geh auch deinen eigenen Kleiderschrank durch: Ein Teil, das du schon besitzt, kann ganz anders aussehen, eine Nummer größer, in die Hose gesteckt, umgekrempelt oder in Lagen getragen.

Es gibt nicht den einen Körper dafür

Wenn die meisten Bilder von androgynem Stil, die du gesehen hast, eine bestimmte Art von Körper zeigen, sagt das etwas darüber, wer meistens fotografiert wird, nicht darüber, wem der Stil gehört. Er funktioniert an dicken und dünnen Körpern, großen und kleinen, jungen und alten, mit und ohne Behinderung, bei jeder Hautfarbe und jedem Gesicht.

Er ist auch keine Prüfung. Androgyner Stil verlangt nicht, dass man dich nicht einordnen kann, und er verlangt nicht, dass du so aussiehst, wie sich irgendwer nicht-binär vorstellt. Du kannst am Dienstag androgyn aussehen und am Samstag nicht. Worum es geht, liegt näher an Gender-Euphorie als an einem Kostüm: das Gefühl, dein Spiegelbild zu sehen und dich darin wiederzuerkennen.

Binding, Tucking und andere Möglichkeiten, zu verändern, wie der Körper unter der Kleidung sitzt, gehen über diese Seite hinaus und sind Sache von medizinischem Fachpersonal oder einem vertrauenswürdigen Gesundheitsangebot aus der trans Community.

Wren · Redaktion

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